Studentenförderung Deutschlandstipendium meldet endlich Erfolge

Nach einem Jahr voller Kritik wegen schlechter Planung füllt sich das junge Deutschlandstipendium langsam mit Leben: 10.977 Studierende werden 2012 gefördert. Damit hat sich die Zahl gegenüber dem Vorjahr verdoppelt.

Deutschlands Spitzen-Universitäten 2012
RWTH AachenAachen liegt in allen technischen Disziplinen vorne. Das ist auch der Anspruch der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH), die als eine der wenigen deutschen Elite-Unis gilt. Mit ihrem Zukunftskonzept „RWTH 2020“ hat sie sich zum Ziel gesetzt, bis zum Ende des Jahrzehnts eine der weltweit besten „integrierten interdisziplinären technischen Hochschulen“ zu werden. Diese Anstrengungen fördert die Bundesregierung mit ihrer Exzellenz-Initiative. Exzellenz bescheinigt die WirtschaftsWoche der RWTH auch in ihrem Uni-Ranking: Sie belegt den ersten Platz in Naturwissenshaften, Elektrotechnik, Wirtschaftsingenieurwesen und Maschinenbau. Bei Informatik steht Aachen auf dem zweiten Platz Quelle: dapd
Uni MannheimJunge Universität, alter Sitz. Erst 1967 wurde die Mannheimer Handelshochschule zur Universität erhoben. Die im Mannheimer Barockschloss heimische Hochschule gehört damit zu den jüngeren deutschen Unis. Aufgrund ihrer wirtschaftswissenschaftlichen Ursprünge, zeigt sich in diesem Bereich auch die Kompetenz der Uni. Im Hochschul-Ranking der WirtschaftsWoche belegt sie in den Fächern VWL und BWL jeweils den ersten Platz. Außerdem ist sie in den Top 10 jeweils in Wirtschaftsinformatik (3), Informatik (8) und Jura (8). Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)Die Uni Karlsruhe war die Informatik-Pionierin unter den deutschen Hochschulen. 1969 etablierte sie als erste deutsche Hochschule einen Informatik-Diplomstudiengang, drei Jahre später entstand in Karlsruhe die erste deutsche Fakultät für Informatik. Nachdem, sie sich 2005 den Zusatz „Forschungsuniversität“ gab fusionierte sie 2009 mit dem Kernforschungszentrum der Helmholtz-Gemeinschaft zum Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Die Informatik-Pionierarbeit hat sich gelohnt: Das KIT belegt in dem Fach den ersten Platz im WirtschaftsWoche-Ranking. Bei Elektrotechnik, Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen kommt das KIT auf den zweiten Platz, bei Naturwissenschaften auf den dritten. Quelle: dpa
Technische Uni München (TUM)Die Bundesregierung zeichnete die Technische Uni München (TUM) gleich doppelt aus: Einerseits gehörte sie 2007 zu den ersten drei geförderten Hochschulen ihrer Exzellenz-Initiative, andererseits ernannte sie der Bund als Teil seiner Existenzgründer-Initiative „Exist“ zur Gründerhochschule. Denn an der TUM soll nicht nur geforscht, sondern damit auch Geld verdient werden. Dafür hat sie mit der UnternehmerTUM GmbH etwa eine eigene Unternehmensberatung für ihre Studenten gegründet, die auch über einen Förder-Fonds verfügt. Im Fach Wirtschaftsinformatik verleiht die WirtschaftsWoche der TUM den ersten Platz unter der deutschen Hochschulen, bei Naturwissenschaften gibt es den zweiten Platz, bei Elektrotechnik, Maschinenbau und Wirtschaftsinformatik den dritten Platz, sowie bei BWL den zehnten Platz. Quelle: Technische Universität München, Albert Scharger
Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU)Konrad Adenauer, Theodor Heuss und Gustav Heinemann studierten hier schon: Die 1472 gegründete Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) zählt zu den renommiertesten Universitäten Deutschlands. Im internationalen Times-Higher-Education-Ranking wurde sie 2011 als beste deutsche Universität ausgezeichnet, beim Ranking der Shanghaier Jiao-Tong-Universität landet sie in Deutschland auf dem zweiten Platz nach der TU München. Bei der WirstchaftsWoche belegt sie den ersten Platz im Fach Jura, sowie den dritten Platz bei BWL und VWL, sowie den vierten bei Naturwissenschaften. Quelle: Creaitve Commons: CC BY-SA 3.0
Uni KölnDicht hinter Mannheim, liegt in den Wirtschaftswissenschaften die Uni Köln. Bei VWL und BWL belegt sie im WirtschaftsWoche-Ranking den zweiten Platz, bei Jura Platz 3 und bei Wirtschaftsinformatik Platz 5. Genau wie in Mannheim, geht auch die Kölner Uni auf eine Handelshochschule zurück. Gegründet im Jahr 1901, wurde sie 1919 zur Universität umgewandelt. Ihre Vorgänger-Uni wurde 1388 als vierte Universität im deutsch-römischen Kaiserreich gegründet. 1798 wurde sie unter napoleonischer Besetzung geschlossen. Die heutige Universität zu Köln wird ebenfalls von der Exzellenz-Initiative der Bundesregierung gefördert. Quelle: dpa/dpaweb
Technische Uni DarmstadtHoheitlich ist der Sitz des Technischen Uni Darmstadt. Wie in Mannheim, beherbergt auch in Darmstadt ein Residenzschloss die Hochschule. Ihr universitärer Status ist allerdings ganze 30 Jahre jünger als der Mannheimer. Seit 1877 ist sie eine Technische Hochschule, zur Universität wurde sie erst 1997. Getreu ihrem Namen liegen ihre Stärken im technischen Bereich: Beim Wirtschaftsingenieurwesen landet sie im WirtschaftsWoche-Ranking auf dem dritten Platz, bei Informatik, Elektrotechnik und Maschinenbau kommt sie auf den vierten, bei Naturwissenschaften auf Rang 5. Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche

Mit Krawatte am DJ-Pult, die eine Hand am Plattenteller, die andere am Kopfhörer - so sieht es aus, wenn Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Goethe-Universität Frankfurt, die Werbetrommel fürs Deutschlandstipendium rührt. In einer Frankfurter Diskothek legt der gebürtige Österreicher regelmäßig seine liebsten Hits aus der Heimat auf.

Mit seinem ungewöhnlichen Engagement begeistert der Professor für Pharmazeutische Chemie nicht nur das Publikum, er verfolgt auch eine Herzensangelegenheit: "Ich wünsche mir, dass es gelingt, das Deutschlandstipendium sowohl finanziell als auch ideell auszubauen. In fünf Jahren möchte ich, dass tausend Studierende ein solches Stipendium bei uns erhalten." Nur zu gut weiß der 51-Jährige, wie wichtig es ist, dem neuen Programm ein Gesicht zu geben und damit seine Bekanntheit zu steigern. Das Stipendium dürfe sich nicht nur auf eine monatliche Kontobewegung beschränken, vor allem der ideelle Austausch trage zum Erfolg bei. Daher begleiten Hochschulen wie die Goethe-Universität Frankfurt oder die Hochschule Niederrhein in Krefeld das Modell mit Projekten, Veranstaltungen und Aktionen, die Förderer, Stipendiatinnen und Stipendiaten regelmäßig zusammenbringen.

"Bürgerliches Engagement im Bildungsbereich"

Bund und private Mittelgeber, die von den Hochschulen geworben werden müssen, übernehmen jeweils die Hälfte des Stipendienbetrags von 300 Euro pro Monat. Nach Einführung des Stipendiums durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung im vergangenen Jahr nutzten bereits zu Beginn des Wintersemesters 2011/2012 rund drei Viertel der 388 Hochschulen in Deutschland das neue Instrument zur Förderung von Studenten. Rund die Hälfte der teilnehmenden Hochschulen haben ihre Höchstförderquote für 2011 in Höhe von 0,45 Prozent voll ausgeschöpft und einige Universitäten wie beispielsweise die RWTH Aachen haben deutlich mehr Stipendien geworben, als sie vergeben konnten. Insgesamt haben die Hochschulen im letzten Jahr Fördermittel für 5551 Deutschlandstipendien eingeworben; es wurden damit über 10 Millionen Euro an privaten Mitteln für Stipendien mobilisiert. Während des ersten Jahres des Deutschlandstipendiums kamen über private Geldgeber noch nur rund 3,4 Millionen Euro zusammen. Nach den Worten der Bundesbildungsministerin Annette Schavan hat sich das Deutschlandstipendium als "wirksamer Anreiz für bürgerschaftliches Engagement im Bildungsbereich erwiesen". Einer der namhaften Förderer des Stipendiums ist beispielsweise der Baukonzern Bilfinger, der begabte Studenten an insgesamt 17 Hochschulstandorten unterstützt.

Diese Finanzierungsmöglichkeiten gibt es

Es gibt und gab allerdings auch reichlich Kritik am Deutschlandstipendium: Kritiker hatten befürchtet, dass Unternehmen nur gezielt junge Leute fördern würden, die sie auch selbst einstellen wollen, worunter Studierende der Geisteswissenschaften zu leiden hätten. Wie das Statistische Bundesamts im Mai 2012 mitteilte, belegten auch die meisten geförderten Studenten, nämlich 1500 (27 Prozent), Ingenieurswissenschaften. An zweiter Stelle folgen die Fächergruppen Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften mit 1.400 Stipendiaten (25 Prozent), danach die Studenten der Mathematik und der Naturwissenschaften mit 1200 (23 Prozent). Dennoch zog Cornelia Quennet-Thielen, Staatsekretärin im Ministerium, nach einem Jahr eine positive Bilanz und sagte, dass "Befürchtungen, wonach nur Studierende aus bessergestellten Elternhäusern gefördert und die Natur- und Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften durch die Mittelgeber über Gebühr bevorzugt würden", sich als grundlos erwiesen hätten.

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