WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Unistart Wenn Mama und Papa beim Studieren helfen

Acht Jahre Gymnasium, kein Wehrdienst: Studienanfänger werden immer jünger - und sind mit der selbständigen Organisation des Studiums oft überfordert. Wie Eltern angehenden Studenten helfen können – und müssen.

Wie schwierig wird die Wohnungssuche?
DarmstadtIn Darmstadt ist die Wohnungssuche für Studierende besonders schwierig. Nur in Hamburg, München und Frankfurt ist der studentische Wohnungsmarkt noch angespannter. Mehr als 38.000 Studenten stehen weniger als 3000 öffentliche Wohnheimplätze zur Verfügung. Der Rest muss sich also am regulären Wohnungsmarkt umgucken. Allerdings gibt es kaum freie Wohnungen. Zudem  sind diese meist mit durchschnittlich 8,50 Euro pro Quadratmeter sehr teuer. Da die Bevölkerung in der südhessischen Stadt in den nächsten Jahren wachsen dürfte, wird die Wohnsituation angespannt bleiben. Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Blick auf Erlangen Quelle: GNU
Die Porta Nigra in Trier Quelle: dpa/dpaweb
Zwei Frauen sonnen sich am Donauufer in Regensburg Quelle: dpa
Konstanz Quelle: AlterVista
Das Babelsberger Schloss in Potsdam Quelle: dapd
Blick auf das Neue Schloss (l) und den Campusbereich Zeughaus der Justus-Liebeig-Universität in Gießen Quelle: dpa

Das Abitur zu machen war für Anncristin Schlothauer kein Problem. Sich an der Universität Hamburg für Kunstgeschichte einzuschreiben dagegen schon: Natasha Schlothauer lautet die Unterschrift, die auf dem Immatrikulationsantrag prangte. Natasha ist Anncristins Mutter – und die musste dieses Schriftstück für ihre Tochter genauso unterschreiben wie deren Antrag auf einen Ausweis für die Universitätsbibliothek. Selbst Anncristins Handyvertrag läuft über sie. Und auch Autofahren darf die angehende Studentin demnächst nur, wenn ihre Mutter oder ihr Stiefvater auf dem Beifahrersitz Platz nehmen.

Der Grund: Die Abiturientin aus Bremen ist erst 17 Jahre alt und damit zwar offiziell für ein Hochschulstudium zugelassen. Aber deswegen noch lange nicht uneingeschränkt selbstständig. Mutter Natasha muss Verträge für sie unterschreiben, hat für die Studentin die Aufsichtspflicht. Bis Mai 2013, wenn Anncristin 18 wird, bleibt das so. Die angehende Akademikerin ist dann im zweiten Semester.

Unselbständige Studienanfänger

Die Universität Hamburg und auch andere Hochschulen versichern zwar, Minderjährige durch eine Einwilligungserklärung der Erziehungsberechtigten genauso behandeln zu können wie volljährige Studenten. Doch Natasha Schlothauer bezweifelt, dass diese Lösung für alle Situationen an der Hochschule greift – schon aus juristischen Gründen. "Ich bin gespannt, welches Formular ich als nächstes unterschreiben muss", sagt die 48-Jährige.

Spätestens wenn Tochter Anncristin nach Hamburg zieht, muss sie den Kugelschreiber noch mal zücken oder sogar persönlich von Bremen nach Hamburg fahren, um den Mietvertrag zu unterschreiben. Bis es so weit ist, pendelt Tochter Anncristin zwischen den Hansestädten. "Ob ich morgens zur Schule oder zur Uni fahre, ist doch egal", sagt die angehende Studentin. "Außerdem muss ich so meine Wäsche nicht selbst waschen oder einkaufen gehen."

Sätze, die früheren Studentengenerationen nicht so selbstverständlich über die Lippen gegangen wären. Galt doch der Studienstart jahrzehntelang als das Symbol für Freiheit und Startschuss für den Aufbruch in ein selbstbestimmtes Leben, in dem sie niemandem mehr über Tun und Lassen Rechenschaft ablegen mussten.

Kinder zweifeln an ihrer Reife

Natürlich – auch früher ließen es sich Studenten gefallen, wenn der elterliche Scheck pünktlich auf dem Konto landete. Doch heute hängen Studienanfänger mehr denn je am Rockzipfel ihrer Eltern. Nicht nur in finanzieller Hinsicht, wenn es etwa darum geht, die Miete zu bezahlen, die Studiengebühren zu übernehmen oder das Taschengeld zu erhöhen, damit sich die frischgebackenen Studiosi den neuen Laptop leisten können. Heute nehmen Erstsemester Mama und Papa ganz selbstverständlich mit zur Wohnungsbesichtigung, selbst zur Studienberatung kommen sie mit Begleitschutz.

"Die Kinder selbst sind oft diejenigen, die an ihrer Reife zweifeln, um ein Studium zu beginnen", sagt Regine Schwarzhoff, Vorsitzende des Elternvereins Nordrhein-Westfalen.

Dass die Hilfe der Eltern von den Erstsemestern ausdrücklich erwünscht ist, zeigt auch eine Veröffentlichung des Hochschul-Informations-Systems von Anfang 2012: Demnach fühlen sich über die Hälfte der Studenten von ihren Eltern während des Studiums stark unterstützt. Sie sind nach dem Freund oder der Freundin die wichtigsten Ansprechpartner.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%