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Unistart Wenn Mama und Papa beim Studieren helfen

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Studenten werden immer jünger

Papierkram für Erstsemester
Eine Steuererklärung Quelle: dpa
Eine erkältete junge Frau Quelle: dpa
Füße vor einem Fernseher Quelle: dpa
Eine Studentin wohnt in einem Schaufenster Quelle: dpa
Ein Student bei seinem Nebenjob Quelle: AP
Ein Fahrrad wird geklaut Quelle: dpa

"Mit 18 Jahren sind viele noch nicht so selbstständig wie mit 20 Jahren und wünschen sich die Unterstützung der Eltern", bestätigt Florian Reß, Studienberater an der Universität Augsburg.

Was soll ich studieren? Was muss in einem Mietvertrag drinstehen? Wie muss ich mich versichern? Was kann ich von der Steuer absetzen? Alles Fragen, mit denen sich die Generation G8 an ihre Eltern wendet.

Der Grund für diese Entwicklung: Weil die Gymnasialzeit im vergangenen Jahr in Bayern und Niedersachsen und in diesem Jahr in Baden-Württemberg von neun auf acht Jahre verkürzt wurde, werden Studienanfänger immer jünger und damit unerfahrener. Ein Trend, der sich fortsetzen wird, wenn im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen 2013 zwei Jahrgänge gleichzeitig das Abitur ablegen. Dann wird auch dort ein Großteil der Schulabgänger 18 Jahre oder jünger sein. In Hamburg etwa hat sich die Zahl der 18-jährigen Absolventen von 327 im Schuljahr 2008/09 dank G8 auf 3464 nur zwei Jahre später verzehnfacht (siehe Grafik).

Keine Chance zur Selbständigkeit

Bei männlichen Abiturienten kommt mit dem Wegfall der Wehrpflicht und des Zivildienstes ein zusätzliches Problem hinzu. "In dieser Phase nach dem Abitur haben früher viele Jungs an Selbstständigkeit hinzugewonnen", sagt Denis Buss. Schulen rennen dem Leiter der Studienberatung bei Einstieg, einem Kölner Beratungsunternehmen für Schulabgänger, derzeit die Türen ein, buchen immer häufiger Elterninfoabende bei ihm.

Und auch einige Hochschulen bieten seit Neustem gezielt Beratungen und Infoveranstaltungen für Eltern an. Die Universität Duisburg-Essen zum Beispiel lädt seit März zur Elternsprechstunde ein. Wegen der großen Nachfrage wird das Angebot gerade auf zwei Termine im Quartal ausgebaut. Auch zur regulären Studienberatung begleiten Eltern heutzutage ihre Kinder oder kommen sogar ganz ohne ihre Zöglinge.

In welchen Konstellationen auch immer Mutter und Vater mit Sohn oder Tochter dort auftauchen, die Themen sind stets die gleichen: Welchen Abiturschnitt brauchen die Kinder für dieses oder jenes Studium? Was können sie mit dem jeweiligen Abschluss anfangen? Wie sind Bachelor- und Masterstudiengänge konzipiert?

Personaler halten Bewerber für zu jung

Fragen, die sich Marc-Philipp Kern aus Nohfelden im Saarland von selbst nicht stellte, als er 2010 ein Jahr vor dem Abitur stand – mit gerade mal 16 Jahren. Schon damals riet seine Mutter ihm, sich nach einem passenden Studiengang umzuschauen. Also bewarb sich Kern junior beim Mineralölkonzern BP um ein duales Studium als Wirtschaftsingenieur und wurde, obwohl er noch keinen Abschluss hatte, zum Auswahltag nach Hamburg eingeladen. Aus dem Vorstellungsgespräch wurde ein Familienausflug, denn seine Mutter Anna-Maria Kern-Vaccaro wollte ihren minderjährigen Sohn auf keinen Fall alleine in die Großstadt im weiten Norden reisen lassen. Trotz familiärer Unterstützung klappte es mit dem dualen Studium bei BP nicht – die Personaler hielten den angehenden Abiturienten für zu jung.

Im Juni 2011 machte Kern schließlich seinen Abschluss, mit 17. Zwei Praktika folgten, bis er sich Anfang 2012 entschied, Wirtschaftswissenschaften an der Frankfurter Goethe-Universität zu studieren. Auch diesmal war seine Mutter wichtigste Ansprechpartnerin. "Sie hat mir vor allem zugehört und die richtigen Fragen gestellt, damit ich selbst noch mal nachdenke", sagt er. Das Motto seiner Mutter: "Misch dich nicht zu sehr ein, und lass deine Kinder selbst entscheiden."

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