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Hochschulranking 2020 Welche Absolventen am Arbeitsmarkt besonders begehrt sind

Welches Studium birgt die besten Jobchancen am Arbeitsmarkt? Quelle: imago images

Fachkräfte sind in der deutschen Wirtschaft ein begehrtes Gut, heißt es. Doch die Befragungen im Zuge des WirtschaftsWoche-Unirankings zeigen: Das gilt nur für einzelne Studienrichtungen.

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Dies ist kein Rekord, auf den die deutschen Betriebswirte besonders stolz sein dürften: 85,5 Prozent der Personaler in großen deutschen Unternehmen gelingt es gut oder sehr gut, sich mit kompetenten Absolventen dieser Studienrichtung zu versorgen. Das ergibt eine Befragung im Zuge des aktuellen Hochschulrankings, welches die auf Employer Branding spezialisierte Agentur Universum erarbeitet und der WirtschaftsWoche exklusiv zur Verfügung stellt. Der unentwegt besungene Fachkräftemangel, er ist offensichtlich in vielen Bereichen längst nicht so ausgeprägt, wie allgemein angenommen.  

Für die Untersuchung wurden insgesamt 590 Personalverantwortliche in deutschen Unternehmen danach befragt, wie gut es ihnen gelingt, ausreichend Absolventen aus den verschiedenen Fachbereichen zu rekrutieren. Am einfachsten ist das offenbar in der BWL, dem Massenstudiengang in Deutschland schlechthin.

Dennoch erstaunt der Spitzenplatz ein wenig, liegen die BWLer damit sogar noch vor den Geisteswissenschaftlern, denen mithin die schlechtesten Jobchancen vorhergesagt werden. Hier bezeichnen immerhin noch 77 Prozent der Personaler die Verfügbarkeit von Absolventen als gut oder sehr gut. Die Germanisten und Philosophen des Landes sind damit sogar noch einen Hauch umworbener als die Volkswirte (78 Prozent), die sich immerhin zugute halten können, den unrühmlichen Spitzenplatz endlich an die BWL abgegeben zu haben: Noch in der vorherigen Befragung 2018 hatten die Personaler die Verfügbarkeit von kompetenten Volkswirten insgesamt als noch höher (85 Prozent) als die von Betriebswirten (83 Prozent) angegeben.

Begehrte Elektrotechniker

Am anderen Ende der Skala befinden sich die Absolventen des Studienfachs Elektrotechnik. Gut 39 Prozent der Personaler beklagen hier, dass es ihnen weniger gut oder gar nicht gelinge, Absolventen dieser Fachrichtung zu rekrutieren. Bei Naturwissenschaftlern geben das sogar 40 Prozent der Befragten an. Die Zahlen mögen immer noch eher klein wirken, wenn man vor Augen hat, dass in Verbandsumfragen mitunter kommunistisch anmutende Zustimmungswerte zur allgemeinen Problematik des Fachkräftemangels erreicht werden. Diese aber bilden immer nur eine Marktwahrnehmung ab: Nach ihrer eigenen Stellung befragt, antworten Unternehmen zumeist, dass es ihnen selbst natürlich nach wie vor hervorragend gelinge, kompetente Mitarbeiter anzuwerben.

Die Befragung im Zuge des Unirankings darf hingegen als relativ ehrliches Barometer gelten: Die Unternehmen werden zum einen nur danach gefragt, was sie selbst beurteilen können, nämlich ihre eigene Lage. Zugleich haben sie im Schutze der Anonymität keinen Anreiz, sich im Sinne der eigenen Arbeitgebermarke unangemessen positiv zu äußern.

Der Mangel wird spürbarer

Entsprechend interessant ist die Beobachtung, dass der Mangel an guten Absolventen in den vergangenen Jahren insgesamt tatsächlich größer geworden zu sein scheint. Gaben in der Befragung 2016 nur bei vier der untersuchten zehn Studienrichtungen mehr als 25 Prozent aller Personaler an, dass es schwer falle, gute Absolventen zu finden, ist dies inzwischen bei sieben Disziplinen der Fall. Auffällig ist im mittelfristigen Vergleich vor allem, dass es den Unternehmern offenbar immer schwerer fällt, die vermeintlich leicht verfügbaren Studienabsolventen zu rekrutieren. So nahm der Anteil der Personaler, welche die Möglichkeiten im Fach Jura als gut oder sehr gut bezeichneten, zwischen 2016 und 2020 von 71,7 auf 63,8 um fast acht Prozentpunkte ab. So stark war der Rückgang sonst nur bei den Geistes- und Sozialwissenschaftlern. Deutlich einfacher wurde in diesem Zeitraum nur die Rekrutierung von Betriebswirten (plus fünf Prozentpunkte), die Werte für Naturwissenschaftler, Maschinenbauer und Wirtschaftsinformatiker blieben nahezu stabil.

Für Unternehmen, die derzeit ihre Probleme damit haben, gute Absolventen zu finden, könnte die Coronakrise nun sogar eine Chance bedeuten, meint Universum-Berater Axel Keulertz: „Unternehmen können die Zeit jetzt nutzen, um sich in Bezug auf ihr Arbeitgeberimage neu aufzustellen. Manche werden gestärkt aus der aktuellen Krise hervorgehen, andere geschwächt“, sagt er und beruft sich auf die Erfahrungen aus der Vergangenheit. „Wir haben das bei der letzten Krise gesehen: Einige haben alles heruntergefahren, andere haben die Präsenz am Markt gehalten. Letztere konnten so an ihrer Positionierung als Arbeitgeber vor der Krise anknüpfen oder waren zum Teil sogar besser aufgestellt.“

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