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Tipps zum Studium in Coronazeiten Onlinestudium: Lernen auf eigenes Risiko

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Klausuren online schreiben: „Das System ist noch nicht ausgereift“

Wie vermeide ich Ablenkungen?
Wer einmal über längere Zeit von Zuhause aus gearbeitet hat, hat diese schmerzliche Erfahrung oft genug gemacht: In den eigenen vier Wänden ist die Wahrscheinlichkeit besonders groß, sich ablenken zu lassen. Auf Netflix kommt die neue Staffel der Lieblingsserie, die Fenster müssten mal wieder geputzt werden und im Kühlschrank liegt doch noch das Gemüse, das eigentlich mal gekocht werden will. Mir ging es ähnlich: Ich war mitten drin, ein sehr spannendes Buch zu lesen. Sich für die nächste Vorlesung zu entscheiden, statt zu erfahren, wer nun der Mörder ist, war eine große Herausforderung. 

Tim Reichel schlägt eine andere Methode vor, die ich noch nicht kannte: Eine Not-To-Do-Liste. Wer sich allzu schnell von Vorlesungen und Abschlussarbeiten ablenken lässt, der schreibt die größten Zeitfresser auf eine Liste und klebt sie an seinen Computerbildschirm oder an die Wand neben dem Arbeitsplatz. „Nicht das Buch lesen, bevor ich die Vorlesung bearbeitet habe“, könnte ein Beispiel sein. Durch solche Methoden ist die Wahrscheinlichkeit geringer, Ablenkungen zum Opfer zu fallen, so der Studienberater.

Wie kann ich Abschlussarbeiten meistern?
Das Coronavirus hat ausgerechnet in meinem letzten Uni-Semester zugeschlagen. Meine Bachelorarbeit stand kurz bevor, als die Pandemie Deutschland erreichte. Sie wurde zu einer großen Belastungsprobe. Ursprünglich vereinbarte ich mit dem Professor, der mich betreuen sollte, regelmäßig im persönlichen Gespräch über den aktuellen Stand zu sprechen. Das erste Treffen war am 21. Januar. Es sollte das letzte bleiben. Seitdem kam von ihm nie wieder ein Lebenszeichen. Auch auf unzählige Anrufe und E-Mails hin nicht. 

Für Tim Reichel ist das kein Einzelfall. „Durch das Onlinestudium ziehen sich viele Professoren zurück von den Betreuungspflichten“, sagt Reichel. Er hätte mir empfohlen, mich wieder von der Abschlussarbeit abzumelden und diese ein paar Monate später nachzuholen, wenn sich die Lage etwas erholt hat. Aber dafür gibt es keine Garantie. Ich hatte auch ohne die Unterstützung meines Professors weitergemacht. Mittlerweile habe ich die Bachelorarbeit abgegeben. Auf dem Deckblatt steht er zwar als Betreuer eingetragen. Eigentlich hätte dort aber mein eigener Name stehen müssen.

Welche Probleme drohen bei Klausuren?
Eine Sache hat sich auch im Corona-Semester nicht geändert: Um ein Studienmodul erfolgreich abzuschließen, müssen Studierende eine Prüfung bestehen. Eigentlich alles wie immer. Nur eben doch anders als üblich: In der Hochphase der Pandemie haben viele Universitäten ihre Klausuren so gestaltet, dass Studierende sie von Zuhause aus über das Internet absolvieren konnten. Weil der physische Zugriff fehlte, stieg natürlich die Sorge, dass vermehrt geschummelt werden könnte. 

Die Kontrollmechanismen, die sich die Hochschulen dazu haben einfallen lassen, waren sehr unterschiedlich. In manchen Fällen mussten sich Studierende durchgehend filmen und das Mikrofon des Rechners angeschaltet lassen, damit Täuschungsversuche sofort hör- und sichtbar sind. Bei Prüfungen ohne digitale Kontrolle war die Zeit so knapp bemessen, dass zum Betrügen gar keine Luft blieb. „Das System ist noch nicht ausgereift“, sagt Reichel. 


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Trotzdem ist der Studienberater überrascht, wie schnell viele Universitäten die digitalen Lehrinhalte bereitstellten und dass der Vorlesungsbetrieb im Lockdown nicht stoppen musste. Besonders die großen Universitäten wie die in Aachen, Berlin, München, Bochum, Köln und Münster sind dem Studienexperten positiv im Gedächtnis geblieben. Dennoch rechnet Reichel mit voraussichtlich steigenden Durchfallquoten im aktuellen Semester. Verantwortlich dafür sei aber nicht das Unvermögen der Studierenden, sondern die sogenannte Freiversuchsregelung. Eine nicht bestandene Klausur wird an vielen Universitäten aufgrund der Extremsituation nicht als Fehlversuch gewertet. Folglich würden viele die Klausuren nur zum Übungszweck nutzen – und sie im nächsten Semester wiederholen.

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