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Nichtakademiker-Kinder Noch immer entscheidet die Herkunft über Schul-Chancen

Noch immer entscheidet Herkunft über Schul-Chancen Quelle: dpa

Kinder von Nichtakademikern sind an den Unis vergleichsweise selten. Und schon in früheren Jahren zeigen sich deutliche Unterschiede bei den Chancen auf optimale Bildung. Das müsste laut Experten nicht sein.

Die soziale Herkunft bestimmt in Deutschland in stärkerem Maß über den Schulerfolg als in vielen anderen Ländern. Die Kinder von Eltern mit hohen Abschlüssen erreichen auch deutlich häufiger selbst akademische Zeugnisse als Kinder von Eltern mit geringeren Abschlüssen. Ein neuer Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigt einmal mehr die soziale Ungleichheit bei der Bildung.

Abschlüsse

Nur knapp 15 Prozent der Erwachsenen mit Eltern ohne Abitur erreichen in Deutschland ein abgeschlossenes Hochschulstudium. Im Durchschnitt der meisten OECD-Länder sind es immerhin 21 Prozent. In Neuseeland schließen rund 39 Prozent dieser Menschen ein Studium ab, in Finnland 34 Prozent – in Tschechien dagegen nur 3,6 Prozent. Fast jeder vierte schafft in Deutschland allerdings einen höheren Bildungsabschluss als die Eltern. Im OECD-Durchschnitt sind das mit 41 Prozent deutlich mehr, in Korea sogar 57 Prozent, in Finnland 55 Prozent. Besonders wichtig ist das, weil die Abschlüsse über die Berufschancen entscheiden: Bei den Hochschulabsolventen liegt die Arbeitslosenquote nur bei etwa der Hälfte der ohnehin vergleichsweise geringen Quote in Deutschland.

Nachteile

Schon in der Schule kommt es oft nicht zu einer Durchmischung von benachteiligten und weniger benachteiligten jungen Leuten. So zeigt der Bericht, dass 46 Prozent der Schüler mit sozialer und ökonomischer Benachteiligung Schulen besuchen, die viele benachteiligte Schüler versammeln. Im OECD-Schnitt sind es allerdings sogar noch etwas mehr (48 Prozent), etwa in Finnland sind es hingegen nur 40 Prozent. Und diese Durchmischung macht oft den Unterschied: Laut den OECD-Experten erreichen benachteiligte Schüler in nicht benachteiligten Schulen deutlich bessere Leistungen.

Verbesserungen

Ob beim Lesen, in Mathe oder den Naturwissenschaften - bei den Leistungen sieht man laut OECD in den vergangenen Jahren deutliche Verbesserungen in Deutschland, was die Abhängigkeit vom sozioökonomischen Status anbelangt. Zwar erklären die Bildungsexperten der Organisation etwa bei den Naturwissenschaften immer noch 16 Prozent der Unterschiede der Schülerleistungen mit dem sozialen Hintergrund (Stand 2015). Knapp zehn Jahre zuvor waren es aber noch 4 Prozentpunkte mehr.

Auch in früheren OECD-Publikationen zeigten sich auch positive Trends. Seit gut zehn Jahren ist der Anteil der Unter-Drei-Jährigen, die eine Kita oder einen Kindergarten besuchen, um 20 Prozentpunkte gestiegen. In kaum einem anderen Land ist der Anteil sozialschwacher Schüler mit soliden Leistungen so deutlich gewachsen wie in Deutschland - von 25,2 im Jahr 2006 auf 32,3 Prozent 2015. Der Großteil der jungen Erwachsenen hat Abitur oder einen Berufsabschluss.

Hintergründe

Mittlerweile ist der PISA-Schock 17 Jahre her. Damals zeigte die OECD, dass die Leistungen der deutschen Schüler unterdurchschnittlich und stark an die soziale Herkunft gekoppelt waren. Und trotz aller Verbesserungen zieht sich Benachteiligung auch heute oft die ganze Bildungslaufbahn durch: So besuchen Kinder mit Müttern mit Spitzenabschlüssen weit häufiger eine Kita als Kinder ohne einen solchen Bildungsstatus.

Was getan werden kann

OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher sieht viele Ansatzpunkte - im Klassenzimmer, auf der Ebene der Schulen und im Bildungssystem. Frühkindliche Bildung müsste vor allem für Familien etwa mit ausländischen Wurzeln und für Ärmere noch stärker ausgebaut werden. Auch könnten für benachteiligte Schüler und Schulen schlicht mehr Mittel fließen, meint er. Schüler mit sozialen Nachteilen sollten sich seiner Meinung nach auch weniger in bestimmten Schulen konzentrieren. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte bereits seit Längerem eine Förderung von Schulen in Brennpunktbezirken - dort müssten mehr Lehrkräfte eingestellt werden, so dass die einzelnen Lehrer weniger Pflichtstunden unterrichten müssten. GEW-Chefin Marlis Tepe: „Es sind oft Kinder, die zuhause keine Bücher vorgelesen und keinen Zugang etwa zu klassischer Musik bekommen.“

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