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Uni-Ranking 2010 Deutschlands beste Unis aus Personalchef-Sicht

Die RWTH Aachen und die TU Darmstadt sind die beliebtesten Hochschulen deutscher Personalchefs. Zu diesem Ergebnis kommt das exklusive Uni-Ranking der WirtschaftsWoche.

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Montage: Hauptgebäude und Hörsaal der RWTH Aachen Quelle: dpa, wiwo.de

Es gibt verschiedene Arten, die Zeit nach dem Abitur zu nutzen. Die einen feiern im Freundeskreis auf Mallorca, andere machen ein Praktikum bei einem lokalen Betrieb oder bessern ihr Konto durch Kellnern auf. Alles legitim und löblich. In diesem Jahr jedoch haben frischgebackene Abiturienten eine alternative Beschäftigung für die Phase zwischen Schulende und Studiumsbeginn entdeckt: demonstrieren.

Vor einigen Wochen protestierten in Nordrhein-Westfalen etwa 10.000 zukünftige und aktuelle Studenten. Allein in Köln waren es knapp 4000 Demonstranten, in Düsseldorf zählte die Polizei 3000 Teilnehmer. Deren Hauptanliegen: Weg mit den Studiengebühren. „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut“, stand auf einem Plakat.

Die rege Teilnahme an den Kundgebungen sagt viel darüber aus, wie die heutige Generation von Abiturienten tickt. Wo viel Zukunft, da ist immer auch viel Unsicherheit.

Knapp 9000 Studiengänge

Methode Uni-Ranking

Die Forscher des Hochschul-Informations-Systems (HIS) aus Hannover veröffentlichten im Februar eine Befragung von knapp 30.000 Schülern kurz vor dem Schulabschluss. Ergebnis: Nur ein Viertel weiß ausreichend über mögliche Studienmöglichkeiten Bescheid. Jeder Dritte ist hingegen „eher unzureichend“ informiert. 40 Prozent gaben zu, mit der Vielzahl der Möglichkeiten schlicht überfordert zu sein. Kein Wunder: 410 Hochschulen gibt es in Deutschland, die insgesamt knapp 9000 Studiengänge im Angebot haben.

Welches Fach ist das richtige? Welche Uni die angesehenste? Welche Fähigkeit die wichtigste? All diesen Fragen widmet sich das exklusive Uni-Ranking der WirtschaftsWoche in Zusammenarbeit mit der Beratungsgesellschaft Universum Communications und dem Personaldienstleister Access. 534 Personalchefs von deutschen Unternehmen füllten dafür einen umfangreichen Fragebogen aus (siehe Kasten).

RWTH und TU Darmstadt siegen erneut

Fachhochschulen

An der Spitze hat sich im Vergleich zum Vorjahr nichts geändert: Wieder teilen sich zwei Hochschulen den ersten Platz in der Gesamtwertung – die Sieger heißen erneut RWTH Aachen und TU Darmstadt. Aachen landete in vier Kategorien auf dem ersten Platz: Elektrotechnik, Maschinenbau, Naturwissenschaften und Wirtschaftsingenieurwesen. Allein im Fach Informatik musste die RWTH sich mit dem zweiten Platz begnügen – dort lag das Karlsruher Institut für Technologie vorne, der Zusammenschluss der ehemaligen Universität mit dem örtlichen Forschungszentrum.

Diese Silbermedaille empfindet Ernst Schmachtenberg als zusätzlichen Ansporn. Der 58-Jährige ist seit August 2008 Rektor der RWTH Aachen. Insgesamt ist er mit dem Abschneiden seiner Uni sehr zufrieden, den zweiten Platz in Informatik kann er locker verkraften. Seinem Karlsruher Kollegen Horst Hippler wird er zum Sieg im Bereich Informatik auf jeden Fall persönlich gratulieren.

Kooperation trotz Konkurrenz

Gesamtwertung Uni-Ranking

Solche friedlichen Töne sind inzwischen normal. Selbst wenn die Hochschulen Konkurrenten sind, arbeiten sie in zahlreichen Projekten zusammen. Ernst Schmachtenberg vergleicht den Umgang der Rektoren untereinander am liebsten mit dem Fußballgeschäft: „Wenn es um die Belange der Bundesliga geht, raufen sich Bayern und Schalke doch auch zusammen.“

Zum Beispiel im Ingenieurwesen. Schmachtenberg ist Präsident eines Zusammenschlusses der führenden technischen Universitäten, kurz „TU 9“. Gemeinsam kämpfen sie vor allem für ein Ziel: die Rettung des Diplom-Ingenieurs.

Nach einem Beschluss der Kultusministerkonferenz dürfen die deutschen Universitäten diesen traditionsreichen Abschluss nicht mehr verleihen – im Zuge der Master-Einführung soll er verschwinden. Uni-Vertreter wie Schmachtenberg empfinden das als Skandal. Der Abschluss besitze „weltweite Strahlkraft, die man nicht einfach so wegwerfen darf“. Vor allem erzürnt ihn, dass österreichische Universitäten Master-Abschlüsse auch weiterhin als „Diplom-Ingenieur“ deklarieren dürfen.

Diese Autonomie fordern nun auch die TU 9, an denen insgesamt 204.000 Studenten eingeschrieben sind – immerhin 47 Prozent aller angehenden Ingenieure in Deutschland. Eine Entscheidung steht noch aus.

Zu dem Hochschulverbund gehört auch die TU Darmstadt, deren Verantwortliche mit dem Uni-Ranking ebenfalls zufrieden sein können. Im Fach Wirtschaftsinformatik rangiert die Einrichtung auf dem ersten Platz, in Elektrotechnik auf Platz zwei, in Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen auf dem dritten Rang.

Erhöhter Praxisanteil

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor dabei war: TU-Präsident Hans Jürgen Prömel gelingt die Umstellung auf den Bachelor im Vergleich zu anderen Unis relativ reibungslos. Noch vor einigen Jahren brach jeder zweite Student das Maschinenbaustudium ab. Dann überarbeitete die Fakultät den Studiengang und erhöhte den Praxisanteil. 

Wer sich heute für das Fach an der hessischen Hochschule einschreibt, beginnt das Studium mit einer Projektarbeit. Dort beschäftigen sich Erstsemester in fächerübergreifenden Gruppen beispielsweise mit der Frage, ob illegale Schlafmohnfelder in Afghanistan ferngesteuert zerstört werden könnten oder wie eine Anlage für Meerwasserentsalzung in Namibia möglich würde.

Was Personalchefs als K.-o.-Kriterium empfinden

Die Uni legte den Fokus der Lehre nicht mehr bloß darauf, was die Professoren den Studenten beibringen wollen – sondern was die Absolventen in Zukunft können müssen. Die Änderungen kommen gut an: Die Abbrecherquote in den ingenieurwissenschaftlichen Fächern in Darmstadt ist inzwischen auf etwa zehn Prozent gesunken.

Auch ein Auslandsaufenthalt wurde fest ins Studium integriert. Damit steuert TU-Präsident Prömel einem Trend entgegen – denn Auslandsaufenthalte werden für die Akademiker von morgen aus Zeitgründen immer schwieriger.

Schon heute verzichten drei Viertel aller Studierenden auf den Gang in fremde Länder, fanden die HIS-Forscher in der Studie „Internationale Mobilität“ heraus. Dabei ist Auslandserfahrung so wichtig – jeder dritte Personaler gab im Uni-Ranking an, darauf Wert zu legen (siehe Grafik). Am ehesten raten die Verantwortlichen zu einem Auslandsaufenthalt in den USA oder Asien. Noch immer können Bewerber sich durch den Gang ins Ausland von der Masse absetzen – zumal die Konkurrenz wächst.

43 Prozent eines Geburtsjahrgangs besuchen heute bereits eine Hochschule. Durch den Wegfall des 13. Schuljahres werden die Hochschulen demnächst von Bewerbern überrannt. Die Kultusministerkonferenz rechnet durch die Schulreform in den kommenden zehn Jahren mit über 1,1 Millionen zusätzlichen Studienberechtigten.

Bachelor bleibt unbeliebt

Abschlüsse

Schon heute ist die Zahl der Erstsemester auf Rekordniveau: 603.309 saßen im vergangenen Oktober erstmals in Vorlesungen und Seminaren. Zum Vergleich: 2007 waren es 492.000.

75 Prozent aller Erstsemester immatrikulieren sich mittlerweile für ein Bachelor-Studium, ergab eine Erhebung der Hochschulrektorenkonferenz. Die Personaler halten von den neuen Abschlüssen offenbar immer noch nicht allzu viel. Einzig in VWL und Wirtschaftsinformatik bevorzugen sie einen Master. Wer sich bereits mit einem Bachelor auf Jobsuche begibt, dürfte es hingegen schwer haben.

Worauf Personalchefs bei Bewerbern achten

Die Unternehmen können derzeit aus einer Fülle von Bewerbern die besten herauspicken. Entsprechend düster sind die Perspektiven: 49,4 Prozent der Personalchefs bewerten die aktuellen Jobaussichten als mittelmäßig. 2007 fanden sie noch 80,7 Prozent sehr gut oder eher gut. 2008 waren es sogar 93,6 Prozent.

Einzig Ingenieure brauchen sich kaum Sorgen zu machen. Im Februar gab es 26.000 mehr offene Stellen als arbeitslose Ingenieure. Hinzu kommt: In jedem fünften Unternehmen werden bis zum Jahr 2015 Ingenieure in Rente gehen, fand der Verein Deutscher Ingenieure kürzlich in einer Umfrage heraus.

Da ist es nur ein kleiner Trost, dass Personalern weiterhin die Persönlichkeit des Bewerbers mit 87 Prozent am wichtigsten ist, weit abgeschlagen vor Praxiserfahrung und sehr guten Englischkenntnissen. Größtes K.-o.-Kriterium für die Einstellung sind allerdings fehlende Soft Skills mit 57,4 Prozent.

Staatlich oder Privat?

Privathochschulen

Die Grenze zwischen privaten und staatlichen Hochschulen verwischt derweil weiter. Zwar waren im Wintersemester von den insgesamt 2,1 Millionen Studierenden in Deutschland nur 96.100 an einer privaten Hochschule eingeschrieben, ein Anteil von 4,5 Prozent. Allerdings ist die Tendenz steigend – im Wintersemester 2000 lag der Anteil noch bei 1,4 Prozent.

Etwa jeder zweite Befragte des Uni-Rankings sieht die Privaten bereits gleichauf. 2008 sagten das 37,3 Prozent, im Jahr 2007 sogar nur 28 Prozent. Allerdings fehlt es offenbar ausgerechnet den Absolventen privater Hochschulen an Eigenständigkeit. Jeder dritte Befragte findet, dass staatliche Hochschulen selbstständigere Absolventen hervorbringen.

Es muss ja auch nicht immer das Studium an einer Elite-Uni sein. Auch andere Hochschulen, die weniger Strahlkraft besitzen, bieten ihren Studierenden exzellente Bedingungen – teilweise sogar bessere als die Spitzen-Unis.

RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg ist sich dessen bewusst. Er ist derzeit viel außerhalb seines Büros unterwegs, um auf Podien und Demonstrationen mit mehr oder minder aufgebrachten Studenten zu diskutieren. Das ist ihm lieber als wenn die sich gar nicht für die Belange ihrer Hochschule interessieren würden. Gerne weist er in den Gesprächen darauf hin, dass ein Studium immer noch die beste Versicherung gegen Erwerbslosigkeit ist. Derzeit liegt die Arbeitslosenquote von Hochschulabsolventen bei etwa sechs Prozent – rund drei Prozentpunkte unter der allgemeinen Quote.

Die Wissenschaftler des HIS fragten vor einigen Monaten einen Absolventenjahrgang zehn Jahre nach dem Abschluss zu seiner momentanen Lage. 90 Prozent sagten, dass sie heute wieder studieren würden. Nur fünf Prozent empfanden das Studium für ihren heutigen Beruf unbedeutend.

Wer weiß, womöglich sehen die protestierenden Abiturienten von heute das eines Tages genau so.

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