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Hochschulen Öl-Milliarden speisen Bildungsboom im Persischen Golf

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Demnächst soll in der Nähe des Wissenschaftsparks noch das Sidra-Medical-Research-Krankenhaus seinen Betrieb aufnehmen. Die Kosten: acht Milliarden Dollar. Mit dieser gigantischen Investition will das Land in der medizinischen Forschung Taktgeber der gesamten Region werden.

Die Studenten der Education City sind vermutlich die teuersten der Welt. Und die Verantwortlichen des Projekts räumen ein, dass es billiger wäre, sie in einem Fünf-Sterne-Hotel in den USA abzusetzen und an einer Elite-Uni vor Ort anzumelden. Doch dann müsste das Know-how weiterhin importiert werden. Damit soll Schluss sein.

Wenn Öl und Gas aufgebraucht sind, wollen die Länder am Golf längst ein Drehkreuz des Wissens sein. Deswegen werde man sich mit „einer anderen Art des Lehrens und Lernens“ auf den Weg in eine „wissensbasierte Gesellschaft“ machen, sagt das für die Education City zuständige Mitglied der Herrscherfamilie Abdullah al-Thani. Wie ernst das gemeint ist, sieht man einige Hundert Kilometer südöstlich von Katar – in Abu Dhabi.

Ausgerechnet die Sorbonne hat in dem reichsten der Vereinigten Arabischen Emirate eine Niederlassung eröffnet. Jene Uni, die als Symbol für westliche Wissenschaft gilt und die immer wieder Schauplatz systemkritischer Proteste wird. „Wir sind hier, um kritisches und freies Denken in den Lehrbetrieb zu bringen“, sagt Ronald Perlwitz, der an der Sorbonne Abu Dhabi Angewandte Fremdsprachen lehrt. Die Bedingungen dafür sind gut. In Paris scheiterte manches Projekt alleine daran, dass weißes Papier fehlte, erinnert sich Perlwitz: „Überall musste gespart werden.“

Im neuen Bildungsrausch kennt man keine Geldsorgen. Abu Dhabi überwies der New York University 50 Millionen Dollar, damit die weltbekannte Alma Mater eine Kopie ihres Campus’ in die Wüste pflanzt. Dubai legte einen Zehn-Milliarden-Dollar-Fonds für eine neue Wissensstadt nach. Und Katar zahlte vermutlich noch mehr für die Education City – über seine Bildungsausgaben schweigt das Emirat.

Das Geld reicht jedenfalls für ein beachtliches All-inclusive-Paket: Katar bietet den Hochschulen mietfrei neue Gebäude, bezahlt die Professoren und spendiert ihnen voll ausgestattete Wohnungen plus Jeep vor der Tür. Die Bedingung: Die Zulassungsvoraussetzungen und Abschlüsse der Wüsten-Außenstellen müssen denen in den USA entsprechen.

Im ersten Jahrgang scheint das gelungen zu sein. Das Niveau der Studenten sei „vergleichbar mit dem der Kommilitonen in den USA“, sagt Daniel Alonso, Dekan des Weill Cornell Medical College in Katar. Kein Wunder, dass viele Absolventen des ersten Jahrgangs nun aus fünf Job-Angeboten wählen können – Männer wie Frauen.

Das ist neu. In den Cafés auf dem Campus sitzen Studenten mit getrimmten Schnurrbart, zusammen mit blonden Frauen in Jeans, Kommilitoninnen in Sari und jungen Männern im Dischdascha, dem traditionellen arabischen Gewand. Sie lernen gemeinsam, bringen Projekte auf den Weg und treffen sich in ihrer Freizeit. Noch vor wenigen Jahren waren gemischte Schulklassen in Katar tabu – eine höhere Bildung für die Söhne der Familien vorbehalten. Deswegen sind die Frauen die eigentlichen Gewinner der Bildungsrevolution am Golf.

Doch so gut die Lern-Umgebung sein mag: Kommilitonen aus dem Westen berichten, dass vieles gewöhnungsbedürftig sei in den neuen Wüsten-Unis. Dass es im Sommer mit 55 Grad so heiß wird wie anderswo nur in Dampfbädern und dass das Studentenleben „mau“ sei, sagt etwa Steven Stelljes, der an der Texas A&M studiert.

Studentenkneipen, Speed-Dating-Abende und Erstsemester-Partys kennt man in Katar nur aus dem Fernsehen. Alkohol gibt es nur in Hotels, und ein Kulturprogramm wird gerade erst in aller Welt zusammengekauft. Wenn Studenten ausgehen, treffen sie sich deswegen vor dem Fernseher oder in den Kinos der Einkaufszentren. Meist endet der Abend – noch vor Mitternacht – in einer Teestube.

Wer die Besten haben will, muss mehr bieten. Das hat sich auch bei den Verantwortlichen herumgesprochen. Sie haben im „Programing Board“ einige Studenten abgestellt, die mit einem eigenen Budget das Freizeitangebot aufpeppen sollen.

Das Ergebnis: Bingo-Abende, Basketballturniere, Wüstentouren und ein kleines Filmfestival. Im nächsten Jahr sind Jazz-Konzerte geplant und Vorstellungen mit bekannten Comedians. Wie viel die Studenten ausgeben dürfen? Keine Details. „Aber es ist genug“, sagt Stelljes, der gerade zum Vorsitzenden dieser Studentenvertretung gewählt wurde, „um jede Menge zu organisieren.“

So bleibt im neuen Bildungsrausch nichts dem Zufall überlassen. Nicht einmal das Studentenleben.

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