Internet an Schulen Gymnasiasten als größte Plagiatoren entlarvt

Schüler am Gymnasium sind am besten mit Computern ausgestattet. Der Unterricht macht dadurch mehr Spaß, größere Lernerfolge bleiben aber aus. Vielmehr werden Hausaufgaben nur noch zusammenkopiert. Die Eliteschüler gelten als die größten Plagiatoren.

Beim Unterricht im Internet surfen macht Spaß, hilft aber nicht beim Lernen, meinen viele Lehrer. Quelle: dpa

65 Prozent aller Gymnasien stellen ihren Schülern frei zugängliche Computerarbeitsplätze zur Verfügung, hat das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Deutschen Telekom herausgefunden. Unter den Haupt- und Realschulen ist es nur jede dritte Schule. Insgesamt fällt das Urteil über die Ausstattung weiterführender Schulen mit digitalen Medien aber gut aus: Mit Computern ausgestattete Unterrichtsräume gibt es demnach in 82 Prozent der Schulen. Zwei von fünf Schulen verfügten zudem über ein freies WLAN-Netz. Lehrer wie Schüler sehen viele Vorteile im digitalen Lernen, darunter zum Beispiel mehr Möglichkeiten bei der Unterrichtsgestaltung und einen schnelleren Zugriff auf Informationen. Mehr als die Hälfte der Schüler findet sogar, der Unterricht sei nicht nur abwechslungsreicher, sondern mache auch mehr Spaß. Dass der Einsatz digitaler Medien tatsächlich zu größeren Lernerfolgen führt, findet hingegen nur jeder fünfte Lehrer. Für die Studie wurden 507 Lehrer und 614 Schüler ab der fünften Klasse befragt.

Wo die Schulen am besten sind
Schülerinnen schreiben am 28.02.2012 in einem Gymnasium in Frankfurt am Main ein Diktat Quelle: dpa
Schülerinnen und Schüler der Klassen drei und vier der Grundschule Langenfeld Quelle: dpa
SaarlandStärken: Im Saarland machen 51,9 Prozent das Abitur. Das ist über Bundesdurchschnitt und befördert das Land damit in die Spitzengruppe im Ländervergleich. Auch in puncto Integration ist das Saarland weit vorne: Nur 4,3 Prozent aller Schüler sind vom Regelschulsystem ausgeschlossen und werden in speziellen Förderschulen unterrichtet. Schwächen: Wirkliche Schwächen haben die Schulen beziehungsweise das Bildungssystem im Saarland laut dem Chancenspiegel nicht. In den einzelnen Bereichen der Kategorien Durchlässigkeit und Kompetenzförderung bewegt sich das Bundesland immer im Mittelfeld. So hat ein Kind auf einer sozial starken Familie eine dreimal höhere Chance, aufs Gymnasium zu gehen als ein Kind aus einer schwächer gestellten Familie. Das ist unschön, aber immer noch überdurchschnittlich gut. 15,9 Prozent aller Schüler in der Primar- und Sekundarstufe 1 besuchen eine Ganztagsschule (Bundesdurchschnitt: 26,9 Prozent). Ländervergleich: Untere Gruppe. Auch das Verhältnis 1:3,3 beim Wachsel der Schulform (pro Schüler, der von der Real- oder Hauptschule
Eine behinderte Schülerin sitzt am 01.11.2011 im Gebäude einer Integrierten Gesamtschule Quelle: dpa
Constanze Angermann steht vor dem Finale des Schreibkampfes
 Ein Schulkind bearbeitet Schulaufgaben Quelle: dpa
Malstunde in der deutsch-chinesischen Kita im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg Quelle: dpa

Bei den Hausaufgaben liegen die Gymnasiasten durch die bessere Ausstattung klar im Vorteil. In Freistunden oder nach dem Unterricht können sie sich ungestört an die Rechner in der Schule setzen, um für Aufsätze und Referate zu recherchieren. Lehrer sehen den wachsenden Einsatz von Computern und Internet aber kritisch. Statt in Kleinstarbeit nötige Informationen mühsam zusammenzusuchen, würden die Jungs und Mädchen immer öfter auf ‚Copy and Paste‘ zurückgreifen. Texte werden nur noch überflogen, wichtige Abschnitte zusammengefügt – das Thema bleibt dabei fremd. 82 Prozent der Gymnasiallehrer gaben dies zu Protokoll, 20 Prozent mehr als im Gesamtschnitt. Als Gründe nannten die Pädagogen zum einen die nachlassende Einsicht der Schüler, selbst Wissen aufzubauen, zum anderen das Gefühl, wo Wissen auf Knopfdruck abrufbar sei, werde das klassische Lernen überflüssig. Bei der Lesekompetenz liegen deutsche Schüler im europäischen Vergleich laut OECD auf Platz zehn, Spitzenreiter ist Finnland vor den Niederlanden und Belgien. 

Welche Bundesländer bei der Bildung Spitze sind
Platz 14: SaarlandAuch im Saarland ist bei der Bildung vieles eher Schatten als Licht. Gerade in den mathematisch-naturwissenschaftlichen MINT-Fächern muss Deutschlands kleinstes Bundesland noch aufholen. Lediglich elf Prozent der Studenten haben 2010 ein ingenieurwissenschaftliches Studium abgeschlossen - bundesweit der niedrigste Wert. Positiv ist hingegen, dass im Saarland nur 5,6 Prozent aller Schüler die Schule ohne Abschluss verlassen. Damit liegen die Saarländer im Kampf gegen die Bildungsarmut auf Platz zwei. Quelle: dpa/dpaweb
Platz 16: Schleswig-HolsteinSchlusslicht des IW-Bildungsmonitors ist Schleswig-Holstein. Zwar liegen die Nordlichter bundesweit bei der Integration (Platz 2) vorne. Leute aus bildungsfernen Schichten haben in Schleswig-Holstein eher die Möglichkeit einen ordentlichen Ausbildungsabschluss zu machen, als anderswo. Dafür aber hat Schleswig-Holstein starke Defizite bei der Akademisierung, der Internationalisierung und den Betreuungsbedingungen. Quelle: dpa
Platz 7: NiedersachsenBesondere Stärken weist Niedersachen bei der Ausgabenpriorisierung (3. Platz) und Zeiteffizienz (4. Platz) auf. Das bedeutet: Für das Land haben Bildungsausgaben besondere Priorität – vor allem Ausgaben für die Hochschulen. Außerdem ist Niedersachsen bei der Umsetzung der Bologna-Ziele für einen gemeinsamen europäischen Hochschulraum relativ weit. Schlechter schneiden die Niedersachsen bei der Integration und dem Ausbau der Förderinfrastruktur ab. Quelle: dpa
Platz 12: BrandenburgSchüler in Brandenburg können sich auf gute Betreuungsbedingungen verlassen. Auf einen Lehrer in der Sekundarstufe I (ohne Gymnasium) kommen hier nur 12,2 Schüler. Im Bundesdurchschnitt sind es 14,7. Auch bei der Förderinfrastruktur, der Internationalisierung und der Integration geht Brandenburg mit gutem Beispiel voran. Probleme hingegen gibt es hingegen bei der Schulqualität und der beruflichen Bildung. Quelle: dpa
Platz 3: Baden-WürttembergBaden-Württembergs Stärken liegen in der erfolgreichen Vermeidung von Bildungsarmut (Platz 1), und der Akademisierung (Platz 2). Nachholbedarf gibt es vor allem beim Ausbau der Förderinfrastruktur und der Integration. Quelle: dpa
Platz 10: Mecklenburg-VorpommernÜberdurchschnittlich gut präsentiert sich Mecklenburg-Vorpommern bei der Förderinfrastruktur. Ein Viertel der unter Dreijährigen können einen Ganztagsplatz in einer Kindertagesstätte nutzen, bei den drei- bis sechsjährigen sind es sogar 58 Prozent. Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt liegen die Werte lediglich bei 11,3 bzw. 34,7 Prozent. Schwächen hat das Bundesland allerdings in der Zeiteffizienz (Platz 15): Im Jahr 2010 brachen mehr als 40 Prozent der Auszubildenden ihre Lehre ab. Quelle: dpa/dpaweb
Platz 1: SachsenDas leistungsfähigste Bildungssystem in Deutschland hat Sachsen. Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) führt dies vor allem auf  die gute individuelle Förderung dort zurück. Außerdem biete Sachsen wie auch das zweitplatzierte Thüringen einen breiten Zugang zu akademischen Abschlüssen, vor allem in den naturwissenschaftlich-technischen Fächern an. Quelle: ZB

Tatsächlich gaben 45 Prozent der Schüler an, im Internet nach Lösungen für Hausaufgaben zu suchen. Knapp zwei Drittel nutzen es nach eigener Aussage hauptsächlich für Recherchen zu einem bestimmten Thema oder um Präsentationen zu erstellen (56 Prozent). Bei den Lehrern sieht das anders aus. Während drei Viertel von ihnen das Internet auch zur Vorbereitung des Unterrichts nutzen, kommuniziert nur jeder fünfte mit seinen Schülern per Mail oder über soziale Netzwerke.

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