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Lehrer-Forderung Informatik muss Pflichtfach für alle werden

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Die Probleme beim Informatikunterricht

Zwar gibt es durchaus Informatikunterricht in Deutschland, auch guten. Aber leider weisen Schulpraxis und Debatte verschiedene Probleme auf:

- Informatik als Wahlfach erreicht nur Schüler, die sich sowieso dafür interessieren. Ein Wahlfach schafft keine Allgemeinbildung mit Breitenwirkung.

- Informatik in der Oberstufe ist wertvoll, aber vor allem für Mädchen viel zu spät. Denn sie lassen sich vor der Pubertät (also in Klasse 5 oder 6) für technische Inhalte oft noch begeistern, danach wird es schwierig.

Warum sollten wir Programmieren als Schulfach einführen?

- Informationstechnische Grundbildung (ITG), Medienpädagogik und ähnliche Konstruktionen zielen meistens auf Bedienerschulung. Das heißt: Im besten Fall zeigen Lehrer ihrer Klasse den Aufbau eines PC, machen Übungen mit Office und sprechen über Risiken von Facebook. Das ist wichtig, aber statt echter Grundlagen werden damit ja lediglich Fertigkeiten eingeübt. Auch wegen ihrer kurzen Halbwertszeit ist der Bildungswert dieser Inhalte fraglich.

- Querschnittsthema: „Informatik ist so wichtig, das muss überall rein". Das ist richtig. Falsch ist aber die Schlussfolgerung, dass man „deswegen kein eigenes Fach mehr braucht". Auch Mathe und Deutsch sind „Querschnittsthemen", aber mit gutem Grund wird die Muttersprache in eigenen Deutschstunden von studierten Germanisten geformt und nicht etwa von Geografen, obwohl die doch perfekt Deutsch können. So absurd es klingt, Informatik von Menschen unterrichten zu lassen, die das Fach nicht einmal kennen, ist dieses Modell doch immer wieder im Gespräch. Die daraus folgende…

Warum braucht Deutschland eine digitale Bildungsoffensive?

- Fächerintegration ist der Versuch, Informatik in anderen Fächern, also von fachfremden Lehrern, mit abhandeln zu lassen. Über den fachlichen Ertrag einer solchen Veranstaltung brauchen wir uns keine Illusionen zu machen. Der Versuch ist in den letzten Jahrzehnten auch mehrfach gescheitert, in Baden-Württemberg zuletzt mit Informationstechnischer Grundbildung (ITG). Fachfremde Lehrkräfte können anspruchsvolle Fachkonzepte nicht adäquat unterrichten, schon gar nicht nebenbei.

- Digitalisierung: Die aktuelle Digitalpaktdebatte kreist um Tablets, WLAN, Smartboards und digitale Schulbücher, also um Ausstattung. Nur leider kommt Bildung nicht mit dem Möbelwagen. Das ist, als würde man Musik samt Musiklehrer durch Stereoanlagen, MP3-Player und iTunes-Abos ersetzen und dann von „musikalischer Bildung" schwärmen.

Informatik ist die Grundlage der Digitalisierung – nicht umgekehrt. Trotzdem enthält selbst das aktuelle „Digitalpapier" der Kultusministerkonferenz kein einziges Mal das Wort Informatik. Unser Schulsystem ist träge, Veränderungen brauchen Zeit. Das ist gut so – Bildung darf nicht jedem Trend nachlaufen. Aber man kann 2017 auch nicht mehr so tun, als wäre Informatik eine Art Modeerscheinung.

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