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Harsche Kritik am Bachelor-Studium für Ökonomen "Der Eliteanspruch geht verloren"

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"Modestudiengänge" entstehen

Vielleicht haben Sie ja nur Ihre Anforderungen hochgeschraubt.
Nein. Wir leiden vielmehr unter den Folgen der Umstellung auf Bachelor- und Master-Abschlüsse. Die Ökonomenausbildung war früher generalistischer, die Absolventen hatten inhaltlich ein breiteres Spektrum. Dafür stand das Diplom. Nun entstehen vielerorts Modestudiengänge. Es findet eine frühe Spezialisierung der Studenten statt, da gibt es Eventmanagement und Gesundheitsmanagement und Medienmanagement; für jeden ist etwas dabei. Viele betrachten das Bachelor-Studium mittlerweile als Ersatz für eine klassische Ausbildung. So geht der Eliteanspruch, den eine universitäre Ausbildung haben sollte, verloren.

Die Verteilung von BWL- und VWL-Studenten.

Heißt das: Wer seinen Bachelor in BWL oder VWL macht, sollte in jedem Fall das Master-Studium dranhängen, um die für Top-Jobs nötige wissenschaftliche Breite zu bekommen?
Wer als Ökonom Karriere machen will, sollte dies unbedingt tun – und womöglich auch noch die Promotion dranhängen. Es ist nun mal so, dass der Bachelor-Abschluss für viele Aufgabenbereiche, die die Unternehmen früher mit Diplom-Absolventen besetzt haben, nicht ausreicht. Selbst ein notenmäßig guter Bachelor-Abschluss ist kein Selbstläufer auf dem Arbeitsmarkt. Auf Zeugnisse und Zertifikate vertrauen viele Unternehmen nicht mehr. Die Bedeutung der Abschlussnote nimmt in vielen Personalabteilungen ab.

Konkret: Wie gehen Sie als Unternehmer vor, wenn Sie neues Personal rekrutieren?
Wenn wir Berufsanfänger von der Hochschule einstellen, wollen wir die Leute vorher im Arbeitsalltag kennenlernen, etwa durch Praktika in den Semesterferien oder kleine Nebenjobs. So lässt sich die Persönlichkeit der Bewerber besser beurteilen. Wir nutzen zudem die Netzwerke unserer Mitarbeiter, indem wir sie in die Personalakquise einbinden und sie im Erfolgsfall mit Prämien belohnen. Und was ganz wichtig ist: Der introvertierte Einzelkämpfer ist out – selbst wenn er über exzellente Kenntnisse verfügt.

Die besten Universitäten
Technische Universität BerlinDie 1879 gegründete TU Berlin schafft es gleich in fünf Fächern unter die ersten Zehn: Platz zwei in den Naturwissenschaften, Rang vier im Wirtschaftsingenieurwesen, Platz fünf in der Informatik. Sechster wurde die TU Berlin in der Elektrotechnik, siebter im Maschinenbau. Insgesamt konnte sich der Hochschulstandort in diesem Jahr deutlich verbessern und in zahlreichen Kategorien aufsteigen. Quelle: TU Berlin/Dahl
Universität zu KölnIhre Vorgänger-Uni wurde 1388 als vierte Universität im deutsch-römischen Kaiserreich gegründet. 1798 wurde sie unter napoleonischer Besetzung geschlossen. 1919 wurde sie neu gegründet. Auch 625 Jahre nach ihrer ursprünglichen Gründung ist die Hochschule noch auf dem neusten Stand, wie das Uni-Ranking zeigt. Die Volkswirte der Universität zu Köln schaffen es auf den zweiten Platz. Im Fach BWL reicht es diesmal für den dritten Rang. Unter die ersten Fünf gelangt sie außerdem bei dem Wirtschaftsinformatikern. Quelle: dpa
Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU München)Doch die bayrische Hauptstadt beherbergt noch eine weitere Spitzenuniversität – die LMU München. Schon Konrad Adenauer, Theodor Heuss und Gustav Heinemann studierten hier. Die 1472 gegründete Hochschule zählt zu den renommiertesten Universitäten Deutschlands. Im internationalen Times-Higher-Education-Ranking wurde sie aktuell als beste deutsche Universität ausgezeichnet. Und auch die deutschen Personaler kann sie von sich überzeugen, vor allem in den Wirtschaftswissenschaften. Rang zwei erreicht sie im Fach BWL, in der Volkswirtschaftslehre reicht es für den dritten Rang. Die Bronzemedaille sicherte sich die LMU außerdem in den Naturwissenschaften. Quelle: Presse
Technische Universität MünchenBereits 1868 gegründet, kann die TU München auf eine fast 150-jährige Geschichte zurückblicken, die von reichlich Erfolgen geprägt ist. So wurden zum Beispiel schon 13 Alumni und Professoren der Universität mit einen Nobelpreis ausgezeichnet. Auch im diesjährigen Hochschul-Ranking der WirtschaftsWoche kann die TU überzeugen. In der Wirtschaftsinformatik belegt sie hinter Darmstadt den zweiten Rang. Platz drei geht an die Informatiker der TU München. Auch im Maschinenbau (5. Platz), in der Elektrotechnik (4. Platz) und den Naturwissenschaften (5. Platz) punktete die bayrische Hochschule. Quelle: Technische Universität München, Albert Scharger
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am MainDie Bankenstadt Frankfurt am Main bleibt auch im Uni-Ranking 2014 ihrem Image treu und punktet vor allem in den Wirtschaftswissenschaften: Sie siegt in der Volkswirtschaftslehre und schafft es im Fach BWL immerhin auf den fünften Rang. Genauso wie bei den Naturwissenschaften. Quelle: dpa
Technische Universität DarmstadtHoheitlich ist ebenfalls der Sitz der TU Darmstadt. Wie in Mannheim, beherbergt auch in Darmstadt ein Residenzschloss die Hochschule. Ihr universitärer Status ist allerdings nochmal 30 Jahre jünger als der Mannheimer. Seit 1877 ist sie eine Technische Hochschule, zur Universität wurde sie erst 1997. Getreu ihrem Namen liegen ihre Stärken im technischen Bereich: In der Wirtschaftsinformatik konnte die Universität ihren Sieg aus dem Vorjahr verteidigen. Im Maschinenbau, der Elektrotechnik und dem Wirtschaftsingenieurwesen belegt sie jeweils Rang drei. Platz vier wurde es in der Informatik. Quelle: Thomas Ott/ TU Darmstadt
Universität MannheimJunge Universität, alter Sitz. Erst 1967 wurde die Mannheimer Handelshochschule zur Universität erhoben. Die im Barockschloss heimische Hochschule gehört damit zu den jüngeren deutschen Unis. Aufgrund ihrer wirtschaftswissenschaftlichen Ursprünge, zeigt sich in diesem Bereich auch die Kompetenz der Universität. Im diesjährigen Hochschul-Ranking belegt sie in der Betriebswirtschaftslehre weiterhin den ersten Rang. Im Fach Wirtschaftsinformatik reichte es immerhin für Platz zwei, in der VWL für den vierten Rang. Eine weitere TopTen-Platzierung schaffte sie im Bereich Informatik – Platz sechs. Quelle: Norbert Bach - Universität Mannheim

Wen suchen Sie stattdessen?
Gefragt sind Mitarbeiter, die ihre Vorgehensweisen, Ideen und Ergebnisse vermitteln können. Es nützt nichts, wenn ich tolle Ergebnisse produziere, diese aber anderen nicht begreiflich machen kann. Die Ansprüche an soziale und kommunikative Kompetenz sind deutlich gestiegen.

Und am Ende regieren die eloquenten Schaumschläger, während die stillen Tüftler untergehen.
Es kommt nicht darauf an, besonders geschliffen zu reden. Sondern darauf, dass ich andere abholen kann, dass ich teamfähig bin. Leute, die nicht im Team arbeiten können oder wollen, versuchen wir von vornherein herauszufiltern. Wer als Volks- oder Betriebswirt Schwächen im kommunikativen Bereich hat, muss daran arbeiten. Sonst wird es schwer, einen guten Platz im Unternehmen zu finden.

Gibt es speziell für Volkswirte überhaupt noch Top-Jobs in Deutschland?
Ja, auch wenn die Zahl der attraktiven Stellen tendenziell abnimmt. Der klassische Einsatzbereich sind Verbände, politiknahe Institutionen und Forschungsinstitute. In der Privatwirtschaft ist es schwieriger. Vereinzelt stellen Beratungsunternehmen gezielt Volkswirte ein, aber auch Banken oder große Konzerne, die sich eine eigene volkswirtschaftliche Abteilung leisten können.

Die besten Universitäten der Welt
Rang 10: Universität von Kalifornien in Berkeley und University of Chicago Quelle: Creative Commons/Falcorian
Rang 9: ETH Zürich Quelle: REUTERS
Imperial College London Quelle: Imperial College London
Princeton University Quelle: dpa
Rang 6: Harvard Universität Quelle: Reuters
Rang 5: Massachusetts Institute of Technology Quelle: Creative Commons/Thermos
Rang 4: Universität von Cambridge Quelle: REUTERS

Müssten mit dem Wandel der Wirtschaft nicht auch neue Berufsbilder für Ökonomen entstehen?
Das passiert doch. Die Unternehmen fragen zum Beispiel immer stärker Informatiker nach, die betriebswirtschaftliche Kenntnisse mitbringen – oder suchen umgekehrt Betriebswirte, die sich gut mit IT-Fragen auskennen. Ähnlich ist es im Maschinenbau. Die Kombination aus technischem und ökonomischem Wissen wird auf dem Arbeitsmarkt immer wichtiger. Die zunehmende Vernetzung der Wirtschaft erhöht zudem in vielen Berufsbildern den Stellenwert von Logistikwissen. Darauf müssen die Hochschulen mit ihren Angeboten reagieren.

Und wie ist es mit den Schulen? Kommen wirtschaftliche Fragen im Unterricht ausreichend vor?

In Arbeit
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Nein, im Gegenteil. Wirtschaft findet an den meisten Schulen nur völlig unzureichend statt. Ökonomische Bildung muss daher dringend ein fester Bestandteil der schulischen Ausbildung werden. Unser Verband fordert seit Langem ein Pflichtschulfach Wirtschaft. Dass das Bundesland Baden-Württemberg entsprechende Pläne angekündigt hat, begrüßen wir ausdrücklich.

Wie soll das aussehen? Wollen Sie mit 11-Jährigen über Konjunkturtheorie diskutieren?
Es geht nicht darum, Dinge aus dem Studium vorwegzunehmen, sondern um das Verständnis ökonomischer Zusammenhänge. Die Schule sollte junge Menschen auf die vielen Facetten des Wirtschaftslebens vorbereiten. Das kann schon damit anfangen, wie Versicherungen funktionieren oder was man bei einem Sparplan oder Handyvertrag beachten muss.

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