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Qualitätsmonitor 2013 Den Studenten fehlt die Praxis

Schon lange beklagen sich Studenten und Unternehmen, dass die Hochschulen reine Theoretiker ausspucken. Im Job stehen die Absolventen oft ratlos. Das bestätigt jetzt auch eine Studie.

Die besten Universitäten
Technische Universität BerlinDie 1879 gegründete TU Berlin schafft es gleich in fünf Fächern unter die ersten Zehn: Platz zwei in den Naturwissenschaften, Rang vier im Wirtschaftsingenieurwesen, Platz fünf in der Informatik. Sechster wurde die TU Berlin in der Elektrotechnik, siebter im Maschinenbau. Insgesamt konnte sich der Hochschulstandort in diesem Jahr deutlich verbessern und in zahlreichen Kategorien aufsteigen. Quelle: TU Berlin/Dahl
Universität zu KölnIhre Vorgänger-Uni wurde 1388 als vierte Universität im deutsch-römischen Kaiserreich gegründet. 1798 wurde sie unter napoleonischer Besetzung geschlossen. 1919 wurde sie neu gegründet. Auch 625 Jahre nach ihrer ursprünglichen Gründung ist die Hochschule noch auf dem neusten Stand, wie das Uni-Ranking zeigt. Die Volkswirte der Universität zu Köln schaffen es auf den zweiten Platz. Im Fach BWL reicht es diesmal für den dritten Rang. Unter die ersten Fünf gelangt sie außerdem bei dem Wirtschaftsinformatikern. Quelle: dpa
Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU München)Doch die bayrische Hauptstadt beherbergt noch eine weitere Spitzenuniversität – die LMU München. Schon Konrad Adenauer, Theodor Heuss und Gustav Heinemann studierten hier. Die 1472 gegründete Hochschule zählt zu den renommiertesten Universitäten Deutschlands. Im internationalen Times-Higher-Education-Ranking wurde sie aktuell als beste deutsche Universität ausgezeichnet. Und auch die deutschen Personaler kann sie von sich überzeugen, vor allem in den Wirtschaftswissenschaften. Rang zwei erreicht sie im Fach BWL, in der Volkswirtschaftslehre reicht es für den dritten Rang. Die Bronzemedaille sicherte sich die LMU außerdem in den Naturwissenschaften. Quelle: Presse
Technische Universität MünchenBereits 1868 gegründet, kann die TU München auf eine fast 150-jährige Geschichte zurückblicken, die von reichlich Erfolgen geprägt ist. So wurden zum Beispiel schon 13 Alumni und Professoren der Universität mit einen Nobelpreis ausgezeichnet. Auch im diesjährigen Hochschul-Ranking der WirtschaftsWoche kann die TU überzeugen. In der Wirtschaftsinformatik belegt sie hinter Darmstadt den zweiten Rang. Platz drei geht an die Informatiker der TU München. Auch im Maschinenbau (5. Platz), in der Elektrotechnik (4. Platz) und den Naturwissenschaften (5. Platz) punktete die bayrische Hochschule. Quelle: Technische Universität München, Albert Scharger
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am MainDie Bankenstadt Frankfurt am Main bleibt auch im Uni-Ranking 2014 ihrem Image treu und punktet vor allem in den Wirtschaftswissenschaften: Sie siegt in der Volkswirtschaftslehre und schafft es im Fach BWL immerhin auf den fünften Rang. Genauso wie bei den Naturwissenschaften. Quelle: dpa
Technische Universität DarmstadtHoheitlich ist ebenfalls der Sitz der TU Darmstadt. Wie in Mannheim, beherbergt auch in Darmstadt ein Residenzschloss die Hochschule. Ihr universitärer Status ist allerdings nochmal 30 Jahre jünger als der Mannheimer. Seit 1877 ist sie eine Technische Hochschule, zur Universität wurde sie erst 1997. Getreu ihrem Namen liegen ihre Stärken im technischen Bereich: In der Wirtschaftsinformatik konnte die Universität ihren Sieg aus dem Vorjahr verteidigen. Im Maschinenbau, der Elektrotechnik und dem Wirtschaftsingenieurwesen belegt sie jeweils Rang drei. Platz vier wurde es in der Informatik. Quelle: Thomas Ott/ TU Darmstadt
Universität MannheimJunge Universität, alter Sitz. Erst 1967 wurde die Mannheimer Handelshochschule zur Universität erhoben. Die im Barockschloss heimische Hochschule gehört damit zu den jüngeren deutschen Unis. Aufgrund ihrer wirtschaftswissenschaftlichen Ursprünge, zeigt sich in diesem Bereich auch die Kompetenz der Universität. Im diesjährigen Hochschul-Ranking belegt sie in der Betriebswirtschaftslehre weiterhin den ersten Rang. Im Fach Wirtschaftsinformatik reichte es immerhin für Platz zwei, in der VWL für den vierten Rang. Eine weitere TopTen-Platzierung schaffte sie im Bereich Informatik – Platz sechs. Quelle: Norbert Bach - Universität Mannheim

Über Studenten gibt es eine ganze Menge Kalauer. Viele drehen sich darum, dass die jungen Akademiker zwar den Kopf voller Formeln und Theorien haben, aber im Unternehmen zu nichts zu gebrauchen sind. Auch Unternehmen beklagen die fehlende praktische Erfahrung der Absolventen.

Dass es in puncto Praxis Nachholbedarf gibt, sehen auch die Studenten so. Das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung hat für seinen "Studienqualitätsmonitor 2013" rund 50.000 Studenten befragt, wie zufrieden sie mit der Qualität ihres Studiums sind.

Dabei kam die Berufsvorbereitung nicht gut weg: Während an Fachhochschulen immerhin 53 Prozent dem Studium eine gute Berufsvorbereitung zuschreiben, liegt dieser Anteil an Universitäten nur bei 31 Prozent. Auch die einzelnen Lehrveranstaltungen bieten nicht genug Praxisbezug, so die Studenten. An den Universitäten haben nur 47 Prozent der Studenten das Gefühl, dass das echte Leben in Vorlesungen und Seminaren auch eine Rolle spielt. Bei den Fachhochschülern bewerten dafür 72 Prozent die Lehrveranstaltungen als praxisorientiert.

Auch die Dozenten bekommen ihr Fett weg: Die Mehrheit sei zwar gut vorbereitet, aber die Lehrveranstalten bestächen durch gähnende Langeweile, so das Urteil der Umfrageteilnehmer. Nur 40 Prozent der Fachhochschüler und 30 Prozent der Studenten an Universitäten sagten, dass die Dozenten den Lehrstoff interessant und ansprechend darstellen und es ihnen gelingt, "die Studierenden für den Lehrstoff zu motivieren".

Natürlich können sich die Studierenden auch selbst um Praktika und Nebenjobs bemühen, um einen Bezug zum späteren Arbeitsleben zu finden. 62 Prozent der Fachhochschüler sagen, dass sie gute bis sehr gute Möglichkeiten haben, im Studium selbst praktische Erfahrungen zu sammeln.

Bei den Hochschülern sagen das nur 41 Prozent. Ihr Terminkalender sei zu vollgestopft und der Zeitdruck zu groß, um noch nebenher in die Arbeitswelt hinein zu schnuppern. Das Angebot spezieller Lehrveranstaltungen, die Praxiswissen vermitteln, besteht an Fachhochschulen (53 Prozent) ebenfalls deutlich häufiger als an Universitäten (34 Prozent).

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In diese Lücke stoßen immer mehr Unternehmen: So gründeten beispielsweise der Konsumgüterhersteller Henkel mit der Unternehmensberatung McKinsey, dem Versicherungskonzern Allianz und dem Medienunternehmen Bertelsmann die Initiative Gap Year, die Bachelor-Studenten bis zu drei hochkarätige Praktika bei den vier Unternehmen vermittelt.

"Wir sehen eine große Nachfrage bei Studenten, die fehlende Praxiserfahrung nach dem Bachelor-Studium nachzuholen", sagt Jens Plinke, Chef des Employer Brandings bei Henkel. "Bei Bewerbern mit Anfang 20 stellt sich ja sowieso die Frage, ob sie nicht noch ein wenig reifer und erfahrener werden sollten."

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