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Hochschulspenden "Zuerst muss man investieren"

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Sie schauen also Ihre Ehemaligenlisten danach durch, wer wie viel Geld hat?

Sicher. Wir bitten allerdings nicht sofort beim ersten Gespräch darum. Wir fädeln ein Treffen ein, das nicht gestellt wirkt. Vielleicht hat uns ein Dritter mit jemandem bekannt gemacht, oder der potenzielle Spender kommt selbst zu einer Veranstaltung der Hochschule. Dann versuchen wir seine Persönlichkeit kennzulernen und herauszufinden, was ihm wichtig ist. Wir pflegen den Kontakt wie eine Freundschaft. Wichtig dabei ist, dass die Beziehung nicht nur zu einem Vertreter der Uni besteht. Der Spender muss ein ganzes Netzwerk kennenlernen. Wenn er sich für Forschung interessiert, ist es wichtig, dass er die Professoren trifft, die in seinem Interessengebiet arbeiten. Wenn es um eine große Spende geht, binden wir den Präsidenten der Hochschule ein. Der erklärt, wie wichtig ihm das Forschungsgebiet ist und was er damit vor hat. Der Spender muss das Gefühl haben, Teil der Uni zu sein.

Wie lange dauert es, bis die Leute ihr Portemonnaie öffnen?

Bei manchen dauert es ein paar Monate, andere brauchen schon mal zwei Jahre. Wenn das Potenzial der Spende groß genug ist, nehmen wir uns die Zeit.

Viele schenken Ihnen doch sicher nur deshalb Geld, weil sie ihren Namen auf dem Gelände verewigen wollen.

In der Tat tragen die meisten Gebäude Namen, die einen Spender ehren. Aber das geht nur auf 15 bis 20 Prozent der Spenden zurück. Wichtiger sind Lehrstühle und vor allem Stipendien. 60 Prozent unserer Bachelor-Studenten werden so gefördert, und viele der Alumni konnten selbst durch ein solches Stipendium hier studieren. Dafür sind sie entsprechend dankbar und spendabel.

Leidet unter so viel monetärem Einfluss nicht die Unabhängigkeit einer Ausbildungsstätte?

Einfluss auf Forschung und Lehre wird bei uns nicht geduldet. Wenn uns jemand drei Millionen Dollar für einen neuen Lehrstuhl gibt, hat er trotzdem keinerlei Einfluss darauf, welcher Professor berufen wird. Die Uni teilt dem Spender hinterher nur mit, wen sie ausgewählt hat. Dasselbe gilt für Stipendien.

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