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Trotz guter Noten Jeder siebte Schüler nimmt Nachhilfe

Mehr als eine Million Schüler in Deutschland nimmt Nachhilfeunterricht, vor allem in Mathe oder Fremdsprachen. Der private Zusatzunterricht darf nicht zum Ersatz für mangelnde individuelle Förderung werden.

Was sich Eltern für die Zukunft ihrer Kinder wünschen
Anzugträger laufen um die Wette Quelle: dpa
Mann steht mit ausgebreiteten Armen vor blauem Himmel Quelle: Fotolia
Euro-Zeichen unter einer Lupe Quelle: imago
77 Prozent der Eltern würden ihr Kind für's Studium ins Ausland schicken Quelle: Fotolia
83 Prozent der Eltern haben bereits einen bestimmten Berufswunsch für ihr Kind im Kop Quelle: Fotolia
66 Prozent der Eltern haben sich bereits zur Ausbildung ihrer Kinder beraten lassen Quelle: Fotolia
Mindestens ein Bachelor-Abschluss muss es sein Quelle: dpa Picture-Alliance

Jeder siebte Schüler im Alter von 6 bis 16 Jahren nimmt einer Elternbefragung zufolge Nachhilfeunterricht. Das sind bundesweit 1,2 Millionen Schüler. Rund ein Drittel von ihnen setzt dabei auf zusätzliche Förderung, um befriedigende bis gute Leistungen weiter zu verbessern, so das Ergebnis einer repräsentativen Bertelsmann-Studie, die am Mittwoch in Gütersloh veröffentlicht wurde. „Wir sehen den deutlichen Trend, dass es nicht mehr nur darum geht, schulisches Scheitern abzuwenden“, sagte Bildungsforscher und Studienautor Prof. Klaus Klemm. Vielen Eltern gehe es offenbar darum, mit besseren Noten einerseits den Übergang von der Grundschule auf das Gymnasium leichter zu ermöglichen oder später mit guten Notendurchschnitten die Chancen auf Ausbildungsplatz- und freie Studienfachwahl zu verbessern.

Was wirklich hinter Lernmythen steckt
Bloß nicht mit den Fingern rechnen Quelle: Fotolia
Eine Lehrerin schreibt mit Kreide an die Tafel Quelle: dpa
Schüler mit dem Smartphone auf dem Schulhof Quelle: dpa
Fehler helfen beim LernenWer sich beim Lernen häufig verhaspelt und die Lösung raten muss, lernt trotzdem was. Eine kanadische Studie hat gezeigt, dass die Gedächtnisleistung sogar von den Fehlern profitiert. Dies gilt allerdings nur, wenn die Raterei nicht völlig ins Kraut schießt, sondern nur knapp an der richtigen Lösung vorbei ist. Wer häufig fast richtige Vermutungen anstellt, dem helfen diese wie kleine Brücken beim Erinnern an die korrekte Information. Diesen Vorteil konnten die Forscher sowohl bei jüngeren als auch bei älteren Probanden feststellen. Wer sich selbst herantastet, profitiert davon also mehr, als wenn ihm die richtige Antwort vorgesagt wird. Quelle: Fotolia
Texte wiederholt zu lesen, heißt viel zu lernen Quelle: dpa
Gelerntes erzählen, hilft es sich zu merken Quelle: AP
Hochbegabte sind LernüberfliegerWer einen ungewöhnlich hohen IQ hat, ist in der Schule noch lange kein Überflieger. Weil viele Hochbegabte in der Schule unterfordert sind, markieren sie den Klassenclown und bekommen entsprechend schlechte Noten. Quelle: Fotolia

61 Prozent der Nachhilfeschüler setzen auf Förderung im Fach Mathematik, gefolgt von Fremdsprachen (46 Prozent) und Deutsch (31 Prozent). Besonders ausgeprägt ist der Nachhilfebedarf laut Studie an weiterführenden Schulen, am häufigsten auf dem Gymnasium: Fast jeder fünfte Gymnasiast (18,7 Prozent) nutzt Nachhilfe.

Im Schnitt lassen sich die Familien den Zusatzunterricht monatlich 87 Euro kosten. Damit geben die Deutschen pro Jahr fast 879 Millionen Euro für Nachhilfe aus. Wie die Studie weiter zeigt, haben Einkommensunterschiede einen leichten Effekt auf die Entscheidung, Kinder zur Nachhilfe zu schicken: Schüler aus Familien mit einem Haushaltseinkommen über 3000 Euro nutzen die Angebote häufiger als Elternhäuser mit weniger Geld (14 Prozent zu rund 12 Prozent).

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Obwohl deutsche Schüler damit im internationalen Vergleich vergleichsweise wenig auf Zusatzunterricht angewiesen scheinen, sieht die Bertelsmann-Stiftung den Befund kritisch: Nachhilfe dürfe kein Ersatz für individuelle Förderung im Schulunterricht sein, teilte Stiftungsvorstand Jörg Dräger mit. „Bildungschancen dürfen nicht von privat finanzierter Nachhilfe abhängen“, mahnte Dräger. Insbesondere Ganztagsschulen zeigten sich als geeigneter Ort, wo schon jetzt zusätzliche individuelle Förderung Platz fände.

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