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Studienkredite Wie Bildung für alle bezahlbar wird

Studieren ja, aber mit welchem Geld? Wie Bildungsfonds die Finanzierungslücke schließen, und warum sich ein mittelständisches Industrieunternehmen als innovativer Studienfinanzierer umtut.

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Ein Viertel der Studenten muss mit weniger als 600 Euro monatlich auskommen. Studienkredite und Bildungsfonds werden zur Finanzierung bisher kaum genutzt. Quelle: dpa

Das staatliche BaföG war über Jahre die einzige Chance ein Studium zu finanzieren, wenn zu Hause die finanziellen Mittel fehlten. Doch selbst mit BaföG mussten und müssen viele Studenten jeden Cent zweimal umdrehen. Nebenjobs sind gängig – wer keine wohlhabende Oma oder einen spendablen Onkel hat, muss selbst sehen wo er bleibt. Nach der aktuellsten Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (aus dem Jahr 2009 - der neue Report erscheint im Herbst 2012) nimmt jeder Student monatlich 812 Euro ein.

Ein Fünftel der Studenten hat monatlich jedoch weniger als 600 Euro zur Verfügung. Zum Vergleich: Der BAföG-Höchstsatz liegt bei 648 Euro. Laut der Studie müssen mehr als ein Viertel der Studenten mit niedrigem Einkommen zurecht kommen. Zwei Drittel der Studenten behelfen sich daher mit einem Nebenjob. Auch, wenn die Noten darunter leiden und sich die Studienzeit insgesamt dadurch in die Länge zieht.

Bildungsfonds sind eine Möglichkeit an Geld zu kommen. Hinter dem Begriff steckt in den meisten Fällen ein Studienkredit. Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) vergleicht jährlich die aktuellen Angebote. Dabei unterscheidet es vier Studienkredit-Typen:

  • Angebote zur allgemeinen Studienfinanzierung: Sie sollen die Lebenshaltungskosten und Studiengebühren abdecken. Klassische Studienkredite sind zum Beispiel der Studienkredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), Angebote von Großbanken, lokale Angebote von Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken.

  • Bildungsfonds: Bei diesem Förderkonzept, das Anbieter wie CareerConcept und Deutsche Bildung verfolgen, handelt sich nicht um einen klassischen Kredit. Anleger kaufen Teile am Fonds – aus diesen Mitteln werden ausgewählte Studierende gefördert. Nach Abschluss des Studiums zahlen diese für einen bestimmten Zeitraum einen bestimmten Prozentsatz des Einkommens zurück.

  • Überbrückungskredite: Sie werden vom Bundesverwaltungsamt, vom Studentenwerk sowie der E.W. Kuhlmann-Stiftung angeboten und dienen dazu, kurz vor dem Examen stehenden Studenten für einen begrenzten Zeitraum finanziell auszuhelfen. Die Zinssätze sind günstig, teilweise fallen gar keine Zinsen an.

  • Studienbeitragsdarlehen: Sie ziehen ausschließlich auf eine (Vor-)Finanzierung der Studiengebühren. Hier gibt es sowohl staatlich initiierte Angebote für Studienbeiträge staatlicher Hochschulen (in Niedersachsen und Bayern) sowie individuelle Finanzierungsangebote für Studiengebühren privater Hochschulen.

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    Das CHE hat zuletzt 40 verschiedene Angebote unter die Lupe genommen und nach Kriterien wie Zugang, maximale Auszahlungssumme, Zinssatz, Rückzahlungsmodalitäten und Flexibilität bewertet und gibt eine erste Hilfestellung bei der Auswahl des passenden Finanzierungsangebots, die hier in Auszügen wiedergegeben wird: 

    Tipps des Centrums für Hochschulentwicklung

    Ein Anbieter sticht unter der Vielzahl der Programme heraus. Der Festo Bildungsfonds. Er ist der bisher einzige Bildungsfonds in Deutschland, den ein Industrieunternehmen ins Leben gerufen hat und der Studenten nicht nur die Finanzierung des Studiums sichert, sondern auch ein umfangreiches Begleitprogramm wie z.B. Kurse zur Persönlichkeitsentwicklung bietet. Darüberhinaus gibt es großes Netzwerk von beteiligten Unternehmen und ehemaligen Teilnehmern des Bildungsfonds.

    Prinzip des Generationenvertrags

    Die Auf- und Absteiger unter Deutschlands Unis
    Studenten auf dem Campus der Uni Bamberg Quelle: gms
    Zwei Studentinnen in der Universitätsbibliothek Tübingen Quelle: dpa
    Die Teams der Fachhochschule Offenburg, der Hochschule Merseburg un der TU Chemnitz beim 22. Shell Eco-Marathon. Quelle: obs
    Studenten auf einer Wiese des Campus Münster Quelle: Pressebild
    Studenten der Universität Duisburg/Essen verfolgen im großen Saal des Essener Multiplex-Kinos eine Vorlesung Quelle: dpa
    Forscher der Berliner TU arbeiten mit Kollegen aus Spanien und den Niederlanden an einem Projekt, das auch in Gebieten extremer Dürre fruchtbares Wachstum verspricht Quelle: dpa/dpaweb
    Vor dem Schriftzug "Universitaet" befindet sich ein Denkmal für Alexander von Humboldt vor dem Eingang der nach ihm benannten Universität in Berlin Quelle: dpa/dpaweb

    Festo arbeitet dabei mit der CareerConcept AG zusammen, dem Marktführer unter den deutschen Bildungsfonds. Das Angebot von Festo richtet sich allerdings ausschließlich an Studenten und Doktoranden sogenannter MINT-Studienfächer – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Der Bildungsfonds des Esslinger Automatisierungstechnikherstellers unterstützt mit bis zu 40.000 Euro. Die spätere Rückzahlung hängt rein vom Einkommen ab, ist auf einen Maximalbetrag begrenzt und flexibler als bei vielen Studienkrediten. 

    Die populärsten Bildungsfonds und Studienkredite

    Der Fonds funktioniert nach dem Prinzip eines Generationenvertrags. Ehemalige Studenten finanzieren über ihre Rückzahlungsbeiträge die neuen Kandidaten. Bei der Auswahl der Studenten zählt Talent und Persönlichkeit. Kriterien, die bei Großbanken nicht unbedingt zum Tragen kommen.

    Peter Speck, Leiter des Festo Bildungsfonds: "Eine Bank will verständlicherweise finanzielle Sicherheiten. Der Banker fragt: 'Was sind Ihre Sicherheiten?' Der Doktorand sagt: 'Mein Potenzial'. Da antwortet der Banker natürlich: 'Tut mir leid, das kann ich als Sicherheit nicht einsetzen.' Bei Festo können wir den Wunsch des Kandidaten von seinem finanziellen Hintergrund wie z.B. Finanzkraft der Eltern oder Anspruch auf BAföG losgelöst betrachten. Es entscheidet das Potenzial des Kandidaten. Das empfinde ich als großen Vorteil." Für sein Konzept ist der Festo Bildungsfonds mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem Mittelstandspreis Top Innovator 2012. Knapp 500 Verträge mit Studenten und Doktoranden wurden abgeschlossen, die Bewerberzahl lag bei mehr als 1600 – Tendenz steigend.

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      "Top-Talente brauchen ihre Freiheit"

      Derzeit sind 30 Hochschulen und 23 Unternehmen als Netzwerkpartner aktiv. Teilnehmende Betriebe stellen Geld für Qualifizierungen, wie etwa Präsentations- und Rhetoriktrainings, Bewerbercoaching zum optimalen Berufseinstieg oder Trainings zur Bewältigung von Lernblockaden zur Verfügung. Sie bieten aber auch zum Beispiel Plätze in ihren hausinternen Seminaren an, um Einblicke in ihre Branche und spezielle Bereiche zugeben. Die Idee hinter dem Netzwerk: "Unternehmen sollen Zugang zu Top-Talenten bekommen. Studenten können wertvolle Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern knüpfen. So entsteht eine Win-Win-Situation."

      Der Leiter des Bildungsfonds blickt auf zwanzig Jahre Erfahrung als Führungskraft im Personalwesen zurück. Seine Beobachtung: "Top-Talente wollen ihren Marktwert testen und ihre Freiheit haben. Modelle, bei denen der Student an ein Unternehmen gebunden wird, weil es sein Studium finanziert, funktionieren meiner Meinung nach daher grundsätzlich nicht." 

      Keine Konkurrenz zum BaföG

      Ingenieure in Bereichen mit hohem Entwicklungstempo könnten bald Bedarf an einem Zweitstudium haben. Für die Finanzierung kommen auch Bildungsfonds in Frage. Quelle: dpa

      Deshalb gibt es bei Festo auch keinerlei Verpflichtung gegenüber den Partner aus der freien Wirtschaft. Anders als bei Sponsoring-Modellen oder Stipendien sind die Finanzierungsnehmer hier völlig frei im Umgang mit den beteiligten Unternehmen. Der Bildungsfonds soll eine Kontaktbörse sei, nicht mehr und nicht weniger. Speck versichert: "Wie intensiv sich der Student im Netzwerk einbringen möchte, bleibt jedem selbst überlassen."

      Potenzial der Bildungsfonds noch nicht ausgeschöpft

      2009 nutzten nicht einmal ein Prozent der Studenten die Möglichkeit, das Einkommen über einen Studienkredit oder Bildungsfonds aufzustocken. Ein Drittel bezog das staatliche BaföG. Das Prinzip Bildungsfonds sei nicht als Konkurrenz zum BaföG zu verstehen, betont Speck, sondern lediglich ein weiterer Pfeiler als Finanzierungsalternative im Bildungssystem. Nichtsdestotrotz hält Speck, der auch als Honorarprofessor an der Universität Stuttgart über Personalentwicklung doziert, „die Finanzierung über Bildungsfonds für einen zukunftsweisenden Baustein in unserem Bildungssystem." 

      WirtschaftsWoche Uni-Ranking 2012

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        Das gelte nicht nur im Hinblick auf das Erststudium. Die berufsbegleitende Qualifizierung – Speck spricht von der „Requalifizierung“ - werde immer wichtiger. "Der rasante technologische Wandel bringt es mit sich, dass wir in wenigen Jahren ganze Cluster von Berufsgruppen haben, die dringend requalifiziert werden müssen. Dazu benötigen wir neue Studiengänge, die genau das leisten. Aber eben auch eine Möglichkeit der privatwirtschaftlichen Finanzierung. Der Staat und das Bankensystem werden das meiner Meinung nach nicht leisten können." 

        Hochschule



        Der Leiter des Festo Bildungsfonds denkt hier an die Technologiezweige wie  Elektromobilität, neue Wege bei der Steuerung von Stromnetzen mittels sogenannter Smart Grid, also intelligenter Netze, die bei der Energiewende eine wichtige Rolle spielen sollen, oder auch die Innovationen auf dem Smartphone-Markt. Der technologische Fortschritt führe dazu, dass die Erstausbildung etwa im Ingenieurwesen nach 15 bis 20 Jahren völlig veraltet sei. Daher könnten bald Mid-Ager ein berufsbegleitendes Zweit- oder Ergänzungsstudium benötigen – und die passenden Finanzierung. Der Festo Bildungsfonds existiert seit dem Wintersemester 2007/2008. Für Peter Speck waren die vergangenen fünf Jahre erst der Anfang.

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