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Numerus Clausus Diese Bundesländer bieten die besten Chancen auf einen Studienplatz

Quelle: imago images

Derzeit suchen viele Studienanfänger nach der richtigen Hochschule. In den verschiedenen Regionen gibt es allerdings einige Unterschiede.

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Sofia Zharinova hätte gern in Münster studiert. Dort hatte sie ihr Abitur gemacht und dort fühlte sie sich wohl. Aber letztlich durfte sie nicht allzu wählerisch sein. Sie wollte Pharmazie studieren. Und für dieses Fach stehen an den Hochschulen nur begrenzt Plätze zur Verfügung. Das Zulassungsverfahren ist wie auch für Medizin und Jura oft an einen Numerus clausus (NC), also die Abiturnote, geknüpft. 

Aus Angst, keinen Platz zu bekommen, hat sich Zharinova zum Sommersemester 2017 überall beworben, wo es möglich war. Jedoch öffnete die Abiturientin eine Absage nach der anderen. In ihrem E-Mail-Postfach sammelten sich die enttäuschenden Nachrichten – trotz ihrem ausgezeichneten Abiturschnitt von 1,4. Am Ende fand sich nach etwa 30 Bewerbungen doch noch eine Zusage: in Greifswald. Die traditionsreiche Universität in der Stadt in Mecklenburg-Vorpommern gilt als eine gute Adresse für die Ausbildung von Pharmazeutikern. Die Gegend war zwar nicht die erste Wahl von Zharinova. Einfach zu wenig los dort, so dachte sie – den Studienplatz nahm sie dann aber doch an.

Deutschlandweit ist die NC-Quote gesunken

In Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen gibt es die besten Chancen auf einen Studienplatz. Etwa jeder fünfte Studiengang ist in diesen beiden Bundesländern laut der Studie „Check – Numerus Clausus an deutschen Hochschulen“ von dem Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) zulassungsbeschränkt. Und auch Rheinland-Pfalz, Brandenburg und Sachsen-Anhalt haben im Vergleich zu den anderen Bundesländern eine niedrigere NC-Quote. Zum Vergleich: In Hamburg, Berlin und dem Saarland sind im kommenden Wintersemester zwei von drei Studiengängen zulassungsbeschränkt. Hamburg hat mit einer Quote von 65,2 Prozent dabei den höchsten Anteil im Ländervergleich. Es folgen Berlin und das Saarland mit 65,1 bzw. 63,3 Prozent. Deutschlandweit ist die NC-Quote bereits im fünften Jahr in Folge gesunken und liegt aktuell bei 40,1 Prozent.

BundeslandAnteil zulassungsbeschränkte Studiengänge
Hamburg65,2 %
Berlin65,1 %
Saarland63,3 %
Bremen56,8 %
Baden-Württemberg56,7 %
Niedersachsen48,7 %
Sachsen39,1 %
Bayern33,9 %
Schleswig-Holstein33,3 %
Hessen32,8 %
Nordrhein-Westfalen31,3 %
Sachsen-Anhalt28,9 %
Brandenburg27,7 %
Rheinland-Pfalz23,9 %
Thüringen21,9 %
Mecklenburg-Vorpommern19,8 %

Quelle: CHE

Die großen Unterschiede zwischen den Bundesländern lassen sich laut Cort-Denis Hachmeister, Experte für Hochschulzugang beim CHE, auf das Verhältnis zwischen Einwohnerzahl, der Attraktivität einer Stadt als Studienort und den vorhandenen Studienplätzen zurückführen. In den Stadtstaaten und auch in großen Städten wie Köln oder München gibt es die höchsten NC-Quoten. Ebenso im kleinen Saarland, wo sich die Hochschulen auf Saarbrücken konzentrieren.

„Länder wie Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen oder Hamburg konnten in den vergangenen fünf Jahren ihre NC-Quoten um sechs bis zehn Prozentpunkte senken“, sagt CHE-Geschäftsführer Frank Ziegele. Hier haben aber möglicherweise auch die in manchen Bundesländern gesunkenen Studienanfängerzahlen eine Rolle gespielt. 488.600 Menschen haben im Studienjahr 2020 erstmals ein Studium an einer deutschen Hochschule aufgenommen. Das sind etwa vier Prozent weniger als 2019.

Der Rückgang fällt dabei vor allem aus zwei Gründen größer aus als in den Vorjahren. Zum einen schlägt sich die Coronapandemie nieder, in deren Folge insbesondere ausländische Studenten und Studentinnen ausgeblieben sind und Hochschulen ihr Angebot eingeschränkt haben. Zum anderen gab es im Schuljahr 2019/2020 in Niedersachsen nach der Wiedereinführung von G9 an Gymnasien nur einen unvollständigen Abiturjahrgang, was sich insbesondere auf die Zahl der Studienanfänger an Hochschulen in Niedersachsen, aber auch in anderen Bundesländern ausgewirkt hat. Hochschulen passen die Zulassungsbeschränkungen der Nachfrage an.



Größte Chancen haben Bewerber in Dortmund

Auch im Städte-Vergleich zeigen sich deutliche Unterschiede. Größte Chancen auf einen Studienplatz in einer Hochschulstadt mit mehr als 50.000 Studenten haben Bewerber in Dortmund. Hier liegt die NC-Quote bei der diesjährigen Auswertung des CHE bei 23 Prozent. Die Höchstwerte unter allen Hochschulstädten mit mehr als 17.000 Studierenden haben Saarbrücken und Leipzig mit 65 und 63 Prozent.

„Bemerkenswert ist, dass sieben der zehn Städte mit der höchsten NC-Quote ihren Anteil an zulassungsbeschränkten Studiengängen im Vergleich zum Vorjahr senken konnten“, sagt Hachmeister. Dies gelte besonders für beliebte Studentenstädte wie Köln, Hamburg, Leipzig oder München.

Hochschulort (>17.000 Studierende) Anteil zulassungsbeschränkte Studiengänge
Saarbrücken64 %
Leipzig63 %
Berlin59 %
Hamburg58 %
Karlsruhe58 %
Göttingen56 %
Bremen56 %
Osnabrück54 %
München52 %
Köln52 %

Quelle: CHE

Darüber hinaus lohne es sich für Studienanfänger immer, auch Hochschulen im weiteren Umkreis und außerhalb des eigenen Bundeslands zu berücksichtigen, rät der Experte. Oft gebe es gleichwertige Studienangebote ohne Numerus Clausus sogar an benachbarten Hochschulen.

Je nach Fach, Hochschultyp und Abschlussart variiert die Numerus-Clausus-Quote stark: In den Rechts-, Wirtschafts-, Gesellschafts- und Sozialwissenschaften ist bundesweit etwa jeder zweite Studiengang zulassungsbeschränkt. In den Ingenieurwissenschaften stehen rund zwei Drittel der Angebote allen Erstsemestern unabhängig von ihrer Abiturnote offen.

Studiengänge an Universitäten sind zu einem geringeren Anteil (37 Prozent) mit einem NC belegt als die an Fachhochschulen (42 Prozent). Bachelorstudiengänge weisen mit 42 Prozent NC-Quote einen etwas höheren Wert als der Masterbereich (39 Prozent) auf.

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Auch wenn Sofia Zharinova gezwungenermaßen in Greifswald – und damit in dem Bundesland mit dem geringsten NC – studieren musste, ist sie im Nachhinein trotzdem vollkommen zufrieden mit dem Leben in Greifswald. Die Ostsee ist nah, sie hat viele Freunde gefunden und vor allem: sie kann ihrem Wunschstudiengang nachgehen.

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