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Hochschulranking 2014 Das sind Deutschlands beste Unis

Universitäten müssen nicht nur akademische Theorien lehren, sondern auch aufs Berufsleben vorbereiten - wer das am besten schafft, zeigt das exklusive Hochschul-Ranking der WirtschaftsWoche.

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Die besten Universitäten
Technische Universität BerlinDie 1879 gegründete TU Berlin schafft es gleich in fünf Fächern unter die ersten Zehn: Platz zwei in den Naturwissenschaften, Rang vier im Wirtschaftsingenieurwesen, Platz fünf in der Informatik. Sechster wurde die TU Berlin in der Elektrotechnik, siebter im Maschinenbau. Insgesamt konnte sich der Hochschulstandort in diesem Jahr deutlich verbessern und in zahlreichen Kategorien aufsteigen. Quelle: TU Berlin/Dahl
Universität zu KölnIhre Vorgänger-Uni wurde 1388 als vierte Universität im deutsch-römischen Kaiserreich gegründet. 1798 wurde sie unter napoleonischer Besetzung geschlossen. 1919 wurde sie neu gegründet. Auch 625 Jahre nach ihrer ursprünglichen Gründung ist die Hochschule noch auf dem neusten Stand, wie das Uni-Ranking zeigt. Die Volkswirte der Universität zu Köln schaffen es auf den zweiten Platz. Im Fach BWL reicht es diesmal für den dritten Rang. Unter die ersten Fünf gelangt sie außerdem bei dem Wirtschaftsinformatikern. Quelle: dpa
Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU München)Doch die bayrische Hauptstadt beherbergt noch eine weitere Spitzenuniversität – die LMU München. Schon Konrad Adenauer, Theodor Heuss und Gustav Heinemann studierten hier. Die 1472 gegründete Hochschule zählt zu den renommiertesten Universitäten Deutschlands. Im internationalen Times-Higher-Education-Ranking wurde sie aktuell als beste deutsche Universität ausgezeichnet. Und auch die deutschen Personaler kann sie von sich überzeugen, vor allem in den Wirtschaftswissenschaften. Rang zwei erreicht sie im Fach BWL, in der Volkswirtschaftslehre reicht es für den dritten Rang. Die Bronzemedaille sicherte sich die LMU außerdem in den Naturwissenschaften. Quelle: Presse
Technische Universität MünchenBereits 1868 gegründet, kann die TU München auf eine fast 150-jährige Geschichte zurückblicken, die von reichlich Erfolgen geprägt ist. So wurden zum Beispiel schon 13 Alumni und Professoren der Universität mit einen Nobelpreis ausgezeichnet. Auch im diesjährigen Hochschul-Ranking der WirtschaftsWoche kann die TU überzeugen. In der Wirtschaftsinformatik belegt sie hinter Darmstadt den zweiten Rang. Platz drei geht an die Informatiker der TU München. Auch im Maschinenbau (5. Platz), in der Elektrotechnik (4. Platz) und den Naturwissenschaften (5. Platz) punktete die bayrische Hochschule. Quelle: Technische Universität München, Albert Scharger
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am MainDie Bankenstadt Frankfurt am Main bleibt auch im Uni-Ranking 2014 ihrem Image treu und punktet vor allem in den Wirtschaftswissenschaften: Sie siegt in der Volkswirtschaftslehre und schafft es im Fach BWL immerhin auf den fünften Rang. Genauso wie bei den Naturwissenschaften. Quelle: dpa
Technische Universität DarmstadtHoheitlich ist ebenfalls der Sitz der TU Darmstadt. Wie in Mannheim, beherbergt auch in Darmstadt ein Residenzschloss die Hochschule. Ihr universitärer Status ist allerdings nochmal 30 Jahre jünger als der Mannheimer. Seit 1877 ist sie eine Technische Hochschule, zur Universität wurde sie erst 1997. Getreu ihrem Namen liegen ihre Stärken im technischen Bereich: In der Wirtschaftsinformatik konnte die Universität ihren Sieg aus dem Vorjahr verteidigen. Im Maschinenbau, der Elektrotechnik und dem Wirtschaftsingenieurwesen belegt sie jeweils Rang drei. Platz vier wurde es in der Informatik. Quelle: Thomas Ott/ TU Darmstadt
Universität MannheimJunge Universität, alter Sitz. Erst 1967 wurde die Mannheimer Handelshochschule zur Universität erhoben. Die im Barockschloss heimische Hochschule gehört damit zu den jüngeren deutschen Unis. Aufgrund ihrer wirtschaftswissenschaftlichen Ursprünge, zeigt sich in diesem Bereich auch die Kompetenz der Universität. Im diesjährigen Hochschul-Ranking belegt sie in der Betriebswirtschaftslehre weiterhin den ersten Rang. Im Fach Wirtschaftsinformatik reichte es immerhin für Platz zwei, in der VWL für den vierten Rang. Eine weitere TopTen-Platzierung schaffte sie im Bereich Informatik – Platz sechs. Quelle: Norbert Bach - Universität Mannheim

Wie viel Platz benötigt der Fahrer hinterm Lenkrad, wie viel zum Schlafen? Wie kann er auch mal pinkeln, ohne den Lkw zu verlassen? Kommen wir mit unserem Budget klar? Und wie tragen wir dazu bei, dass der Laster möglichst wenig Sprit verbraucht?

Fragen, auf die Stefan Held im vergangenen Winter Antworten suchte, fünf Monate lang. Immer wieder besuchte der 25-jährige Student der Universität Karlsruhe zusammen mit seinen Kommilitonen deshalb Speditionen, befragte auf Autobahnraststätten schon früh morgens Lkw-Fahrer, die sich beim ersten Kaffee gerade die Nacht aus den müden Gliedern schüttelten. Und saß danach oft bis spät in die Nacht vor dem Computer – immer auf der Suche nach Ideen, mit denen er den Truckern das Leben hinterm Steuer komfortabler machen könnte.

Der Grund für Helds Engagement: „Free Style Green Truck“, die Konzeption eines umweltfreundlichen und möglichst nachhaltig betriebenen Lkws. Auftraggeber des Studententeams: Daimler Trucks, die Lkw-Sparte des Automobilkonzerns.

Die besten Universitäten 2014 nach Studiengang

„Wir hatten ein Budget von 1.000 Euro, vor allem für Material und Fahrtkosten. Als die Teamrollen noch nicht klar verteilt waren, war die Abstimmung noch etwas chaotisch“, erinnert sich Held an die Anfänge seiner Arbeit für den Stuttgarter Autobauer. Doch er und sein Team lernten, sich abzustimmen. Regelmäßig kamen die Ingenieure von Daimler Trucks an das Karlsruher Institut für Technologie, so der offizielle Name der Uni (KIT), um die Fortschritte mit den Studenten zu besprechen.

„Wir haben gelernt, ein Projekt komplett durchzuplanen“, sagt Held, der im 11. Semester Maschinenbau studiert, „und nicht gleich beim ersten Widerstand aufzugeben.“

Das Lkw-Projekt ist Teil der Lehrveranstaltung „Integrierte Produktentwicklung“, die an Helds Fakultät angeboten wird. Keine theoretische Spielwiese, sondern für die angehenden Ingenieure begehrter Lackmustest auf ihre Praxistauglichkeit: Seit sieben Jahren entwickeln an der Karlsruher Universität jedes Wintersemester 42 Studenten im Masterstudiengang in Abstimmung mit einem Partner aus der Industrie Ideen für neue Produkte. Neben Daimler waren schon der Motorgerätehersteller Stihl, der Werkzeugmaschinenbauer Trumpf und der Getriebeproduzent Wittenstein alpha Kooperationspartner des KIT.

Technik zum anfassen: Maschinenbau-Student Stefan Held, 25, in der Technik-Sammlung des Karlsruher Instituts für Technologie. Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

„Die Studenten lernen, welche Produkte am Markt gefragt sind und wie diese entwickelt werden“, sagt Jan Breitschuh, der am KIT die Lehr-Kooperation mit den Unternehmen koordiniert. „Realitätsnahe Bildung kann nur in einem realitätsnahen Umfeld stattfinden.“

Die Weisheit des Lebens

Wie in Karlsruhe setzen auch andere Universitäten verstärkt darauf, nicht nur akademische Theorien zu vermitteln, sondern Fragen und Aufgaben zu thematisieren, die den Herausforderungen im Berufsleben möglichst nahekommen. Ganz im Geiste des römischen Philosophen Seneca also, der schon vor gut 2000 Jahren im 106. seiner „Briefe an Lucilius über Ethik“ schrieb: „Non vitae, sed scholae discimus.“ – „Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir.“ Und mit seinem ironischen Ausspruch, der später in umgekehrter Formulierung zum geflügelten Wort wurde, schon damals die Lebensferne der Philosophieschulen aufs Korn nahm. „Sagen wir’s doch gerade heraus: Es wäre besser, wir könnten unserer gelehrten Schulbildung einen gesunden Menschenverstand abgewinnen.“

Die Methodik des Uni-Rankings

Eine Haltung, die Experten wie Peter Zervakis auch heute an Deutschlands Universitäten sehen wollen: „Die Hochschulen sind sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst. Angesichts des Fachkräftebedarfs ist die Nachfrage nach wissenschaftlich gut ausgebildeten Absolventen hoch“, sagt Zervakis, der für die Hochschulrektorenkonferenz das Projekt Nexus leitet, das sich unter anderem die „fachspezifische Integration der Arbeitsmarktrelevanz in das Studienangebot“ auf die Fahnen geschrieben hat. „Gleichzeitig kann und will nicht jeder in der Wissenschaft bleiben“, sagt Zervakis. „Die Hochschulen setzen daher auf eine problemlösungsorientierte Lehre, um die Studierenden auch auf den Einstieg in den Arbeitsmarkt optimal vorzubereiten“.

Die Ergebnisse des aktuellen Uni-Rankings

„Es punkten genau die Universitäten, die sich darum bemühen, ihre Absolventen optimal auf den Übergang in den Arbeitsmarkt vorzubereiten“, fasst Universum-Deutschland-Geschäftsführer Stefan Lake das Ergebnis der Umfrage zusammen.

Die besten Fachhochschulen
HTW DresdenÜber 40 Diplom-, Bachelor- und Masterstudiengänge aus den Bereichen Architektur, Ingenieurwesen oder Produktgestaltung werden an der sächsischen Hochschule angeboten. Mit über 5000 Studenten ist die 1992 gegründete HTW Dresden die zweitgrößte der sächsischen Landeshauptstadt. Die Hochschule belegt Platz drei in Informatik, Platz acht in Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsingenieurwesen, Platz neun in Elektrotechnik. Quelle: HTW Dresden/ P.Sebb
Hochschule MannheimRund 5.200 Studenten, 178 Professoren und 22 Bachelor- und 10 Masterstudiengänge zählt die Hochschule Mannheim. Studiert wird zentral auf dem Campus in der Mannheimer Innenstadt. In Maschinenbau belegt die Hochschule Platz drei, in Informatik und Wirtschaftsingenieurwesen jeweils Platz acht, in Elektrotechnik Platz neun. Quelle: Hochschule Mannheim
Hochschule EsslingenSo wie sie heute organisiert ist, existiert die Hochschule Esslingen erst seit 2006 – in diesem Jahr wurden die beiden Fachhochschulen in Esslingen, die Hochschule für Technik und die Hochschule für Sozialwesen zusammengelegt. Ihre Wurzeln reichen aber bis 1914 zurück – als die Königlich Württembergische Maschinenbauschule von Stuttgart in die Nachbarstadt Esslingen verlegt wurde. Rund 6.000 Studierende sind an der Hochschule Esslingen in 26 Bachelor- und 11 Masterstudiengängen eingeschrieben. Vor allem im Fach Maschinenbau kann die Hochschule am Neckar punkten – in dem Fach belegt sie Platz zwei. In den Fächern Elektrotechnik und Wirtschaftsingenieurwesen jeweils Platz sechs. Quelle: CC-BY-SA 3.0/ Erickubitschek
Hochschule MünchenAn der Hochschule München sind derzeit rund 18.000 Studenten eingeschrieben. Über 70 verschiedenen Bachelor- und Masterstudiengängen werden angeboten. Seit 2001 ist die Hochschule EXIST-Gründerhochschule – eine Auszeichnung des Bundeswirtschaftsministeriums für eine ausgeprägte Gründungskultur. Bei den Personalern punkten vor allem die Absolventen im Fach Informatik (Platz eins). In Elektrotechnik belegt die Hochschule Platz zwei, in Wirtschaftsingenieurwesen Platz drei, in Betriebswirtschaftslehre Platz fünf, in Wirtschaftsinformatik Platz sieben. Quelle: Presse
FH AachenMit über 12.000 Studenten, rund  230 Professoren und etwa 700 Mitarbeiter in Lehre und Forschung ist die 1971 gegründete FH Aachen eine der größten Hochschulen Deutschlands. Studieninteressierte können aus 53 Bachelor- und 22 Masterstudiengängen aus den Bereichen Ingenieurwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften und Design wählen. Studiert wird in Aachen und im 30 Kilometer entfernten Jülich.  Beim Hochschul-Ranking konnten vor allem die Elektrotechniker punkten (Platz eins). Im Fach Maschinenbau landet die FH Aachen auf dem sechsten, in Informatik auf dem achten Platz. Quelle: Presse
HTW BerlinDie Berliner Hochschullandschaft konnte beim diesjährigen Hochschul-Ranking enorm zulegen – auch dank der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Mit rund 13 000 Studenten ist sie die größte Berliner Fachhochschule. Über 70 Studiengänge aus den Bereichen Technik, Informatik, Wirtschaft, Kultur und Gestaltung werden angeboten. Studiert wird auf dem Campus Treskowallee in Karlshorst und auf dem Campus Wilhelminenhof in Oberschöneweide. Im Fach Maschinenbau erreicht die HTW Berlin den ersten Rang. Im Fach Informatik landet sie auf dem zweiten, im Fach Wirtschaftsingenieurwesen auf dem fünften Rang.  Quelle: HTW Berlin/ Andreas Kettenhofen
Hochschule PforzheimMit rund 6.000 Studierenden und knapp 400 Professoren und Lehrbeauftragte ist die Hochschule Pforzheim eine der größten des Landes Baden-Württemberg. 29 Bachelor- und 13 Masterstudiengänge aus den Bereichen Design, Technik, Wirtschaft und Recht werden angeboten. Die Hochschule landet beim diesjährigen Ranking im Fach Betriebswirtschaftslehre auf Rang zwei, in Wirtschaftsinformatik auf Rang drei, in Maschinenbau, Elektrotechnik und Wirtschaftsingenieurwesen jeweils auf dem vierten Platz. Quelle: Presse

Zwar bleibt etwa die Uni Mannheim für angehende Betriebswirte ebenso die Nummer eins wie die TU Darmstadt im Fach Wirtschaftsinformatik. Doch dahinter gab es mitunter bemerkenswerte Verschiebungen: Karlsruhe konnte im Fach Maschinenbau zwei Plätze vorrücken, belegt nun in den Fächern Maschinenbau, Informatik, Wirtschaftsingenieurwesen den ersten Rang. Und verdrängte damit so renommierte Adressen wie die RWTH Aachen vorerst vom Platz an der Spitze.

Aufsteiger Berlin

Ebenfalls auf dem Vormarsch: der Hochschulstandort Berlin. Die TU Berlin, die ebenfalls einen starken Fokus auf die Praxis legt, konnte in den Studienfächern Informatik, Elektrotechnik und in den Naturwissenschaften einige Plätze vorrücken und zählt in diesen Fächern zu den zehn besten Universitäten Deutschlands. Und auch unter den Fachhochschulen konnte die Hauptstadt aufholen: Die Berliner HTW eroberte im Maschinenbau den ersten Rang und konnte im Fach Informatik auf den zweiten Rang vorrücken.

Die besten Fachhochschulen 2014 nach Studiengang

Eine Entwicklung, die nicht nur den Vorstellungen der befragten Personaler entspricht. Auch die angehenden Akademiker selbst haben sehr ähnliche Ansprüche an ihre Ausbildung an der Uni, wie Universum im Frühjahr bei einer Befragung unter mehr als 30.000 Studierenden an 140 Hochschulen in Deutschland feststellen konnte: Nicht allein das Ausbildungsangebot entscheidet darüber, ob Studenten sich an ihrer Alma Mater gut aufgehoben fühlen: Für sie spielen die Jobaussichten im Anschluss ans Studium eine immer größere Rolle. Sie wollen nicht nur erstklassige theoretische Kenntnisse erwerben, sondern befriedigende Antworten finden auf die Fragen: Wie gut werde ich auf den Arbeitsmarkt vorbereitet? Und wie groß sind meine künftigen Karrierechancen?

Doch von einer so praxisnahen Ausrichtung der universitären Lehre profitieren nicht nur die Studenten – auch die Unternehmen ziehen Vorteile aus der Kooperation. Denn sie wollen keine Theoretiker, die sich erst lange in den Berufsalltag einfinden müssen, sondern schnell in der Lage sind, ihr Studienwissen in die Praxis einzubringen. Im Kampf um die besten Fachkräfte müssen sie außerdem für die angehenden Absolventen sichtbar sein.

Auf welche Qualifikationen und auf welche Softskills Personaler achten. (zum Vergrößern bitte anklicken)

So ist Daimler nicht nur am KIT präsent. Die Kooperationen mit Hochschulen reichen von Lehraufträgen und Vorlesungen durch Mitarbeiter über die Präsenz auf Messen, und die Betreuung von Abschlussarbeiten und Praktika von Studierenden. „Für uns als Technologiekonzern sind diese Kooperationen wichtig“, sagt Anna-Maria Karl, Leiterin Akademische Bildung und Wissenskooperationen bei Daimler. „Wir sind überall dort präsent, wo aktuell innovative Ideen entwickelt werden.“

Am KIT etwa kommt ein Viertel des Hochschuletats aus der Industrie, die Dozenten haben häufig bereits eine Karriere in der Wirtschaft gemacht oder sind sogenannte „Share Professors“ – also Lehrbeauftragte, die hauptberuflich in der Industrie arbeiten und nebenbei an der Universität lehren. Jeder Studiengang wird außerdem regelmäßig evaluiert – dazu arbeitet das KIT mit Vertretern aus der Industrie zusammen, die den Studiengang auf ihre Anforderungen hin überprüfen.

Absolute Spitzenreiter

Das gilt auch für die TU Berlin: Dort gibt es derzeit zwölf Stiftungsprofessuren – also Lehrstühle, die komplett von einem Unternehmen oder einer industrienahen Stiftung finanziert werden. Partner sind unter anderem der Energiekonzern Vattenfall, die Deutsche Telekom und die Helios Kliniken.

Deutschlands beste Universitäten 2014

Einige ausgewählte Studenten, die ein praxisnahes Studium absolvieren, profitieren auch unmittelbar vom finanziellen Engagement der Wirtschaft – etwa über das im Sommersemester 2011 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung eingeführte Deutschlandstipendium, bei dem Studenten, unabhängig von ihrem Einkommen, einen monatlichen Zuschuss in Höhe von 150 Euro von Unternehmen erhalten. Etwas mehr als 21 Millionen Euro stifteten Unternehmen 2013 in diesen Fördertopf, knapp 20.000 Stipendiaten wurden 2013 bedacht, 42 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Das KIT konnte im vergangenen Wintersemester 190 dieser Deutschlandstipendien vergeben. An der TU Darmstadt, die im Fach Wirtschaftsinformatik den ersten Platz belegt, waren es im vergangenen Semester sogar 302.

Auch die Vergabe der Drittmittel durch Unternehmen an die Universitäten nimmt zu. Laut Statistischem Bundesamt stieg die Summe für 2012 gegenüber dem Vorjahr um rund zwei Prozent. Insgesamt stellten deutsche Unternehmen vor zwei Jahren rund 1,3 Milliarden Euro für Forschungszwecke zur Verfügung. Absoluter Spitzenreiter ist die RWTH Aachen mit mehr als 67 Millionen Euro, die TU Berlin erhielt im gleichen Jahr mehr als 20 Millionen Euro an Drittmittel aus der gewerblichen Wirtschaft. Und beim KIT, das etwa ein Viertel seines Geldes aus der Industrie erhält, waren das 2012 mehr als 23 Millionen Euro.

„Wir freuen uns, dass es uns gelingt, viele Drittmittel für die Forschung einzuwerben“, sagt Alexander Wanner, Vizepräsident für Lehre am KIT. „Allein mit der staatlichen Grundfinanzierung könnten wir viele Forschungsprojekte nicht anpacken.“

Der Preis der Zusammenarbeit: „Die Unternehmen kalkulieren ihr Engagement genau“, sagt Universum-Manager Lake. „Wenn sie von der Kooperation nicht profitieren, wird die Zusammenarbeit schnell auf den Prüfstand gestellt.“

Startklar: Der angehende Wirtschaftsingenieur Julian Jacob, 26, hat sich mit Kursen für Rhetorik und Unternehmensführung an der TU Berlin auf den Jobeinstieg vorbereitet. Quelle: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche

Längst spielt etwa die Examensnote bei der Beurteilung von Studenten und Universitäten eine nur noch untergeordnete Rolle. Nur knapp über 40 Prozent der befragten Personaler legen ein besonderes Augenmerk darauf. Stattdessen achten sie darauf, wie viele Absolventen sie von der entsprechenden Uni schon eingestellt haben, wie lange sie schon im Unternehmen sind und ob sie Führungsverantwortung übernommen haben. Gefragt sind außerdem Absolventen, die lösungsorientiert und selbstständig arbeiten: Fast 70 Prozent der von Universum befragten Personaler halten Praxiserfahrung für die wichtigste Qualifikation. Nur der Persönlichkeit eines potenziellen Arbeitnehmers wird in den Personalabteilungen noch größere Beachtung geschenkt. Rund 50 Prozent der Personaler ist außerdem lösungsorientiertes Denken wichtig.

Und auch zur Unternehmenskultur sollten die Studenten passen. „Unsere Unternehmenswerte sind bei der Bewerberauswahl entscheidend“, bestätigt etwa Anna-Maria Karl von Daimler. Es ist also hilfreich, wenn Unternehmen die potenziellen Arbeitnehmer schon an der Universität kennenlernen, um sie frühzeitig mit den Werten vertraut zu machen.

Die Zusammenarbeit mit dem KIT im Rahmen der Lehrveranstaltung Integrierte Produktentwicklung hat für Daimler aber noch einen weiteren Vorteil. Weil die Studenten mit einem anderen Blick als die routinierten Ingenieure an die Projekte herangehen, erarbeiten sie oft unkonventionelle Lösungen. „Uns war es bei diesem Projekt wichtig, unsere eigenen Überlegungen mit der frischen Sicht angehender Ingenieurinnen und Ingenieure anzureichern und so das Portfolio unkonventioneller Ideen zu vergrößern“, sagt Daimler-Bildungsmanagerin Karl.

Wettbewerbsvorteile

Tatsächlich gehen aus der Lehrveranstaltung regelmäßig Patentanmeldungen hervor – so wie beim Maschinenbauer Wittenstein alpha, dem Industriepartner aus dem vergangenen Jahr: In Kooperation mit dem Maschinenbauer entwickelten die Studenten einen neuen Befestigungsmechanismus, der etwa bei Zahnradbahnen eingesetzt werden kann – dieser wird nun serienmäßig produziert. Kein Wunder, dass die Partner der Lehrveranstaltung schon bis 2025 feststehen.

Deutschlands beliebteste Fachhochschulen 2014

„Die primäre Aufgabe der Universitäten liegt darin, Studenten zu bilden, die später in der Wirtschaft arbeiten“, sagt auch Christian Thomsen, Präsident der TU Berlin. Gerade die Berliner Hochschulen müssten besondere Anstrengungen unternehmen, sagt Thomsen. Er sieht es als Standortnachteil, dass in Berlin fast keine produzierenden Unternehmen vor Ort sind. Universitäten, die den Studenten über die bloße Vermittlung der Theorie hinaus etwas bieten, hätten einen Wettbewerbsvorteil.

Besonders in den Ingenieurstudiengängen müssten die Universitäten den Fokus auf die Ausbildung für die Wirtschaft legen. Den eigenen wissenschaftlichen Nachwuchs heranzuziehen spiele mittlerweile nur eine sekundäre Rolle.

„Die Arbeitgeber fordern eine klare Denke und Eigenständigkeit“, sagt Thomsen, „und das muss die Universität vermitteln.“

Die TU Berlin hat deshalb in den letzten drei Jahren die Angebote, die den Studenten Qualifikationen für den Berufsalltag vermitteln sollen, ausgebaut. Mit ihrem sogenannten Career Service als Schnittstelle zwischen Hochschule und Arbeitswelt will die Uni-Verwaltung weit mehr bieten, als offene Stellen zu vermitteln. Über ein Alumni-Netzwerk begleiten derzeit 70 Absolventen TU-Studierende als Mentoren beim Berufseinstieg. Im Angebot sind außerdem Dutzende Kurse vom Präsentationstraining über Networking-Tipps bis hin zum Training für das Bestehen von Auswahlverfahren bei Bewerbungen.

Wie Absolventen von Privatunis im Vergleich zu jenen von staatlichen Hochschulen abschneiden. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Lampenfieber verschwunden

Auch Julian Jacob fühlte sich durch den Besuch der Vorlesungen allein noch nicht ausreichend aufs Berufsleben vorbereitet. Der 26-Jährige studiert an der TU Berlin Wirtschaftsingenieurwesen im Master. Er weiß, dass es in der Arbeitswelt nicht nur auf Fachwissen und gute Noten ankommt. Sondern etwa auf Führungsqualitäten oder einfach darum, vor den Kollegen eine überzeugende Präsentation zu halten.

Seit Jacob an der Uni ein Rhetorikseminar besucht hat, achtet er darauf, bei einem Vortrag immer locker auf zwei Beinen zu stehen, ein bisschen in die Knie zu gehen, nicht zu wackeln. Und bloß nicht die Arme so dicht am Körper halten, dass kein Bleistift mehr dazwischen passt.“

Kontakte knüpfen

„Beim Präsentieren hatte ich noch Verbesserungspotenzial“, sagt Jacob. „Mein Lampenfieber vor Vorträgen ist seit dem Besuch des Seminars fast verschwunden.“

Diese Top-Ten-Universitäten konnten die meisten Plätze vorrücken

Aber auch seine fachlichen Kompetenzen hat Jacob im letzten Wintersemester verbessern können: Im Seminar Prepare lernte der angehende Ingenieur klassische BWL-Themen kennen – etwa, wie Marketing in einem Unternehmen funktioniert. Die Studenten belegen jeweils einwöchige Theoriekurse – dabei werden entweder Sozialkompetenzen oder Managementkompetenzen vermittelt. In enger Abstimmung mit einem Unternehmen gilt es anschließend, in einer mehrwöchigen Praxisphase selbstständig Aufgaben zu bearbeiten. In den vergangenen Jahren ging es dabei um Ideen für die Erschließung eines neuen Marktes, um Kundenakquise oder den Entwurf einer neuen Web-Seite.

Master-Student Jacob hat zusammen mit seinem Team für den diesjährigen Kooperationspartner Biotronik, einen Hersteller von Medizintechnik, Ideen für ein neues Geschäftsfeld entwickelt.

„In der Berliner Hochschullandschaft“, bestätigt Universum-Deutschland-Chef Lake, „sind die Karriereberatungen mittlerweile gut und nah an der Wirtschaft dran.“

Das gilt längst nicht mehr nur für die Technische Universität – auch die Fachhochschulen in der Hauptstadt haben ihr Angebot in dieser Hinsicht aufgestockt: An der HTW Berlin können die Studenten aus einer Reihe von Seminaren wählen, darunter „Führungskompetenzen erweitern“, „Selbst-PR“, oder „Mediation – Konfliktlöser im Unternehmen“.

Der Lohn der Mühe: Die Fachhochschule belegt aktuell den ersten Platz im Fach Maschinenbau. In den Fächern Informatik und Wirtschaftsinformatik stieg sie jeweils auf Rang zwei.

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Wertvolle Kontakte

Auch Stefan Held hat von der Praxisorientierung seiner Hochschule profitiert. Nicht nur, weil er am KIT mit Mitarbeitern von Daimler daran mitgewirkt hat, die Hygieneeinrichtungen und die Raumaufteilung der Lkws so zu verbessern, dass die Fahrer um die Toiletten an den Raststätten einen Bogen machen können oder in ihren Kabinen mehr Platz haben.

Auf der Abschlussveranstaltung im Februar konnte der angehende Maschinenbauer auch Kontakte zu Vertretern anderer Industriepartner seiner Hochschule knüpfen. „Wenn ich im nächsten Jahr das KIT verlasse“, ist Held überzeugt, „bin ich auf den Start ins Berufsleben bestens vorbereitet.“

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