Sparmaßnahmen in ganz Europa Unis leiden unter Kürzungen

Nicht nur in den Krisenstaaten werden die Mittel für Hochschulen gekürzt - auch in anderen europäischen Ländern wird streng gespart. Darunter leidet vor allem die Lehre.

Mit Transparenten ziehen mehr als 10.000 Studenten und Schüler gegen Einsparungen im Bildungsbereich durch die Straßen. Quelle: AP

Eine aktuelle Untersuchung der Europäischen Universitätsvereinigung (EUA), über die der "Tagesspiegel" berichtet, macht die Zweiklassengesellschaft der europäischen Universitäten deutlich. Die Kluft zwischen den Hochschulen werde immer größer, so das Fazit der Studie: Auf der einen Seite stünden die Universitäten, die trotz der Krise in den vergangenen Jahren mehr Gelder einstreichen konnten - auf der anderen Seite die Hochschulen, denen die staatlichen Zuschüsse teils radikal gekürzt wurden.

Unter den Kürzungen leidet der Untersuchung nach vor allem die Lehre. Auch Investitionen in neue Gebäude würden vielerorts aufgeschoben. In Italien, Griechenland und den Niederlanden seien zudem die Gehälter der Wissenschaftler gekürzt worden.

Studium in Italien erstaunlich teuer
EnglandEnglische Universitäten sind am teuersten. Bis zu 11.500 Euro müssen Studierende pro Studienjahr zahlen. Bislang mussten Studierende in England, Wales und Nordirland für einen grundständigen Bachelor-Studiengang jährlich maximal 4200 Euro bezahlen. Ab 2012 können zwischen etwa 7.500 und 11.200 Euro verlangt werden. Ein nationales Stipendienprogramm soll vor allem Studierende mit wenig Einkommen unterstützen. Grundsätzlich erhalten Studierende in England - wie in Deutschland - ein Darlehen, das es ihnen ermöglicht die Gebühren zu zahlen. Zurückzahlen müssen sie sie erst, wenn sie eine relativ gut bezahlte Stelle gefunden haben. Quelle: REUTERS
LiechtensteinVor idyllischer Kulisse ist das Studium in Liechtenstein eines der teuersten in Europa. Pro Jahr müssen alle Studierenden aus dem In- und Ausland etwa 1240 Euro pro Jahr bezahlen. Die staatliche Hilfe beträgt maximal 20.700 Euro, von denen 40 bis 60 Prozent Zuschüsse sind, der Rest Darlehen. Quelle: gms
Universität Bologna Quelle: Creative Commons-Lizenz
Universitätsbibliothek Sofia Quelle: dpa
Firmenschild der Universität Sorbonne Quelle: Presse
PortugalDie Gebühren für das Bachelor-und das Masterstudium sind weitestgehend gleich und liegen bei mindestens 631 Euro und maximal bei 999,71 Euro. Die Höhe wird jedes Jahr vom Bildungsministerium bestimmt und wird unter anderem von der Inflation beeinflusst. Stipendien können auf Basis des Nutzens und der Leistung berechnet werden. Das Begabtenstipendium beträgt 2425 Euro. Quelle: dapd
Universität Sofia Quelle: dpa

Zu den großen Verlierern gehören demnach neben den Krisenländern im Süden Europas auch Großbritannien und viele Staaten Osteuropas. Großbritannien gab 2010 noch mehr als elf Milliarden Euro für seine Hochschulen aus, 2013 waren es nur noch knapp neun Milliarden. Im Gegenzug wurden die Studiengebühren massiv angehoben. Tschechien etwa kürzte die Ausgaben für seine Universitäten zwischen 2008 und 2012 um 14 Prozent, in Ungarn waren es sogar 20 Prozent.

Spanien stutzte seine Ausgaben für die Wissenschaft im selben Zeitraum um 9,5 Prozent, Italiens Universitäten verloren 12 Prozent der staatlichen Mittel. Auch in Spanien wurden die Studiengebühren erhöht. Am schwersten traf es die Hochschulen im besonders krisengeschüttelten Griechenland: bis 2012 wurden ihnen rund 25 Prozent der Zuschüsse gestrichen. Im laufenden Jahr sollen die Kürzungen weitergehen.

In diesen Ländern studieren die Deutschen am liebsten
Zuhause zu pauken ist langweilig, denken sich immer mehr deutsche Studenten und gehen zum lernen ins Ausland. Was sie dort studieren, ist von Land zu Land verschieden. In Australien studieren fast sechs von zehn deutschen Studenten Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, in Ungarn dagegen fast drei Viertel Humanmedizin. In Frankreich beschäftigt sich die Hälfte der deutschen Studenten mit der Fächergruppe „Sprach- und Kulturwissenschaften, Sport“. Quelle: dpa
Platz 10. Dänemark 2,200 deutsche Studenten schrieben sich 2010 in dänischen Hochschulen ein. Quelle: dpa
Platz 9. Spanien Auch ins sonnige Spanien zieht es die deutschen Studierenden. 2010 haben 2,700 deutsche Studenten spanische Hochschulen besucht, im Vergleich zum Vorjahr ist deren Zahl allerdings kaum gestiegen. Quelle: dpa
Platz 8. Schweden In Schweden studierten nach Angaben des statistischen Bundesamtes 2010 4000 Deutsche. Zehn Jahre zuvor waren es nur halb so viele. Quelle: dpa
Platz 7. China Auf der Beliebtheitsskala deutscher Studenten liegt China auf dem 7. Platz. 4800 Studierende entschieden sich für ein Studium an einer der Hochschulen der aufstrebenden Wirtschaftsmacht. Seine Beliebtheit ist rasant gestiegen - im Jahr 2000 hat das statistische Bundesamt nicht einmal Daten zu deutschen Studierenden in China erhoben. Quelle: REUTERS
Platz 6. Frankreich Auch nach Frankreich zieht es die deutschen Studenten. 6252 von ihnen waren 2010 dort eingeschrieben. Quelle: Reuters
Platz 5. USA 9,458 Studierende entschieden sich für ein Studium in den vereinigten Staaten. Im Jahr 2000 waren es noch knapp 10,000. Quelle: dpa

Theoretisch könnten die Kürzungen durch Drittmittel aus EU-Programmen kompensiert werden, dies werde laut der Analyse "aber ebenfalls schwerer", weil viele Programme eine Ko-Finanzierung der Hochschulen verlangten, die diese aber nicht mehr aufbringen könnten. Die EUA fordert daher mehr Rücksichtnahme und neue Förderregeln von Seiten der EU.

Eines der wenigen Länder, das kontinuierlich mehr Geld für die Wissenschaft ausgibt, ist Deutschland. Der Analyse nach stiegen die staatlichen Zuschüsse zwischen 2008 und 2012 um mehr als 20 Prozent. Zuwächse gibt es auch in einigen skandinavischen Ländern, sowie Frankreich, Belgien und Österreich.

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