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Supermaster 2020 – Die Finalisten Das sind die 10 besten Masterarbeiten Deutschlands

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Wie lässt sich eine Bioökonomie erschaffen?

Die moderne Wirtschaft gründet auf endlichen Ressourcen. Auf fossilen Energieträgern wie Kohle, Öl und Gas. Auf mehr oder weniger seltenen Metallen und Mineralien, von Eisen bis Kobalt. Im Studiengang Bioökonomie an der Universität Hohenheim hat Sebastian Hinderer Alternativen zu diesem bestehenden System kennengelernt: Sie werden befeuert von Rohstoffen, die nachwachsen, und Energieträgern, die kaum zu erschöpfen sind.

Wie eine solche Bioökonomie in Zukunft aussehen könnte, dafür gibt es viele Ideen. Doch konkrete Wege, wie man sie erreichen kann, sind selten. Sebastian Hinderer hat in seiner Masterarbeit deshalb versucht, einen solchen Pfad vorzuzeichnen. Damit hat er es ins Finale des diesjährigen Supermaster-Wettbewerbs geschafft. 

Hinderers Thema ist dabei so vielschichtig, dass er sich für die Bearbeitung der Frage für die so genannte Delphi-Methode entschieden hat. Dabei befragen Forscher Experten des betreffenden Fachgebiets über mehrere Runden. Ziel ist es, im Verlauf der Umfrage einen Konsens unter den befragten Spezialisten herzustellen. Dazu erhalten die Teilnehmer nach jeder Umfragerunde Feedback über ihre eigenen und die Aussagen anderer, um gleichzeitig Meinungsaustausch zu ermöglichen und Anonymität sicherzustellen. 

Sebastian Hinderer hat in seiner Masterarbeit versucht, einen Pfad zur Bioökonomie vorzuzeichnen. Quelle: Privat

Meilensteine der Nachhaltigkeit

Sebastian Hinderer schrieb für seine Analyse 231 Bioökonomie-Experten aus 18 europäischen Ländern aus Start-ups, Firmen, Ministerien und der Wissenschaft an - „ganz altmodisch mit einem Brief“, wie er erzählt. Das sorgte zwar für mehr Aufmerksamkeit, so Hinderer, „es bedeutete aber auch, dass ich mehr als 200 Anschreiben handschriftlich unterzeichnen musste.“ Schließlich erklärten sich 50 Experten bereit zur Zusammenarbeit. 

Aus ihren ersten Antworten destillierte der Student eine Liste von 14 Meilensteinen auf dem Weg zur Bioökonomie. In den darauffolgenden drei Runden der Delphi-Studie sollten die Teilnehmer diese Meilensteine anhand ihrer Dringlichkeit sortieren und ihr Ranking begründen. Schließlich sollten sie die acht wichtigsten Schritte auf bestehende Abhängigkeiten und Einflüsse untereinander untersuchen. Auf Basis dieser Analyse modellierte Sebastian Hinderer dann einen möglichen Transformationspfad hin zur Bioökonomie.

Die demnach wichtigsten Meilensteine auf diesem Weg seien die Erstellung von Aktionsplänen und die Anpassung von Gesetzen und Standards. Für die Industrie wichtiger dürften die darauf folgenden Punkte sein: Biobasierte Produkte müssen wettbewerbsfähiger werden, in ihre Herstellung und Erforschung muss mehr investiert werden. 

Die Transformation hin zur Bioökonomie sei von vielen Faktoren beeinflusst, so Hinderers Fazit. In erster Linie sei die Politik gefragt, für die richtigen Rahmenbedingungen zu sorgen. „Es zeigt sich aber auch“, sagt Hinderer, „dass wir alle sowohl im beruflichen als auch privaten Umfeld Anknüpfungspunkte finden, um zu einem Gelingen dieser Transformation beitragen zu können.“

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