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OECD-Bildungsbericht Problemschüler sind meist Jungen

Deutliche Geschlechterunterschiede offenbart ein aktueller Bildungsbericht der OECD. Jungen sind bei den besonders schwachen Schülern deutlich überrepräsentiert.

Die besten Bundesländer für Schüler und Azubis
Passanten gehen am Dienstag (28.08.12) in Bremen an der Fassade des Empfangsgebaeudes des Bremer Hauptbahnhofes vorbei. Quelle: dapd
Ein Brunnen vor dem Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität in München Quelle: dpa
Die St. Johann-Basilika in der Altstadt von Saarbrücken Quelle: dpa/dpaweb
Abendhimmel hinter der Baustelle der Elbphilharmonie am Hafen von Hamburg. Quelle: dpa
Die Rücklichter fahrender Autos werden am Mittwochabend (21.03.2012) auf der Karl-Marx-Allee in Berlin dank einer Langzeitbelichtung zu roten und gelben Linien. Quelle: dpa
Birds sit on a statue in the park of Sanssouci Palace Quelle: dapd
Gäste am Kreuzfahrtterminal in Warnemünde Quelle: dpa/dpaweb

Zwischen Mädchen und Jungen tun sich neue Lücken beim Bildungserfolg auf. Während bislang vor allem das geringere Interesse von Mädchen an Mathematik und Naturwissenschaften als Problem erschien, zeigt der erste Bildungsbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zur Geschlechtergleichheit, dass bei den besonders leistungsschwachen Schülern in Lesen, Mathe und Naturwissenschaften Jungen überrepräsentiert sind.

Von der Gesamtheit der besonders leistungsschwachen Schüler sind 60 Prozent Jungen. Sie brechen also auch eher die Schule ohne Abschluss ab. Der Bericht "The ABC of Gender Equality in Education: Aptitude, Behaviour and Confidence" beruht auf den PISA-Tests der OECD mit 15-jährigen Schülern.

Die OECD-Autoren empfehlen, besonders die Lesefähigkeit der Jungen zu verbessern. Lehrer und Eltern sollten die von Mädchen verschiedenen Lese- und Freizeitvorlieben der Jungen berücksichtigen. So begeistern sich Jungen häufiger für Comics, während Mädchen eher zu Romanen oder Magazinen greifen. Ein Ansatzpunkt zur Verbesserung der Leistungen lernschwacher Jungs könnten auch die Hausaufgaben sein. Im OECD-Schnitt verbringen Jungen eine Stunde pro Woche weniger mit Hausaufgaben als ihre Klassenkameradinnen.

Gleichzeitig bleibt ein großer Unterschied zwischen Jungs und Mädchen, was ihre Einstellung zu Mathematik angeht. Und in Deutschland ist dieser Unterschied besonders groß.

Gefragt, ob sie mathematische Aufgaben schnell begreifen, antworten Jungen wesentlich häufiger mit Ja als Mädchen. Mädchen dagegen stimmten eher der Aussage zu: “Ich bin einfach nicht gut in Mathe” – und das auch dann, wenn sie im PISA-Test mathematische Aufgaben genauso erfolgreich lösten, als ihre männlichen Altersgenossen.

Die Länder mit der höchsten Akademikerquote
Platz 10: IrlandBevölkerungsanteil mit Hochschulabschluss: 39,7 ProzentIm Jahr 2012 haben knapp 40 Prozent der Iren zwischen 25 und 64 Jahren eine universitäre Ausbildung. Das resümiert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (kurz: OECD) in ihrem Bildungsbericht 2014. Deutschland hingegen schafft es nicht unter die Top Ten: Nur 28 Prozent haben einen Tertiärabschluss – also ein abgeschlossenes Studium oder einen Meister. Der OECD-Durchschnitt liegt dagegen bei knapp 33 Prozent. Quelle: AP
Platz 9: NeuseelandBevölkerungsanteil mit Hochschulabschluss: 40,6 ProzentDie weltweite Finanzkrise hat sich in Neuseeland nicht wirklich bemerkbar gemacht: Während die Zahl der Studenten in vielen Industriestaaten zwischen 2008 und 2011 zurückgegangen ist, steigt sie in Neuseeland weiter an und liegt bei knapp 41 Prozent. Im Jahr 2011 investieren neuseeländische Studenten im Durchschnitt knapp 11.000 US-Dollar in ihre Hochschulausbildung. Quelle: dpa
Platz 8: GroßbritannienBevölkerungsanteil mit Hochschulabschluss: 41,0 ProzentA-Level-Studentin Tabitha Jackson (r.) freut sich mit ihren Kommilitoninnen über ihren Abschluss am Brighton College. 41 Prozent der britischen Bevölkerung hat einen Hochschulabschluss. Ein Studienjahr in Großbritannien kostet rund 16.000 US-Dollar. Quelle: REUTERS
Platz 7: AustralienBevölkerungsanteil mit Hochschulabschluss: 41,3 ProzentEin Surfer springt mit seinem Brett in die Wellen vor Sydney. Auch „Down Under“ hat eine gut qualifizierte Bevölkerung, die deutlich über dem OECD-Durchschnitt liegt: 41,3 Prozent der Erwachsenen haben einen Universitätsabschluss. Pro Jahr muss ein australischer Student etwa 16.000 US-Dollar für seine Ausbildung zahlen. Quelle: AP
Platz 6: KoreaBevölkerungsanteil mit Hochschulabschluss: 41,7 ProzentJunge koreanische Studentinnen feiern ihren Abschluss an der privaten Sookmyung Universität in Seoul. In Korea haben 41,7 Prozent der erwachsenen Bürger einen Hochschulabschluss. Ein Studienjahr kostet knapp 10.000 US-Dollar. Quelle: dpa
Platz 5: USABevölkerungsanteil mit Hochschulabschluss: 43,1 ProzentVon allen 30 untersuchten Staaten ist ein Studium in den USA am teuersten: Rund 26.000 US-Dollar muss ein Student dort pro Jahr an einer Universität zahlen. Dennoch kann fast jeder zweite Erwachsene einen Hochschulabschluss vorweisen. Auf diesem Foto ist der Campus der Georgetown University in Washington zu sehen. Quelle: AP
Platz 4: IsraelBevölkerungsanteil mit Hochschulabschluss: 46,4 ProzentDieses Bild zeigt die israelische Universität Beerscheva, die auch als Ben-Gurion University of the Negev bekannt ist. Auch Israels Bevölkerung ist mit einem Anteil von 46,4 Prozent Hochschulabsolventen überdurchschnittlich gut ausgebildet. Pro Jahr investiert ein israelischer Student im Durchschnitt knapp 12.000 US-Dollar in seine Ausbildung. Quelle: dpa

Der Bericht bestätigt, was andere Untersuchungen und Alltagsbeobachtungen seit jeher zeigen: Die Einstellung gegenüber Mathematik und Naturwissenschaften, und damit einhergehend auch das Interesse an Karrieren in einem naturwissenschaftlichen oder technischen Feld, unterscheidet sich zwischen Jungen und Mädchen grundlegend. Im Schnitt der OECD-Mitgliedsländerkann sich weniger als eines von 20 Mädchen im Alter von 15 Jahren vorstellen, später eine Arbeit zu machen, die mit einem sogenannten MINT-Fach (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) zu tun hat. Bei den Jungen sind es vier von 20.

Die Abneigung von Mädchen gegen die MINT-Fächer erklärt einen großen Teil des Gehaltsunterschiedes zwischen den Geschlechtern, denn gerade die MINT-Berufe führen sehr oft zu den bestbezahlten Karrieren.

Der unterschiedlichen Einstellung entsprechen dabei nicht schwächere Leistungen. Beide Geschlechter schnitten im PISA-Test Naturwissenschaften ähnlich ab. Nur auf den ersten Blick scheinen die Ergebnisse des PISA-Tests die Geschlechter-Präferenzen zu bestätigen: In vielen Teilnehmerländern schneiden Jungen bei den mathematischen Aufgaben besser ab, während die Mädchen ihre Altersgenossen beim Lesen in allen Ländern hinter sich lassen. In besonders leistungsstarken Volkswirtschaften aber sind Jungen und Mädchen in Mathematik gleichauf und Mädchen erbringen dort weit bessere Ergebnisse als die Jungen der meisten anderen Länder. Ebenso ist das Leseverständnis der Jungen in diesen, zumeist asiatischen Ländern höher als das der Mädchen in schwächeren Teilnehmerstaaten.

„Die Geschlechterdifferenzen begründen sich also nicht durch angeborenes (Un-)Vermögen, sondern vielmehr durch eine erworbene Haltung gegenüber der Materie, der Schule, beziehungsweise dem Lernen ganz allgemein“, heißt es bei der OECD.

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Deutliche Kritik an der OECD angesichts des Berichts äußerte der Präsident des Philologenverbands, Heinz-Peter-Meidinger: „Es führt weder bei der Analyse noch bei den Zielperspektiven weiter, wenn man bei der Klage über ein zu geringes Interesse von Mädchen an naturwissenschaftlichen Studiengängen und Berufen bei den von Eltern geprägten Einstellungsmustern stehenbleibt. Wenn der OECD-Bericht feststellt, dass sich Jungen bei der Berufswahl stärker an der Höhe des späteren Verdienstes orientieren als Mädchen, während diese nach anderen Erhebungen bei der Berufswahl stärker an Kriterien wie der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie den eigenen Neigungen und Selbstverwirklichung interessiert sind, dann ist die Gemengelage komplizierter als der Bericht glauben machen will“, so Meidinger.

Der Verbandschef machte zudem die eher auf Männer ausgerichteten Arbeitsplätze im technologisch-naturwissenschaftlichen Berufssektor dafür verantwortlich, dass so wenig Mädchen solche Berufe anstrebten. „Bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat die Industrie trotz gewisser Fortschritte noch eine große Bringschuld in Deutschland!“, sagte Meidinger.

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