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Handwerk will "Duales Abitur" Auf dem Holzweg der Akademisierung

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Denkfehler des Akademisierungswahns

Hinter dem Glauben an die sozialpolitische Heilswirkung der Massenakademisierung steht ein simpler Denkfehler: Tatsächlich haben Akademiker ein niedrigeres Arbeitslosigkeitsrisiko. Aber wer daraus folgert, dass wir mit der Erhöhung des Akademikeranteils die Arbeitslosigkeit insgesamt bekämpfen, verkennt den Effekt des Downgrading.

Natürlich bekommen stets eher diejenigen eine Stelle, die höher qualifiziert scheinen. Das heißt aber nicht, dass dadurch neue Stellen geschaffen werden. Sondern: dass Akademiker Stellen einnehmen, die bisher Nichtakademiker innehatten. Und dass ein akademisches Studium kompetentere Handwerker, Techniker und Kaufleute hervorbringt als das duale System, kann man bezweifeln.  

Die fatalen Folgen des Akademisierungswahns werden von Philosophen wie Julian Nida-Rümelin und Konrad Paul Liessmann, aber nicht von den Bildungspolitikern aller etablierten Parteien problematisiert. Im Gegenteil: Man verschloss jahrelang in den Ministerien schlicht die Augen davor, dass dem dualen Ausbildungssystem die handwerklich, technisch und kaufmännisch (und gerade eben nicht wissenschaftlich) begabten jungen Leute ausgespannt wurden.

Die landen jetzt alle an den Universitäten und Hochschulen, die ihnen als einziger Weg zu einem sicheren, gut bezahlten und erfüllenden Beruf eingeredet wurden. Am Ende muss sich natürlich ein großer Teil der Studierten mit beruflichen Karrieren anfreunden, die vor 20 Jahren vor allem Unstudierten offen standen.

Oder sie vergrößern nach einigen Semestern das Heer der frustrierten Studienabbrecher. Um diese wiederum kümmert sich dasselbe Bundesministerium für Bildung, das jede neue Rekordmeldung zu den Studienanfängerzahlen als Erfolg einer großen politischen Anstrengung feiert, nun mit speziellen Abbrecherprogrammen. Sie asphaltiert damit also – vom Steuerbürger teuer bezahlt – ihren eigenen Holzweg, statt ihn zu verlassen.

Hochschule



Die Forderung nach einem "dualen Abitur", sollte sie denn erfüllt werden, und die Berufsbildungsprogramme der Regierung für Studienabbrecher sind erschütternde Beispiele dafür, wie die die Bildungspolitik Wunden verarzten will, die sie selbst geschlagen hat.

Wilhelm von Humboldt, der kluge Mann, dem Deutschland das beste Bildungs- und Wissenschaftssystem der Welt zu verdanken hat(te), erkannte schon vor über 200 Jahren die "fureur de gouverner", die Raserei des Regierens, als verhängnisvollste Krankheit eines Staates. Seine "Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen" von 1791 sind heute aktueller als je zuvor. Aber von Humboldt wollen unsere Bildungspolitiker bekanntlich nichts mehr wissen.

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