Uni-Ranking 2009 Karriere cum laude

Das Uni-Ranking 2009 der WirtschaftsWoche hat einen überragenden Sieger: die RWTH Aachen. Jubeln darf auch eine ostdeutsche Uni. Welche Hochschulen bei Personalchefs am beliebtesten sind und womit die Top-Unis punkten.

Eingangsbereich der RWTH Aachen Quelle: Laif/Andre Zelck

Wenn Ernst Schmachtenberg die Gardinen seines Büros zur Seite zieht, blickt er auf eine unscheinbare Seitenstraße. Schräg vor dem Fenster halten alle paar Minuten Busse, gegenüber fahren gelegentlich Autos vorbei. Nichts deutet darauf hin, dass Schmachtenberg von hier aus die Zukunft der vielleicht besten Uni Deutschlands plant: Der Zwei-Meter-Mann mit kräftigem Händedruck ist seit August 2008 Rektor der RWTH Aachen. Und in dieser Funktion in große Fußstapfen getreten.

Sein Vorgänger Burkhard Rauhut leitete die Hochschule neun Jahre lang. Er prägte dabei nicht nur das Bild der Aachener, sondern als Präsident der deutschen Hochschulrektorenkonferenz das der gesamten Uni-Landschaft. So jemand macht es seinem Nachfolger nicht leicht. Da kommen Schmachtenberg die guten Nachrichten gerade recht – auch wenn er das so nie zugeben würde.

Die Personalchefs der größten deutschen Unternehmen haben die RWTH Aachen im exklusiven Uni-Ranking von WirtschaftsWoche und „Junge Karriere“ in Zusammenarbeit mit der Beratungsgesellschaft Universum Communications und dem Personaldienstleister Access zur besten Hochschule des Landes gekürt.

Noch nie zuvor gab es einen solchen Erdrutschsieg. In fünf Kategorien landete die RWTH auf dem ersten Platz: Elektrotechnik, Informatik, Maschinenbau, Naturwissenschaften und Wirtschaftsingenieurwesen.

Was zeichnet die besten Hochschulen Deutschlands aus? Warum sind ihre Absolventen bei den Unternehmen so beliebt? Wo lohnt sich ein Studium am meisten?

Top-Unis meistern einen Spagat

Wer seinen Abschluss in der Tasche hat, will beste Chancen auf einen Arbeitsplatz haben. Dafür ist es unerheblich, wie viele Fachartikel die Wissenschaftler einer Uni in seriösen Fachpublikationen veröffentlichen oder wie angenehm das Studentenleben auf dem Campus ist.

Am Ende der Bewerbung entscheiden Personaler darüber, von welcher Uni die besten Absolventen kommen und von wo sie bevorzugt junge Talente rekrutieren. Was zählt, sind die Aktualität und Praxisrelevanz der gelehrten Inhalte, die Vernetzung mit der Wirtschaft, und natürlich die Reife der Absolventen.

Genau diese Kriterien berücksichtigt das Uni-Ranking der WirtschaftsWoche und zeigt damit, wo sich studieren wirklich lohnt und an welchen Hochschulen die Studiengebühren am besten angelegt sind.

Die Top-Unis meistern einen Spagat. Sie brauchen die Nähe zur Wirtschaft, um ihren Studenten Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern zu vermitteln, ohne dabei Forschung und Lehre zu vernachlässigen.

Aachen hat den richtigen Mittelweg gefunden. Studiengänge wie Informatik oder Elektrotechnik litten lange unter einem Klischee: Die Studenten sind fleißig und begabt, aber ihnen fehlt der Bezug zum wahren Leben. Geht es nach Rektor Schmachtenberg, gehört dieses Vorurteil bald der Vergangenheit an. Denn seine Studenten knüpfen schon früh Kontakt zur Industrie.

RWTH Aachen profitiert von hohen Budget

Welche Universitäten im Uni-Ranking am besten abschneiden

Seit August 2007 kooperiert die Hochschule mit dem benachbarten Forschungszentrum Jülich, unter anderem in den Bereichen Neurowissenschaften, Energie und Informationstechnologie. Natürlich kam der RWTH dabei zugute, dass sie im Oktober 2007 vom Wissenschaftsrat und der Deutschen Forschungsgemeinschaft als Elite-Uni ausgezeichnet wurde. Entsprechend üppig ist die Ausstattung: Die 11.000 Hochschul-Mitarbeiter verfügen über ein jährliches Budget von 908 Millionen Euro.

Doch auch die Geisteswissenschaften werden integriert. Um sie mit den Ingenieur- und Naturwissenschaften zu vernetzen, hat die Hochschule sieben gemeinsame Forschungsbereiche ins Leben gerufen. Themen sind unter anderem der Klimawandel oder die Stadt der Zukunft.

Schmachtenberg belässt es nicht bei diesen Forschungsprojekten – er will auch die Denkweise der Angestellten verändern. Damit das schneller geht, hat er einen Manager eingestellt, der den Wandel der Universität begleiten soll. Will der Rektor die unangenehmen Folgen der Reformen, die Ängste und Sorgen der Mitarbeiter, auf andere Schultern abladen?

Ganz und gar nicht, wiegelt Schmachtenberg ab. Natürlich sei es auch Teil seiner Aufgabe, den Mitarbeitern die Veränderungen schmackhaft zu machen: „Aber wenn der Rektor alles alleine machen will, funktioniert es nicht besser“, sagt er.

Informatik-Hörsaal der TU München Quelle: Laif/Tania Reinicke

Schmachtenberg weiß, dass an der Aachener Uni längst nicht alles perfekt ist. Die hohen Abbrecherquoten stören ihn besonders. Rund jeder vierte Ingenieurstudent an einer Universität bricht das Studium ab, hat das Hochschul-Informations-System herausgefunden. Im Maschinenbau und in der Elektrotechnik liegt die Quote sogar bei 53 Prozent.

Vielleicht sollte der Aachener Rektor sich einmal mit Hans Jürgen Prömel unterhalten. Der Präsident der TU Darmstadt kann sich ebenfalls über die Ergebnisse des Hochschulrankings freuen: In der Gesamtwertung liegt die Uni nach Punkten gleichauf mit Aachen, auch wenn die Hessen weniger Spitzenplätze ergattern. Um die Abbrecherquoten zu senken, hat die Uni vor einigen Jahren Bewerbungsgespräche eingeführt. Im Fach Maschinenbau muss ein Bewerber von den Professoren ein positives Feedback erhalten, sonst darf er sich nicht einschreiben.

Der Erfolg gibt Prömel recht: Nur sechs Prozent der Studierenden geben das Fach derzeit nach dem dritten Semester auf. 2003 waren es noch 20 Prozent.

Unis profitieren von Autonomie

Die TU Darmstadt profitiert vor allem von einem Gesetz des Bundeslandes Hessen: Seit 2005 ist sie probeweise die erste autonome Uni des Landes. Die TU kann nun Prüfungsordnungen und Gehälter selbst festlegen – normalerweise Sache der Landesregierung. Auch die Berufung von Professoren geht seitdem schneller, nach Aussage von Prömel um bis zu 30 Prozent. Jetzt besetzt er Lehrstühle schon mal innerhalb von drei Monaten neu: „Das wäre früher undenkbar gewesen.“

Ein weiterer Vorteil der Eigenständigkeit: Die Uni kann ihre Studenten selbst auswählen. Im aktuellen Hochschulranking schlägt sich das positiv nieder – Darmstadt landet in fünf Fächern auf dem Siegertreppchen.

Firmenlogo von Qimonda Quelle: AP

300 Kilometer weiter südlich schwärmt auch Wolfgang Herrmann von den Vorteilen der Eigenauslese. Die TU München sucht sich bereits in mehr als der Hälfte der Studiengänge die Studenten selbst aus. „Ein anstrengender Prozess“, sagt Uni-Präsident Herrmann. Doch der lohnt sich: Im Uni-Ranking erreicht die Hochschule in Elektrotechnik, Informatik, Naturwissenschaften und Wirtschaftsinformatik den zweiten Platz, in Maschinenbau landet sie auf dem dritten.

Aachen, Darmstadt, München – dass diese renommierten Hochschulen das Ranking anführen, wird keinen überraschen. Dass unter den Top 5 aber auch die TU Dresden ist, schon eher. Hermann Kokenge sieht das ähnlich.

Der 59-Jährige arbeitete früher einmal beim Grünflächenamt der Stadt Köln, seit 2003 ist er Rektor der TU. Er weiß, dass die Dresdener bisher nicht in einem Atemzug mit den besten Hochschulen Deutschlands genannt werden: „Ich habe manchmal den Eindruck, dass wir in China, Frankreich oder Amerika bekannter sind als in Westdeutschland“, sagt Kokenge.

Die Probleme von Qimonda sehen die Dresdener gelassen

Entsprechend sieht auch die Struktur der Studenten aus: 48 Prozent der aktuellen Erstsemester kommen aus Sachsen, nur 14 Prozent aus Westdeutschland. Deshalb rührt die PR-Abteilung der TU kräftig die Werbetrommel: Sie tritt beispielsweise an westdeutsche Gymnasien heran, um potenzielle Studenten auf sich aufmerksam zu machen. Zugleich weiß Kokenge, dass sich so ein Image nur durch jahrelange Arbeit verändert. Es ist ein ewiger Wettlauf.

Wichtiger ist ihm deshalb, dass zumindest die Unternehmen der Region um die Stärken der Uni wissen. Die Finanzkrise und die Probleme von „Silicon Saxony“ sieht er eher gelassen. Mit dem inzwischen insolventen Chiphersteller Qimonda hatte die Uni eine gemeinnützige GmbH ins Leben gerufen, um im Bereich Halbleitertechnologie zu forschen.

Die Labore werden jedoch nicht geschlossen, da die Hochschule das Projekt mit Unterstützung des Landes Sachsen weiter betreibt. Auch die neuen Besitzer der Fabrik des Chipherstellers AMD haben bereits signalisiert, weiterhin zusammenarbeiten zu wollen.

Neue Forschungszweige und Labore, Kooperationen mit der Wirtschaft, mehr Auswahl – die deutschen Top-Unis sind für die Zukunft gerüstet. Doch was haben die Studierenden davon? Für Wolfgang Herrmann ist die Antwort eine einfache Gleichung: Elite-Uni gleich bessere Dozenten plus bessere Forschung und Lehre. Macht unterm Strich: Absolventen mit besseren Jobchancen.

Als Beleg nennt er eine Umfrage des Ehemaligen-Vereins der TU. Dieser wollte wissen, wie die Alumni rückblickend ihr Studium bewerten. Ergebnis: Über 90 Prozent der Absolventen würden ihre Kinder auf die TU schicken – „das sagt doch alles“, findet Herrmann.

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