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Serie Zukunft der Industrie (IV) Kann Deutschland kluge Köpfe ködern?

Lange Zeit galt Deutschland unter Spitzenforschern als zweite Wahl. Doch langsam spricht sich herum, dass es sich auch hierzulande gut forschen lässt.

Das nach dem Biophysiker benannte Max-Delbrück-Centrum fusioniert mit Teilen der Charité. Quelle: dpa

Diese Nachricht sorgte für Aufsehen: Thomas Südhof kommt in die Hauptstadt. Der Medizin-Nobelpreisträger mit deutsch-amerikanischem Pass wird ab Herbst dieses Jahres am Aufbau des neu gegründeten Berliner Instituts für Gesundheitsforschung (BIG) an der Charité mitwirken. Als dies bekannt wurde, überschlugen sich lokale und überregionale Medien vor Begeisterung, und auch Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) applaudierte. Südhof sei „ein großer Gewinn für die Gesundheitsforschung in Deutschland“.

Doch Südhofs Replik klang anders. Über die Berichterstattung sei er „schockiert“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Denn er werde gar nicht für längere Zeit nach Berlin wechseln, kein separates Labor haben und erst recht keine eigenen Mitarbeiter mitbringen.

„Nicht, dass ich missverstanden werde“, sagte Südhof. „Ich engagiere mich gerne in Berlin, aber der Rahmen des Engagements ist ein ,Visiting Fellow‘. Das bedeutet, dass ich da ein paar Mal im Jahr hingehe und beratend tätig werde.“

Die besten Universitäten der Welt
Princeton University Quelle: dpa
California Institute of Technology (Caltech) Quelle: Dhilung
Universität von Chicago Quelle: Rdsmith4
Yale Quelle: REUTERS
Stanford Quelle: KingofHearts
Universität Oxford Quelle: Djrxi
Imperial College London Quelle: Imperial College London

Die unterschiedliche Deutung der Forscher-Personalie scheint symptomatisch für den Wissenschaftsstandort Deutschland. Seit Jahren glänzt die Bundesrepublik mit vorderen Plätzen in Innovationsrankings. Deutsche Unternehmen aus der Automobil-, Chemie- und Maschinenbaubranche führen die internationalen Patentstatistiken an. Doch die forschende Elite der Welt lässt sich mitunter nur als Gast blicken. Deutschlands Klima in der Spitzenforschung ist gut und besser geworden, aber noch nicht Weltklasse.

Es wäre aber durchaus wieder an der Zeit für einen Nobelpreisträger, der seine bahnbrechenden Ergebnisse in Deutschland erarbeitet hat. Zuletzt wurde diese Ehre des Stockholmer Nobelpreiskomitees in einer technischen Disziplin den Wissenschaftlern Gerhard Ertl und Peter Grünberg 2007 zuteil.

Chemiker Ertl erhielt den Preis für seine Studien von chemischen Prozessen auf Festkörperoberflächen, die er unter anderem in Berlin erforschte. Physiker Grünberg entdeckte im Forschungszentrum Jülich den Riesenmagnetwiderstand, der in Computerfestplatten zum Einsatz kommt.

Experten warnen davor, dass die absolute Top-Elite auch weiterhin woanders forscht. „Wir haben ein gutes Ausbildungssystem, wir sind auch für ausländische Wissenschaftler in der Breite attraktiver geworden, aber wir schaffen es immer noch nicht, besonders talentierte Leute in Deutschland zu halten oder zu attrahieren“, sagt Dietmar Harhoff, Leiter des Max-Planck-Instituts für Innovation und Wettbewerb. Historische Wanderungsbewegungen der OECD hätten gezeigt, dass Deutschland „über einen langen Zeitraum Spitzenwissenschaftler verloren hat“.

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