ifo-Bildungsbarometer Je schlechter die Bildung, desto schlechter die Meinung über Flüchtlinge

Gebildete Flüchtlinge? Gibt's nicht, sagen die Deutschen, die maximal einen Hauptschulabschluss haben. Ihrer Meinung nach sollte aber auch nicht mehr in die Aus- und Weiterbildung von Flüchtlingen investiert werden.

Deutsche sind skeptisch, was das Bildungsniveau der Flüchtlinge betrifft. Quelle: dpa

Deutschland hat in den vergangenen Jahren einen massiven Zustrom von Flüchtlingen erlebt: Allein 2015 kamen knapp 1,1 Millionen Flüchtlinge nach Deutschland. Und mit ihnen die Frage nach ihrer Integration in Gesellschaft und Arbeitsmarkt. In einer Gesellschaft der Wissensarbeit heißt der Schlüssel Bildung.

Entsprechend kamen die verschiedensten Angebote auf, vom Sprachkurs über die betriebliche Ausbildung bis zum Online-Studiengang. Aus Sicht eines Großteils der Deutschen sind jedoch Hochschulangebote unnütz: 78 Prozent der Deutschen schätzen den durchschnittlichen Bildungsstand der Flüchtlinge als niedrig beziehungsweise sehr niedrig ein. Das ist das Ergebnis des aktuellen ifo-Bildungsbarometers, für das die Marktforscher von TNS Infratest mehr als 4000 Deutsche befragt haben.

Entsprechend glaubt auch nur rund ein Drittel der Befragten, dass der Zustrom von Flüchtlingen etwas gegen den Fachkräftemangel bewirken kann.

Unternehmen und Flüchtlinge

Bei der Umfrage ist auffällig: Die Einschätzung des Bildungsniveaus der Flüchtlinge hängt stark vom Bildungsabschluss der Befragten ab: 82 Prozent der Befragten, die maximal einen Hauptschulabschluss haben, schätzen auch das Bildungsniveau der Flüchtlinge niedrig ein. Unter den Umfrageteilnehmern mit Realschulabschluss dachten dies 77 Prozent. Bei den Abiturienten betrug der Anteil 73 Prozent.

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Obwohl die Deutschen die Bildung der Flüchtlinge und damit auch deren Arbeitsmarktchancen schlecht einschätzen, sollte ihrer Meinung nach nicht mehr Geld in die Flüchtlingsbildung investiert werden. 49 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die staatlichen Bildungsausgaben pro Flüchtling in etwa unverändert bleiben sollen. 26 Prozent sind für eine Senkung der Ausgaben.

Mehrheit für Sprachkurse

Einig sind sich die Deutschen darin, wofür das Geld ausgeben werden wollte: für Sprachkurse. 75 Prozent der Befragten sind dafür, dass jeder Flüchtling einen Deutschkurs absolvieren muss, wofür der Staat die Kosten zu tragen habe. 58 Prozent sind außerdem dafür, dass junge Flüchtlinge nicht nur bis zum 18. sondern bis zum 21. Lebensjahr schulpflichtig sein sollen. Für ein zweijähriges Bleiberecht nach Abschluss einer Berufsausbildung sprach sich die Hälfte der Befragten aus.

Gespalten sind die Bürger in den Fragen einer staatlichen Übernahme von Ausbildungskosten der Betriebe (45 Prozent äußerten sich für eine Übernahme, 41 Prozent waren dagegen) und einem Ausbau verkürzter Ausbildungsberufe (38 Prozent dafür, 44 Prozent dagegen) für Flüchtlinge.

Zur Förderung von Flüchtlingskindern finden sich deutliche Mehrheiten für eine möglichst gleichmäßige regionale Verteilung auf die Schulen, für zusätzliche Bundesmittel für Sozialarbeiter, Sprachlehrer und Psychologen an Schulen und für eine steuerlich finanzierte Kindergartenpflicht für Flüchtlingskinder ab drei Jahren.

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