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Praxis der Unbildung Elternsprechtag an der Uni

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Rundumbetreuung im College

Die besten Universitäten der Welt
University of Oxford Quelle: rtr
University of Chicago Quelle: Jevnin
Columbia University Quelle: dpa
Princeton University Quelle: dpa
California Institute of Technology (Caltech) Quelle: Dhilung
University of Cambridge Quelle: dpa
University of California, Berkeley Quelle: dpa

Um die Kids vom Hotel Mama zu entwöhnen und ihnen eine erste Selbstständigkeit zu gewähren, müssen die Neuankömmlinge das erste Jahr auf dem College Gelände wohnen und es ist den Eltern allerhöchstens erlaubt, ihre Zöglinge an dem ein oder anderen Wochenende zu besuchen. Im College selbst – was oftmals einem Fünf-Sterne-Dorf gleicht -  sollen soziale Kontakte geknüpft und Teamgeist für das College entwickelt werden. Entsprechend gibt es laufend alle möglichen Veranstaltungen auf dem College-Gelände für die gesamte Gemeinde und nicht von ungefähr bleiben die meisten Amerikaner ihrem College oder ihrer Universität ein Leben lang verbunden.

Der achtsemestrige Bachelor - in Deutschland sind es nur sechs Semester - ermöglicht den Neuankömmlingen eine zweisemestrige Orientierungsphase in einer Art „Studium generale“, da die Freshmen – ähnlich wie bei uns – oftmals gar nicht wissen, was sie denn überhaupt studieren sollen. Hier können sie erst einmal in verschiedene Fächer hinein schnuppern, um sich dann nach einem oder zwei Semestern endgültig für ein Fach zu entscheiden.

„From the cradle to the grave“

Von all dem kann bei uns nun gar keine Rede sein. Der sechssemestrige Schmalspur-Bachelor mit vorgegebener Stundentafel verschärft die Passivität der Studierenden in bisher nie gekanntem Ausmaß. Erschwerend kommt hinzu, dass die deutschen „Helikopter-Eltern“ ihren Nachwuchs möglichst lange im Hotel Mama halten wollen, mit allen negativen Folgen einer fehlenden individuellen Persönlichkeits- und Selbständigkeitsentwicklung. Probleme des Nachwuchses auch an den Hochschulen nehmen Mama und Papa in die Hand, am besten „from the cradle to the grave“, um es mal mit Eric Clapton zu formulieren. Auch die Wirtschaft dürfte sich in Kürze wundern, was da so alles auf sie zukommt.

In Arbeit
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Die Kollegen in den USA und in vielen asiatischen Ländern bewundern ausdrücklich das bisherige deutsche Bildungssystem: „Ihr habt doch in Eurem Bildungssystem den Allgemeinbildungsgedanken eines Wilhelm von Humboldt, Ihr habt doch dreizehn Jahre Schule, Ihr vergebt doch ein qualitativ hochwertiges Abitur, hinzu kommen noch 1-2 Jahre für die Bundeswehr und dann verleiht ihr auch noch ein weltweit anerkanntes Diplom“ so ein Kollege am College of New Jersey 2011. Was soll man darauf erwidern? Einfach so aufgegeben, abgeschafft. Nicht nur die Amerikaner können es nicht verstehen.

Unlängst erläuterten die englischen und amerikanischen Kollegen Christopher Young und Hans Ulrich Gumbrecht in der Süddeutschen Zeitung in „Beobachtungen zur deutschen Universität aus englischer und amerikanischer Perspektive“ den Unsinn der Übernahme des angloamerikanischen Bildungssystems und kamen dann auch folgerichtig zu dem Fazit: „Heute stellt sich die Frage, ob Wilhelm von Humboldts Ideen und die von ihm erfundenen Strukturen irgendwo auf der Welt nachhaltiger vergessen und eingeklammert sind als in Deutschland“.

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