TIMSS-Studie Deutsche Grundschüler sind Mathe-Muffel

Fachkräfte mit mathematisch-naturwissenschaftlichem Hintergrund sind heiß begehrt. Doch die Deutschen tun sich mit Mathe und Physik eher schwer. Das geht schon in der Grundschule los.

Deutsche Grundschüler tun sich beim Rechnen schwer. Quelle: dpa

Wer eine Ausbildung oder ein Studium in einem mathematisch-naturwissenschaftlichen Fach absolviert hat, ist bei deutschen Unternehmen heiß begehrt. Chemikanten, Informatiker, Biologen und Physiker sind seltener arbeitslos, haben häufiger unbefristete Arbeitsverträge und arbeiten häufiger in Vollzeit und in leitenden Positionen as andere Fachrichtungen. Das zeigt der MINT-Frühjahrsreport 2016 des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

Auch im Geldbeutel lohnt sich eine entsprechende Ausbildung oder ein Studium: So stieg der durchschnittliche Monatslohn eines Akademikers mit einem Abschluss in einem MINT-Fach von 3.600 Euro im Jahr 2000 auf 5.100 Euro im Jahr 2013.

Zum Vergleich: Der Durchschnittsakademiker - vom Jurist über den Arzt bis zum Sonderpädagogen - verdiente im Jahr 2000 durchschnittlich 3.700 Euro brutto und im Jahr 2016 rund 4.600 Euro.

Das Problem: Mathe ist für viele ein Angstfach, Physik unverständlich, Chemie scheint keinen Realitätsbezug zu haben und Informatik findet an vielen Schulen wenn überhaupt nur als Projektfach statt. Das Resultat: Nicht nur Frauen haben keine Lust auf Tech-Jobs, auch Männer werden lieber Arzt, Anwalt oder Einzelhandelskaufmann - nur eben bitte nichts mit Technik. Verschiedene MINT-Förderprojekte und Initiativen versuchen, dem entgegenzuwirken. Damit das Bemühen Früchte trägt, muss das allerdings recht früh passieren, wie die aktuelle Bildungsstudie TIMSS zeigt.

Was kosten Eiswaffel und Eis am Stiel? - TIMSS-Testaufgaben 2015

Die Studie vergleicht den Kenntnisstand von Grundschülern weltweit. Und gerade beim Rechnen hapert es bei Deutschlands jüngsten Schülern. "Deutschlands Grundschüler haben besorgniserregende Probleme mit Mathematik", so das Fazit der jüngsten Lehrstandserhebung.

In Mathe liegen die Leistungen der deutschen Schüler unterhalb des EU-Durchschnitts. In den Naturwissenschaften blieben die Leistungen der 4000 deutschen Viertklässler zwar auf dem Niveau der Vorgängerstudie von 2011 - aber inzwischen nur noch knapp über dem EU-Wert. Den weltweiten Test-Mittelwert übertrifft Deutschland in beiden Fächern allerdings deutlich.

PISA, TIMSS, IQB, IGLU, VERA - Schulvergleichstests im Überblick

Nach den am Dienstag in Berlin vorgestellten Ergebnissen des 2015 durchgeführten Vergleichstests TIMSS erreichte fast jeder vierte deutsche Schüler in Mathematik nicht die dritte von fünf Kompetenzstufen. Weiterhin nur jeder Zwanzigste schaffte es auf die höchste Kompetenzstufe. Die Schulforscher empfehlen der deutschen Bildungspolitik die gezielte Unterstützung für leistungsschwache und auch herausragende Schüler, eine bessere Lehrerbildung und spezielle Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund.

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