Stipendien für Studierende Wo der Durchschnittsstudent gefördert wird

Stipendien sind nur für Überflieger und Einserschüler? Nicht unbedingt. Die großen Programme setzen oft „überdurchschnittliche“ Leistungen voraus – aber auch „Normalos“ haben Chancen auf Studien-Förderung.

Geld für Träumer, Gescheiterte und "untadelige Knaben"
Stipendienprogramme für Studenten Quelle: dpa
Stipendium für Nerds und das AndersseinWer an der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen studieren möchte, der hat ebenfalls ohne Strebernoten Chancen auf ein Stipendium. Denn die ZU erlässt mithilfe ihres Stipendiums Menschen mit ungewöhnlichen Lebensläufen die Studiengebühren, die sich pro Bachelorprogram auf über 30.000 Euro belaufen. Zwölf angehende Studierende bekommen jedes Jahr so eine Förderung, wenn sie die Grundvoraussetzung erfüllen und irgendwie anders sind. Das heißt Langzeitstudenten, Ausbildungsabbrecher, Gründerpleitiers, und Sitzenbleiber sind beispielsweise ebenso herzlich willkommen wie Mütter und Legastheniker – Hauptsache anders. Quelle: Fotolia
Stipendium für „untadelige Knaben und Mädchen“Untadeliges Verhalten gehört sich bei den meisten großen Stiftungen, die Stipendien vergeben - ebenso wie gute Noten. Nirgendwo ist es aber so explizit gewünscht wie bei der Urban-, Brigitte- und Johannes-Goll-Stiftung. Dieses Stipendium wird nämlich ausschließlich an „untadelige Knaben und Mädchen“ vergeben. Wer also brav ist, hat eine Chance - zumindest wenn er oder sie auch noch Pädagogik, Sozialpädagogik oder Theologie studiert und aus dem kleinen baden-württembergischen Örtchen Öfingen stammt, Quelle: Fotolia
Stipendium für Träumer Quelle: dpa
Hilfe für ArztkinderEs klingt komisch, da man ausgerechnet Kinder von Ärzten nicht als finanziell benachteiligt sehen würde - aber für sie gibt es spezielle Studiumsförderprogamme. Die Hartmannbund-Stiftung „Ärzte helfen Ärzten“, unterstützt seit einem halben Jahrhundert in Not geratene Arztfamilien - und deren Kinder. Dahinter steckt die Idee der kollegialen Hilfe. Das kommt insbesondere Kindern von in finanzielle Not geratenen Ärzten zugute. Sie bekommen finanzielle Unterstützung. Ein ähnliches Projekt gibt es auch für Arztkinder von der Rosa-Schneider-Stiftung. Quelle: dpa
Am Juniata College in den USA gibt es bereits seit 1979 ein Stipendium für Linkshänder. Quelle: dpa
„Entschleunigungs“-Stipendium Quelle: dpa

Studieren ist teuer. Laut dem Deutschen Studentenwerk geben deutsche Studierende im Schnitt fast 750 Euro pro Monat aus. Für Miete, Ernährung, Lernmittel, Freizeit – Studiengebühren noch nicht einberechnet. 874 Euro stehen ihnen durchschnittlich zu Verfügung. Für viele ein Leben am Limit des Girokontos.

Dabei ist viel Geld da, das Studierenden hierzulande mehr Flexibilität ermöglichen soll. Das Zauberwort heißt Stipendium. Allein die 13 Begabtenförderungswerke, die in Deutschland Stipendien an Studierende und Promovierende vergeben, förderten im vergangenen Jahr 28.900 Studierende. Die Haushalsmittel der Werke beliefen sich 2016 insgesamt auf 243,9 Millionen Euro. Weiterhin liegen sie damit unter ihrem eigentlichen Ziel, ein Prozent aller Studierenden als Stipendiaten zu fördern. Ihrer Meinung nach vor allem auch, weil es immer mehr Studenten gibt.

Ein anderer Grund könnte sein: „Begabt“ ist für viele ein abschreckendes Wort. Vor einigen Jahren gab das Reemtsma Begabtenförderungswerk beim Meinungsforschungsinstitut Allensbach eine Studie zur Nutzung von Stipendien in Auftrag. Das Ergebnis 2014: Nur jeder fünfte Student bewirbt sich überhaupt jemals für ein Stipendium. So manch ein Studienförderwerk oder Stipendienprogramm bleibt deshalb hier und da auf seinem Fördergeld sitzen.

Denn für die weiterhin wachsende Studentenzahlen gibt es trotzdem eine Fülle an Stipendien, die mitunter nicht ausgeschöpft wird – vielleicht auch, weil viele sich ein Stipendium aufgrund „nur guter“ und nicht „überdurchschnittlicher“ Leistungen gar nicht zutrauen.

Dabei gibt es neben den bekannten Begabtenförderungswerken mehrere tausend Stipendienprogramme. Etwa der Bundesländer, so mancher Hochschule, aber auch von Banken, Unternehmen oder Privatpersonen und ihren Stiftungen. Und diese zielen nicht zwangsläufig auf die klügsten oder wie sie sich lieber ausdrücken „leistungsorientierten“ oder „überdurchschnittlichen“ Schüler und Studenten ab.

So teuer wohnen Studenten in Deutschland
Platz 15: Leipzig Quelle: dpa
Platz 14: Bochum Quelle: dpa Picture-Alliance
Platz 13: Siegen Quelle: dpa Picture-Alliance
Platz 12: Kiel Quelle: dpa
Platz 11: Bremen Quelle: dpa
Platz 10: Osnabrück Quelle: dpa Picture-Alliance
Platz 9: Jena Quelle: dpa/dpaweb

Einige Stiftungen fördern beispielsweise Studierende in bestimmten Lebensumständen. So gibt es besondere Förderungsprogramme für Halb- und Vollwaisen oder Studierende mit chronischen Erkrankungen oder Behinderungen. Auch bestimmte Studienfächer, eine Religionszugehörigkeit, ein Forschungsschwerpunkt oder das Interesse an bestimmten Jobs können Zugang zu einem Stipendium bringen. Wer einfach eine Finanzierung für sein Studium benötigt, für den gibt es zudem Stipendien, die schlichtweg zinslose Darlehen bewilligen, die entsprechend des Verdienstes nach dem Studium – ähnlich wie Bafög – zurückgezahlt werden müssen. Besonders interessant für diejenigen, die durch das Bafög-Raster fallen.

Unsere Auswahl stellt einige besondere Stipendien-Arten vor und soll aufzeigen – eine intensive Recherche im Umfeld des Heimatorts, der Eltern und der Studienfachwahl kann sich auszahlen – finanziell und ideell. Ein Überblick.

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