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Hochschulen Noch weniger Betreuung für Studentenflut

Noch nie gab es in Deutschland so viele Studenten wie heute. Doch das ist nicht nur eine erfreuliche Meldung. Denn es gibt auch viele Probleme.

Deutschlands Spitzen-Universitäten 2012
RWTH AachenAachen liegt in allen technischen Disziplinen vorne. Das ist auch der Anspruch der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH), die als eine der wenigen deutschen Elite-Unis gilt. Mit ihrem Zukunftskonzept „RWTH 2020“ hat sie sich zum Ziel gesetzt, bis zum Ende des Jahrzehnts eine der weltweit besten „integrierten interdisziplinären technischen Hochschulen“ zu werden. Diese Anstrengungen fördert die Bundesregierung mit ihrer Exzellenz-Initiative. Exzellenz bescheinigt die WirtschaftsWoche der RWTH auch in ihrem Uni-Ranking: Sie belegt den ersten Platz in Naturwissenshaften, Elektrotechnik, Wirtschaftsingenieurwesen und Maschinenbau. Bei Informatik steht Aachen auf dem zweiten Platz Quelle: dapd
Uni MannheimJunge Universität, alter Sitz. Erst 1967 wurde die Mannheimer Handelshochschule zur Universität erhoben. Die im Mannheimer Barockschloss heimische Hochschule gehört damit zu den jüngeren deutschen Unis. Aufgrund ihrer wirtschaftswissenschaftlichen Ursprünge, zeigt sich in diesem Bereich auch die Kompetenz der Uni. Im Hochschul-Ranking der WirtschaftsWoche belegt sie in den Fächern VWL und BWL jeweils den ersten Platz. Außerdem ist sie in den Top 10 jeweils in Wirtschaftsinformatik (3), Informatik (8) und Jura (8). Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)Die Uni Karlsruhe war die Informatik-Pionierin unter den deutschen Hochschulen. 1969 etablierte sie als erste deutsche Hochschule einen Informatik-Diplomstudiengang, drei Jahre später entstand in Karlsruhe die erste deutsche Fakultät für Informatik. Nachdem, sie sich 2005 den Zusatz „Forschungsuniversität“ gab fusionierte sie 2009 mit dem Kernforschungszentrum der Helmholtz-Gemeinschaft zum Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Die Informatik-Pionierarbeit hat sich gelohnt: Das KIT belegt in dem Fach den ersten Platz im WirtschaftsWoche-Ranking. Bei Elektrotechnik, Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen kommt das KIT auf den zweiten Platz, bei Naturwissenschaften auf den dritten. Quelle: dpa
Technische Uni München (TUM)Die Bundesregierung zeichnete die Technische Uni München (TUM) gleich doppelt aus: Einerseits gehörte sie 2007 zu den ersten drei geförderten Hochschulen ihrer Exzellenz-Initiative, andererseits ernannte sie der Bund als Teil seiner Existenzgründer-Initiative „Exist“ zur Gründerhochschule. Denn an der TUM soll nicht nur geforscht, sondern damit auch Geld verdient werden. Dafür hat sie mit der UnternehmerTUM GmbH etwa eine eigene Unternehmensberatung für ihre Studenten gegründet, die auch über einen Förder-Fonds verfügt. Im Fach Wirtschaftsinformatik verleiht die WirtschaftsWoche der TUM den ersten Platz unter der deutschen Hochschulen, bei Naturwissenschaften gibt es den zweiten Platz, bei Elektrotechnik, Maschinenbau und Wirtschaftsinformatik den dritten Platz, sowie bei BWL den zehnten Platz. Quelle: Technische Universität München, Albert Scharger
Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU)Konrad Adenauer, Theodor Heuss und Gustav Heinemann studierten hier schon: Die 1472 gegründete Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) zählt zu den renommiertesten Universitäten Deutschlands. Im internationalen Times-Higher-Education-Ranking wurde sie 2011 als beste deutsche Universität ausgezeichnet, beim Ranking der Shanghaier Jiao-Tong-Universität landet sie in Deutschland auf dem zweiten Platz nach der TU München. Bei der WirstchaftsWoche belegt sie den ersten Platz im Fach Jura, sowie den dritten Platz bei BWL und VWL, sowie den vierten bei Naturwissenschaften. Quelle: Creaitve Commons: CC BY-SA 3.0
Uni KölnDicht hinter Mannheim, liegt in den Wirtschaftswissenschaften die Uni Köln. Bei VWL und BWL belegt sie im WirtschaftsWoche-Ranking den zweiten Platz, bei Jura Platz 3 und bei Wirtschaftsinformatik Platz 5. Genau wie in Mannheim, geht auch die Kölner Uni auf eine Handelshochschule zurück. Gegründet im Jahr 1901, wurde sie 1919 zur Universität umgewandelt. Ihre Vorgänger-Uni wurde 1388 als vierte Universität im deutsch-römischen Kaiserreich gegründet. 1798 wurde sie unter napoleonischer Besetzung geschlossen. Die heutige Universität zu Köln wird ebenfalls von der Exzellenz-Initiative der Bundesregierung gefördert. Quelle: dpa/dpaweb
Technische Uni DarmstadtHoheitlich ist der Sitz des Technischen Uni Darmstadt. Wie in Mannheim, beherbergt auch in Darmstadt ein Residenzschloss die Hochschule. Ihr universitärer Status ist allerdings ganze 30 Jahre jünger als der Mannheimer. Seit 1877 ist sie eine Technische Hochschule, zur Universität wurde sie erst 1997. Getreu ihrem Namen liegen ihre Stärken im technischen Bereich: Beim Wirtschaftsingenieurwesen landet sie im WirtschaftsWoche-Ranking auf dem dritten Platz, bei Informatik, Elektrotechnik und Maschinenbau kommt sie auf den vierten, bei Naturwissenschaften auf Rang 5. Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche

Heute hat das Statistische Bundesamt die neusten Zahlen zur deutschen Hochschullandschaft präsentiert. Zentrales Ergebnis: Noch nie studierten so viele Menschen wie heute. 2011 waren es 2,4 Millionen. Das sind 27 Prozent mehr als noch 2001. Dieses Jahr sind es nach vorläufigen Zahlen sogar 2,5 Millionen Studenten.

Vor allem die hohe Zahl an Erstsemestern in den Jahren 2012 und 2011 sind ausschlaggebend für den Rekord. Im Studienjahr 2011 begannen 518.700 junge Menschen mit einem Studium, so viele wie nie zuvor. „Ursache für die hohe Zahl waren die Doppelabiturjahrgänge in Bayern und in Niedersachsen aufgrund der Umstellung auf G8 und die Aussetzung der Wehrpflicht“, sagte der Präsident des Statistischen Bundesamtes Roderich Egeler auf der Pressekonferenz in Berlin.

Wer geht wohin?

Auch bei der Jahrespressekonferenz des Deutsche Studentenwerks freute man sich über den Rekord an Studierenden, verband damit aber sogleich Forderungen an die Politik. „Weniger erfreulich ist, dass Bund und Länder bisher für die soziale Infrastruktur des Studiums, also all das, was die Studentenwerke leisten, keinen Cent zusätzliche Mittel bereitgestellt haben“, sagte Dieter Timmermann, Präsident des Deutschen Studentenwerks. Wer die Studienplatzkapazitäten ausbaue, müsse auch die Versorgung mit Wohnraum, Essen, Beratung und Kinderbetreuung ausbauen. Timmermann forderte 25.000 zusätzliche Wohnheimplätze, die Bund und Länder mit 660 Millionen fördern sollten, außerdem 200 Millionen für den Ausbau von Mensen, Bistros und Cafeterien an deutschen Hochschulen.

Des Weiteren stellte das Deutsche Studentenwerk einen Zehnpunkteplan zur Veränderung des Bafögs vor. Unteranderem wurde die Streichung der Altersgrenze und eine Förderung für Teilzeit- und duale Studiengänge gefordert. 

Tipps für Studienplatzbewerber

Nur 60 Prozent schaffen das Studium in Regelzeit

Ginge es nach dem Deutschen Studentenwerk, würde die Regelstudienzeit für Bachelor und Master nicht länger auf zehn Semester begrenzt sein. Grund der Forderung: 2010 schafften es nur 60 Prozent der Bachelor-Absolventen, ihren Abschluss in der Regelstudienzeit zu machen.

2011 waren es sogar nur 53 Prozent, wie das Statistische Bundesamt heute mitteilte. Bei den Masterstudenten schafften weniger als die Hälfte ihren Abschluss in der vorgegebenen Zeit.

Außerdem stellte das Bundesamt fest, dass sich die Betreuungssituation zwischen Studenten und Lehrkraft in den vergangenen Jahren leicht verschlechtert hat. Während 2008 auf eine Lehrkraft 15,2 Studenten kamen, sind es heute 15,9 Studenten, obwohl der Wissenschaftsrat im Zuge der Bologna-Reform empfohlen hatte, das Betreuungsverhältnis zu verbessern. Zwar ist die Zahl des wissenschaftlichen Personals seit 2001 um etwa 50 Prozent gestiegen. Den Großteil stellen dabei aber Personen, die im Nebenberuf an den Hochschulen tätig sind, wie Lehrbeauftragte und wissenschaftliche Hilfskräfte. Die Zahl der Professoren ist mit 14 Prozent am wenigsten gestiegen.

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