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Promotion mit BehinderungNeues Programm kämpft für Chancengleichheit

Der Weg zum Doktortitel ist steinig - erst recht für Menschen mit Behinderung. Sie scheitern an Vorurteilen und der Angst vor hohen Kosten. Ein neues Förderprogramm soll das ändern.dpa und Sebastian Kunigkeit 18.06.2014 - 12:02 Uhr

Astrophysik-Doktorand Christoph Wendel sitzt in seinem Elektrorollstuhl an seinem Arbeitsplatz in der Universität Würzburg. Mit dem Projekt "Promi - Promotion inklusive" unterstützt die Uni schwerbehinderte Absolventen bei der Promotion.

Foto: dpa

Christoph Wendel zieht es zu den Extremen. „Die Sonne hat eine Masse von zweimal 10 hoch 30 Kilogramm, sowas fasziniert mich. Das ist viel mehr, als man sich vorstellen kann“, sagt der Würzburger Doktorand der Astrophysik. „In diesem Fachgebiet gibt es ganz oft Superlative.“ Schon in der Schulzeit vertiefte er sich in Sachbücher, nun will er die Strahlung bestimmter Objekte außerhalb der Milchstraße erklären - schwere Kost. Doch während sein Geist fit ist - körperlich ist der 28-Jährige stark eingeschränkt. Seine Muskeln bauen immer weiter ab, er sitzt im Rollstuhl und ist stets auf Unterstützung angewiesen.

Mit einer Schwerbehinderung ist der Weg zu einem Doktortitel in Deutschland nach Einschätzung von Experten oft steinig. Und auch wenn die UN-Behindertenrechtskonvention ein Umdenken in der Bildungspolitik befördert hat - das Thema Promotion fristet dabei bislang ein Schattendasein. „Wir stehen da leider erst am Anfang“, sagt Andreas Keller, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Das bundesweite Programm „Promotion inklusive“ will das ändern. Über mehrere Jahre sollen an 15 Unis Stellen für 45 Doktoranden geschaffen werden. Als erster begann im Herbst ein Legastheniker seine Promotion in Würzburg, inzwischen sind zehn „Promis“ gestartet. Auch Wendels Stelle wird darüber finanziert. Der Astrophysiker bekennt: „Ich weiß nicht, ob ich das ohne dieses Projekt gemacht hätte.“

Die Lage für Behinderte, die promovieren wollen, sei schlecht, bestätigt Sandra Ohlenforst, die sich in Würzburg um das Programm kümmert. Sie vermutet Vorurteile und - unbegründete - Angst vor höheren Kosten. „Es gibt für Promovierende mit Behinderungen Probleme, gerade wenn sie auf technische Unterstützung am Arbeitsplatz oder eine Arbeits-Assistenz angewiesen sind“, erklärt Christine Fromme, Referentin der Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung des Deutschen Studentenwerkes. Während der Promotion besteht nur dann ein Anspruch auf die Finanzierung dieser Unterstützung, wenn der Doktorand eine sozialversicherungspflichtige Stelle hat. Stipendiaten fallen durchs Raster.

Kampf für Chancengleichheit

„Die allerwenigsten Promotionsordnungen tragen dem Rechnung, dass Promovierende mit Behinderung etwas länger brauchen oder Nachteile haben“, kritisiert GEW-Mann Keller. So sei eine Verlängerung der Höchstbefristung von Promotionsstellen bei Behinderung nicht möglich - anders als etwa für die Kinderbetreuung.

Internationaler Rang 1: Universität von Oxford

Wie schon im vergangenen Jahr ging der Titel "Beste Uni der Welt" des britischen Fachmagazins Times Higher Education an die britische Elite-Hochschule Oxford. In den zwölf Jahren zuvor ging der Titel jedes Mal in die USA.

Für viele Wissenschaftler sind Oxford und Cambridge unabhängig von Rankings Inbegriff der Wissenschaft. Seit 900 Jahren wird an der britischen Hochschule unterrichtet. An der Universität von Oxford studierten unter anderem die britische Premierministerin Margaret Thatcher und der Physiker Stephen Hawking, aber auch Erwin Schrödinger oder Joseph Stiglitz gehören zu den berühmten Absolventen. Auf Rang zwei folgt mit der University of Cambridge die zweite britische Hochschule.

Aber auch Deutschland ist im THE-Ranking gut vertreten. 44 deutsche Unis sind im Ranking zu finden, damit ist Deutschland das am dritthäufigsten vertretene Land. Nachfolgend die Top Ten der deutschen Unis im Ranking.

Foto: WirtschaftsWoche

Platz 10: Uni Bonn

Im internationalen Vergleich belegt die 1818 gegründete Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn Platz 100 von 200. Im Vergleich zum Vorjahr hat sie damit 13 Plätze wettgemacht.

Das ist nicht nur ein stattlicher Aufstieg, verglichen mit den anderen 76 deutschen Hochschulen, die es unter die Top 1000 geschafft haben, ist Rang 100 auch eine sehr stattliche Platzierung. Die Universität belegt unter den deutschen Hochschulen Platz zehn.

Methodik: Für das Times Higher Education-Ranking wird unter anderem verglichen, wie viele Drittmittel eine Universität bekommt, wie oft sie in Fachartikeln zitiert wird und welche Qualität die Lehre hat. Die Lehre geht dabei mit 30 Prozent in die Bewertung ein, genauso wie Forschung und Zitierhäufigkeit. Internationalität, also der Anteil ausländischer Professoren und Studierenden mit 7,5 Prozent und der wirtschaftliche Einfluss mit 2,5 Prozent.

Foto: WirtschaftsWoche

Platz 9: Universität Tübingen

Die Uni Tübingen hatte als erste deutsche Hochschule nach dem Zweiten Weltkrieg am 20. August 1945 den Lehrbetrieb wieder aufgenommen. 72 Jahre später belegt die Hochschule im THE-Ranking Platz 94 (2016: Platz 89). Unter den deutschen Unis reicht das für Rang neun.

Foto: dpa

Platz 8: Technische Uni Berlin

Die 1879 gegründete Technische Universität Berlin darf sich einiger prominenter Absolventen rühmen und hatte schon die britische Queen zu Besuch. Im internationalen Ranking hat sich die TU im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert: Von Rang 82 ging es runter auf Platz 92. Trotzdem ist sie mit dieser Wertung die achtbeste Uni Deutschlands, was Finanzierung, Qualität der Lehre und Reputation anbelangt.

Foto: dpa

Platz 7: Freie Universität Berlin

Auch der siebte Platz geht nach Berlin und zwar an die Freie Universität Berlin, an der auch schon der berühmte britische Physiker Stephen Hawking referierte. Doch auch die FU hat sich im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert: Von Platz 57 ging es runter auf Platz 88.

Foto: dpa/dpaweb

Platz 6: Universität Freiburg

Großer Aufsteiger ist dagegen die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Die Hochschule machte 13 Plätze gut und liegt nun im internationalen Ranking auf Platz 82. Unter den deutschen Unis reicht das für Platz sechs.

Foto: dpa/dpaweb

Platz 5: Rheinisch-Westfaelische Technische Hochschule (RWTH) Aachen

Auch in deutschen Uni-Rankings belegt die RWTH immer einen der Top-Plätze. So auch international: Im THE-Ranking reicht es für Platz 79, unter den besten deutschen Unis bedeutet das: Platz fünf.

Foto: dpa

Platz 4: Humboldt Universität Berlin

Die Humboldt Universität in Berlin bekommt als sogenannte Elite-Universität höhere Fördermittel als eine gewöhnliche Hochschule. Das, ihre Reputation in der Wissenschaft und die Qualität der Lehre bescherten ihr im internationalen Vergleich Rang 62. Damit ist sie die viertbeste deutsche Uni unter den Top 100.

Foto: dpa/dpaweb

Platz 3: Uni Heidelberg

Die Ruprecht-Karls Universität in Heidelberg trägt ebenfalls den begehrten Titel Elite-Universität - und darf sich über entsprechend hohe Fördergelder freuen. Im internationalen Vergleich schafft es die Alma Mater mit Platz 45 sogar unter die besten 50 Unis weltweit.

Foto: AP

Platz 2: Technische Universität München

Die TU München gehörte zu den ersten sogenannten Elite-Universitäten in Deutschland und konnte so ihre Spitzenforschung mit mehr als 100 Millionen Euro von Bund und Ländern ausbauen. Das wird auch im Ausland anerkannt: Platz 41 im globalen Ranking, Platz zwei im deutschlandweiten Vergleich.

Foto: dpa

Platz 1: Ludwig-Maximilians-Universität München

Die LMU ist laut dem "Times Higher Education"-Ranking Deutschlands beste Uni. International belegt sie 34 (2016: Platz 30).

Foto: dpa

„Wir zwingen die Hochschulen ein bisschen dazu, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen“, sagt Jana Bauer vom Lehrstuhl für Arbeit und berufliche Rehabilitation der Uni Köln, der „Promotion inklusive“ betreut. Das Programm wird unter anderem vom Bundesarbeitsministerium finanziert, die Stellen sind sozialversicherungspflichtig.

Wie viele Promovierende das Thema betrifft, ist unklar. Wie viele wegen der Schwierigkeiten gleich auf eine Promotion verzichten, erst recht. „Es gibt da keine zuverlässigen Daten“, sagt Jana Bauer. Aus der Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks ist bekannt, dass sieben Prozent aller Studierenden eine Beeinträchtigung haben, die ihr Studium erschwert. Und eine Studie im Auftrag der „Aktion Mensch“ habe gezeigt: „Absolventen mit Behinderung haben nicht die gleichen Chancen auf dem Arbeitsmarkt“, sagt Bauer. Auch da soll das Programm helfen.

Voraussetzungen, um im PROMI-Projekt zu promovieren
Es muss eine Schwerbehinderung im Sinne des SGB IX §2 Abs. 2 vorliegen.
Arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht (zum Beispiel bei bevorstehender Beendigung des Studiums).
Benötigt wird ein Hochschulabschluss, der zur Promotion befähigt.
Erfüllung der individuellen Zulassungsvoraussetzungen in den Promotionsordnungen der jeweiligen Fakultät.
Sie haben Ihre Promotion noch nicht angemeldet beziehungsweise sind noch nicht zur Promotion zugelassen.
Die Beschäftigung und Promotion muss an einer der teilnehmenden Universitäten erfolgen.
Sie schließen einen Kooperationsvertrag mit der Universität zu Köln ab, der die Teilnahme an den Netzwerktreffen und die Unterstützung der Evaluation beinhaltet.Weitere Informationen zum PROMI-Projekt finden Sie auf der Website

Gewerkschafter Keller hält solche Initiativen für dringend nötig: „Wir werden in Zukunft immer mehr höherqualifizierte Leute brauchen“, sagt er. „Der Bedarf ist noch nicht gedeckt. Da kann man es sich gar nicht leisten, bestimmten Gruppen diese Chancen zu verwehren.“ Und falls Nachwuchswissenschaftler mit Behinderung später in die Lehre gingen, könnten sie zu wichtigen Vorbildern werden. Wendels Professor Karl Mannheim jedenfalls ist froh, dass das Projekt dem 28-Jährigen die Promotion ermöglicht. Wendel sei in der Lage, komplexeste Systeme zu analysieren und zu verstehen, sagt er. „Ich bin außerordentlich glücklich, dass ich so einen kompetenten Doktoranden gewonnen habe, der mit einer kaum vorstellbaren Gabe ausgezeichnet ist.“

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