Josef Kraus kritisiert Helikopter-Eltern In Elternhäusern grassiert der Förderwahn

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"Precht zeichnet ein Zerrbild der Schule"

Die besten Unis der Welt
Deutsche Hochschulrankings gibt es wie Sand am Meer. Wie der deutsche Universitätsabschluss im internationalem Vergleich abschneidet, zeigt eine Rangliste des Zentrums für weltweite Universitätsrankings (CWUR). Nur zwei deutsche Universitäten können bei der hochrangigen, internationalen Konkurrenz mithalten. Bei der vom CWUR veröffentlichten Studie wird sowohl die Qualität der Ausbildung und Schulung der Studenten, als auch das Prestige der Fakultätsmitglieder und die Qualität ihrer Forschungsarbeit ermittelt – ohne sich dabei auf Befragungen und Datenübermittlungen der Universitäten zu verlassen. Quelle: dpa
Das CWUR bewertet dazu sieben Indikatoren: die Qualität der Fakultätsmitarbeiter, die Veröffentlichungen, den Einfluss der Veröffentlichungen, die Anzahl der zitierten Forschungsarbeiten, die Anzahl der Patente, der Beschäftigungsstatus der ehemaligen Studenten und die Qualität der Ausbildung. Daraus ergeben sich am Ende die Länder mit den weltbesten Hochschuleinrichtungen. Quelle: dpa
Platz 19: Dänemark, Finnland, Italien, Niederlande, Norwegen, Russland, Schottland, Singapur, Südkorea, SchwedenNur 19 Länder haben es überhaupt mit einer Universität oder mehr in das Ranking der CWUR geschafft. Mit jeweils einer Hochschule sind insgesamt zehn Länder vertreten. Am besten platziert sich dabei Südkorea mit der Seoul National University (Platz 40), am schlechtesten Finnland mit der Universität von Helsinki (Platz 98). Quelle: dpa
Platz 9: DeutschlandDeutschland landet im internationalem Vergleich auf Platz 9. Trotzdem können sich die Hochschulen nicht mit einem der vorderen Ränge schmücken. Zwei deutsche Unis schaffen es aber immerhin unter die Top 100. Quelle: dpa
Beste deutsche Universität: Universität München Am besten platziert ist dabei die LMU München. Sie gilt als die zweitgrößte Universität Deutschlands. Mit 18 Fakultäten und rund 150 Studiengängen kann die Hochschule eine beeindruckende Bilanz vorweisen. 700 Professoren und 3600 wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen den Studenten während ihres Studiums zur Verfügung. Die Universität landet auf Platz 67. Die zweite deutsche Hochschule in den Top 100 ist die Universität in Heidelberg, die auf Platz 79 rangiert. Quelle: dpa
Platz 9: AustralienAuch von den australischen Hochschulen haben es zwei unter das Top-100-Ranking geschafft. Das Bachelor-Studium dauert in Down Under je nach Schwerpunkt, Universität oder Studienfach drei bis fünf Jahre. Jährlich kommen rund 200.000 internationale Studenten aus aller Welt nach Australien, um an den dortigen Hochschulen zu studieren. Quelle: dpa
Gebäude der Universität Sydney Quelle: dpa
Platz 7: SchweizDie Schweizer Hochschulen sind hervorragend, aber teuer: Sie können mit einer guten Betreuung und einer ausgezeichneten Ausstattung punkten, allerdings müssen Studenten dafür tief in die Tasche greifen. Die Studiengebühren sowie die Lebenshaltungskosten sind bei dem deutschen Nachbar sehr hoch. Die Deutschen studieren trotzdem gerne in der Schweiz: Die Anzahl deutscher Studenten an Schweizer Hochschulen hat sich von 1999 auf 2009 fast verdreifacht. Vier Universitäten aus der Schweiz haben sich unter den besten 100 Hochschulen weltweit platziert. Quelle: dpa
Beste Schweizer Universität: ETH ZürichDie Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich) ist technisch-naturwissenschaftliche ausgerichtet, deshalb werden dort auch hauptsächlich naturwissenschaftliche und technische Fächer gelehrt. Die Zulassung ist mit einer schweizerischen Maturität problemlos, ausländische Studenten müssen dagegen abhängig von ihrem Schulabschluss manchmal eine Aufnahmeprüfung ablegen. Im Ranking der Top 100 steht sie auf Platz 18. Quelle: AP
Platz 7: IsraelDie Universitäten in Israel sind besonders für ihre natur- und geisteswissenschaftlichen Fachbereiche bekannt. Durch die besondere religiöse Verankerung des Landes mit der Tradition sehr verschiedener Religionen ist Israel aber auch gerade bei Theologiestudenten als Studienort beliebt. Für ausländische Studenten bieten die Hochschulen spezielle Programme an. Dabei wird der Schwerpunkt auf die hebräische Sprache sowie Geistes- und Naturwissenschaften gelegt. Auch aus Israel kommen vier Universitäten unter die Top 100. Quelle: REUTERS
Beste israelische Universität: Hebräische Universität Jerusalem Die Studenten und Wissenschaftler der Hebräischen Universität zählen international oft zu den führenden Forschern auf ihrem Gebiet – egal, ob es sich um Astrophysik oder Krebsforschung dreht. Die Universität hat außerdem zahlreiche Exzellenzzentren, sieben Fakultäten, zwölf Lehrinstitute rund 100 Forschungsinstitute. Die Hochschule ist auf vier Standorte verteilt, von denen drei in Jerusalem (im Bid: die westliche Mauer von Jerusalems Altstadt) liegen und einer in Rehovot, 20 Kilometer südlich von Tel Aviv. Die Universität platziert sich auf Rang 21. Quelle: AP
Platz 7: KanadaBesonders für Studenten aus englisch- und französischsprachigen Ländern ist Kanada ein regelrechter Glücksfall: Das zweitgrößte Land der Erde ist nämlich bilingual, hier kann auf Englisch oder Französisch studiert werden. Anders als in Deutschland gibt es in Kanada kein Bildungsministerium, das sich um Bildungsfragen kümmert. Die Hochschulen sind autonom und werden größtenteils nicht vom Staat kontrolliert. Damit das Niveau der Universitäten trotzdem einheitlich ist, wurde bereits 1911 die AUCC (Association of Universities and Colleges of Canada) gegründet – diese überprüft in regelmäßigen Abständen das Leistungsniveau der Unis, wenn sie Mitglied der AUCC sind. Der Leistung der Universitäten scheint das zu helfen: Wie auch Israel und die Schweiz stellt Kanada vier Universitäten im Ranking der besten 100. Quelle: dapd
Beste kanadische Universität: University of Toronto Die Universität ist die zweitgrößte Hochschule der Welt (das Foto zeigt den Peace Tower auf dem Parliament Hill). Sie war schon einige Male im Ranking der besten Unis der Welt vertreten, allerdings immer wieder auf unterschiedlichen Plätzen. Die Universität von Toronto kooperiert in Deutschland mit der Goethe-Universität in Frankfurt am Main und ist mit dieser durch eine langjährige Partnerschaft verbunden. Toronto liegt im internationalen Ranking auf dem 29. Platz. Quelle: REUTERS
Platz 4: FrankreichAngenehme Kultur, gutes Essen, schönes Wetter, niedrige Studiengebühren, eine weltweit genutzte Sprache und dann noch nicht einmal ein NC – Frankreich klingt wie ein Paradies für Studenten. Doch auch in Frankreich gibt es Probleme mit überfüllten Hörsälen und Bibliotheken. Und dann ist da ja noch der Unterschied zu den Grande Écoles. Denn an dieser für Deutschland fremden Hochschulform studiert Frankreichs Elite. Ausstattung und Betreuung sind unschlagbar, dafür ist es extrem schwierig angenommen zu werden und die Studiengebühren sind sehr hoch. Im Ranking scheint es zu helfen: Fünf französische Universitäten erscheinen unter den besten 100 Hochschulen weltweit. Quelle: dpa
Beste französische Universität: Universität Paris-Süd XIDie Universität Paris-Süd rühmt sich durch ihre Internationalität. Im Universitätsjahr 2008 bis 2009 studierten über 4800 Studenten aus 132 unterschiedlichen Ländern dort. Es gibt insgesamt fünf Fakultäten, drei technische Institute und ein Ingenieursinstitut. Das reicht für Platz 36. Quelle: AP
Platz 3: JapanIn Japan gibt es mehr als 1200 Hochschulen, darunter 589 private und 176 staatliche Universitäten. Besonders begehrt sind die Studienplätze an den staatlichen Elite-Universitäten in Tokyo, Kyoto, Sendai, Fukuoka, Sapporo, Osaka und Nagoya. Sechs Universitäten des Landes kommen auch unter das Top-100-Ranking. Quelle: REUTERS
Drittbeste japanische Universität: Universität Ōsaka Japans drittbeste Uni ist eine weitere Partneruni der Goethe-Universität Frankfurt am Main: die Universität Osaka. Sie ist vor allem berühmt für die Wissenschaftler und Forscher, die an ihr gearbeitet haben. Darunter ist zum Beispiel auch der Physik-Nobelpreisträger Hideki Yukawa. Die Hochschule erreicht den 35. Rang. Quelle: AP
Zweitbeste japanische Universität: Universität KyōtoDie Universität Kyoto existiert seit 1897 und ist damit die zweitälteste Hochschule des Landes. Über viele Jahre hat sie an Prestige gewonnen. Besonders im Bereich Physik, Chemie und Medizin bringt die Hochschule immer wieder exzellente Absolventen hervor – fünf von ihnen gewannen den Nobelpreis. Das liegt auch am Lehrpersonal. Im Jahr 2012 gewann etwa der Professor Shinya Yamanaka (Foto) die Auszeichung in Physiologie und Medizin für seine Stammzellenforschung. Insgesamt kommt die Hochschule auf Platz 15. Quelle: dapd
Stundenten in der Tokyo University Quelle: dpa
Platz 3: EnglandAuf der Insel gibt es 91 Universitäten und etwa 130 weitere Hochschulen, die sich aber nicht als Universität bezeichnen dürfen. Wie auch in Deutschland kann man einen Studienabschluss als Bachelor oder Master machen. Während der Bachelor drei Jahre dauert, variiert der Master zwischen einem oder zwei Jahren. Allerdings ist das Studium bei den Briten richtig teuer. Seit der Hochschulreform 2012 dürfen die Universitäten bis zu 9.000 Pfund pro Semester nehmen, das ist dreimal so viel wie vorher. Mit sechs Universitäten stellt England genauso viele Hochschulen im Ranking wie Japan. Zwei von ihnen schaffen es auch unter die besten Zehn. Quelle: REUTERS

Der Populärphilosoph Richard David Precht wirft in seinem aktuellen Buch dem Bildungssystem vor, die Kinder zu verraten.

Ähnlich wie Hüther zeichnet er ein Zerrbild der Schule. Was er als Lösung anbietet, sind die Ladenhüter einer längst entzauberten 68er-Pädagogik. Laissez-Faire-Pädagogik, Kuschelpädagogik, Spaßpädagogik, Erleichterungspädagogik, Gefälligkeitspädagogik.

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Mit seiner Hauptforderung - Kompetenzen zu lehren statt Wissen zu pauken - ist Precht doch ganz im Mainstream der Bildungspolitik. Das "Lernen des Lernens" bestimmt mittlerweile die meisten Lehrpläne.

Ich halte das für einen Irrweg. Kompetenz gibt es nicht ohne Wissensbasis. Der Philosoph Konrad Paul Liessmann vergleicht dieses "Lernen des Lernens" mit dem Kochen ohne Zutaten. In manchen Lehrplänen für Geschichte kommen kaum noch historische Namen oder Jahreszahlen vor. Wie sollen junge Menschen mündig werden, wie sollen sie eine gesellschaftliche Debatte bestreiten, wenn sie sich erst Just-in-Time-Wissen bei Wikipedia runterladen müssen?

Zum Schluss noch eine Frage an den Vater Josef Kraus. Wie haben Sie reagiert, wenn ihr Sohn früher mit einer sehr schlechten Note nachhause kam?

Unser Sohn war kein Musterschüler, aber einer mit Reserven, die er dann im Studium mobilisiert hat. Wenn es mal nicht so gut lief, habe ich mich als Vater weitestgehend herausgehalten. In seinen ersten Jahren am Gymnasium war ich dort selbst Lehrer. Mein Sohn hat aufgeatmet, als ich dann Direktor an einer Nachbarschule wurde. Meine Frau und ich waren sicher keine Helikopter-Eltern, aber wir müssen aufpassen, dass wir keine Helikopter-Großeltern werden.

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