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MBA Die Zukunftspläne der Mannheim Business School

Der neue Präsident der Mannheim Business School (MBS), Jens Wüstemann, über die Leistungen seines Vorgängers und die wichtigsten Herausforderungen der Zukunft.

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Jens Wüstemann Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Professor Wüstemann, müssen wir Sie um Ihren neuen Job bedauern?

Wüstemann: Warum sollten Sie? Ich freue mich sehr auf die neue Aufgabe.

Sie treten aber in sehr große Fußstapfen – Christian Homburg, der noch amtierende Präsident der Mannheim Business School, hat sein Amt sehr erfolgreich geführt.

An seinen Verdiensten besteht kein Zweifel: Wir haben als erster und einziger deutscher MBA-Anbieter die Akkreditierung von den drei renommiertesten internationalen Organisationen erhalten. Wir haben uns in Bezug auf Teilnehmerzahlen und die Positionen in internationalen Rankings hervorragend entwickelt. Und unsere wirtschaftliche Situation ist sehr gut.

Setzen diese Erfolge Sie nicht enorm unter Druck?

Ich sehe das als Ansporn, zumal ich ja nicht ins kalte Wasser springe. Ich bin schon seit Jahren als Akademischer Direktor für zwei Studiengänge verantwortlich – zum einen für das Executive-MBA-Programm, das wir gemeinsam mit der französischen Essec Business School anbieten, zum anderen für den Master für Wirtschaftsprüfer und Steuerberater. Außerdem habe ich als Mitglied des MBS-Präsidiums seit Beginn unsere Strategie mitgeprägt.

Die Mannheimer BWL-Fakultät ist personell und organisatorisch eng mit der MBS verflochten, dort wird es bald einen hauptamtlichen Dekan geben: Jürgen Schneider, ehemaliger Finanzvorstand des Baukonzerns Bilfinger Berger. Brauchen Sie einen Aufpasser?

Sicher nicht. Wir sind stolz, dass wir einen so prominenten und erfahrenen Manager für diese Position gewinnen konnten. Die Aufgaben zwischen uns beiden sind klar aufgeteilt.

Wie denn?

Jürgen Schneider wird das Gesicht der Fakultät werden. Er wird vor allem seine engen Beziehungen zu Unternehmen und internationale Kontakte einbringen. Ich werde das Gesicht der Mannheim Business School sein, mit Verantwortung für die MBA-Programme, die spezialisierten Master-Studiengänge, den Bereich Executive Education und unsere Strategie. Klar ist aber, dass wir eng zusammenarbeiten werden.

Beim Gehalt macht Jürgen Schneider sicher Abstriche im Vergleich zu seinem früheren Vorstandsposten.

Das müssen Sie ihn selbst fragen. Er wird sicher nicht Dekan, um Geld zu verdienen, sondern weil ihm als Mannheimer Alumnus die Zukunft von Universität und auch der Business School am Herzen liegen.

Um das Image des MBA steht es derzeit nicht zum Besten. Kritiker werfen der Weiterbildung vor, Manager falsch ausgebildet zu haben und eine Mitschuld an der Finanzkrise zu tragen. Wie wollen Sie das ramponierte Ansehen retten?

Die Mehrheit dieser Anschuldigungen ist pauschal und schlichtweg falsch. Keine Business School und auch nicht die MBA-Ausbildung tragen für sich genommen die Schuld an der Krise. Gleichwohl gibt es berechtigte Kritik, der wir uns auch jederzeit stellen. Ich bin aber davon überzeugt, dass Mannheim hier lange vor der Krise viele Weichen richtig gestellt hat.

Wie denn?

Wir haben zum Beispiel in unseren MBA-Programmen soziale Verantwortung fest im Ausbildungsplan verankert. Wir versuchen, den Studierenden in umfassenden sozialen Projekten oder in Ethikkursen das nötige Rüstzeug für verantwortungsvolles Handeln mitzugeben – und wir sind davon überzeugt, dass dies einen wichtigen Beitrag dazu leistet, dass sie sich im Berufsleben entsprechend verhalten werden.

Dennoch gelten die amerikanischen Business Schools immer noch als das Nonplusultra in der MBA-Landschaft.

Natürlich gibt es Bereiche, in denen die US-amerikanischen Business Schools uns weit voraus sind – etwa in Bezug auf die Unternehmenskontakte oder die Stärke der Absolventenvereine. Aber es war auch nie unser Ziel, in Mannheim ein deutsches Harvard zu etablieren.

Warum nicht?

Dafür müssten wir die Teilnehmerzahlen der MBA-Jahrgänge etwa verzehnfachen. Das ist erstens utopisch und zweitens auch nicht zielführend. Wir haben mittlerweile etwa 60 Studierende pro Vollzeit-MBA-Jahrgang und auch volle Klassen im EMBA. Damit sind wir zwar im internationalen Vergleich verhältnismäßig klein, aber durchaus konkurrenzfähig.

Welche Ziele haben Sie sich für die nähere Zukunft gesetzt?

Wir wollen uns langfristig in den Top 25 weltweit etablieren. In den Ranglisten sind wir fast dort angekommen. Es ist aber schwieriger, ein hohes Niveau langfristig zu halten. In Europa wollen wir unter die Top 10. Beide Ziele halte ich für realistisch. Dabei dürfen wir aber nicht vergessen, dass unsere personellen und finanziellen Ressourcen begrenzt sind. In puncto Finanzkraft sind uns die führenden Schulen in den USA und Großbritannien weit voraus.

Wie stark ist die Konkurrenz aus China auf dem MBA-Markt?

Wir beobachten die Region nicht zuletzt aufgrund unseres neuen EMBA-Programms mit der Tongji-Universität in Shanghai. Wie im gesamten Wirtschaftsleben verzeichnet Asien auch im Bereich der Management-Ausbildung ein starkes Wachstum. Eine Reihe von Anbietern, vor allem aus China, Indien und Singapur, wird schon bald international eine wichtige Rolle spielen.

Sie müssen also noch mehr Konkurrenten im Auge behalten, wenn Sie im November das Präsidentenamt übernehmen. Werden Sie Ihren Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsprüfung dann abgeben?

Nein. Ich habe darüber auch mit Christian Homburg gesprochen, der seinen Lehrstuhl während seiner Präsidentschaft ebenfalls behalten hat. Wir sind uns einig, dass die Mannheim Business School davon profitiert, wenn der Chef einer solchen Einrichtung auch weiterhin in der Wissenschaft aktiv ist – denn genau hierbei handelt es sich um einen wichtigen Wettbewerbsvorteil der MBS: Die Fakultät ist sowohl in der Forschung als auch in der Lehre stark.

Wird sich Ihr Arbeitspensum ab November verdoppeln?

Vermutlich, aber das sehe ich nicht als Problem. Ich bin vor einigen Monaten 40 geworden. Es gibt Studien, die belegen, dass man den Zenit seiner beruflichen Leistungsfähigkeit zwischen 40 und 47 Jahren erreicht. Von daher gehe ich die Doppelbelastung entspannt an. Hauptsache, beide Jobs machen Spaß, und davon gehe ich fest aus.

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