Universität Hamburg "Eltern sollten sich bei der Studienwahl einmischen"

Die Uni Hamburg lädt zum Elternabend. Ist das nicht zu viel der Behütung? Ein Psychologe der Hochschule erklärt, warum zu viel Freiheit Abiturienten unglücklich macht.

Die Uni Hamburg lädt zum Elternabend. Quelle: dpa

ZEIT ONLINE: Herr Hoffmann, einen Elternabend kennt man eigentlich aus Schulzeiten, nun haben Sie an der Uni Hamburg zu einem eingeladen. Wie sind Sie denn auf diese Idee gekommen?

Ronald Hoffmann: Unser Präsident hat nachgefragt, welche Angebote wir für Eltern haben. Da habe ich vorgeschlagen, ähnlich wie es das bereits an einigen Hochschulen gibt, einen Elternabend zu veranstalten. Wir wollten Erfahrungen sammeln, wie engagiert die Eltern sind, ob sie tatsächlich kommen und welche Fragen sie haben. Das ist sicherlich auch Teil eines Hochschulmarketings, die Unis bewerben letztlich im Konkurrenzkampf um die Studierenden auch deren Eltern.

Elternabend klingt erst einmal nach Helikoptereltern. Sollten junge Menschen nicht gerade an der Uni Selbstständigkeit lernen?

Besser: Wir haben uns zuerst auch gefragt, weshalb Eltern etwas über die Universität wissen wollen würden. Ich hatte aber nicht den Eindruck, dass sie fürchterlich besorgt waren oder versuchen wollten, das eigene Kind ins Trockene zu bringen.

Was wirklich hinter Lernmythen steckt
Bloß nicht mit den Fingern rechnen Quelle: Fotolia
Eine Lehrerin schreibt mit Kreide an die Tafel Quelle: dpa
Schüler mit dem Smartphone auf dem Schulhof Quelle: dpa
Fehler helfen beim LernenWer sich beim Lernen häufig verhaspelt und die Lösung raten muss, lernt trotzdem was. Eine kanadische Studie hat gezeigt, dass die Gedächtnisleistung sogar von den Fehlern profitiert. Dies gilt allerdings nur, wenn die Raterei nicht völlig ins Kraut schießt, sondern nur knapp an der richtigen Lösung vorbei ist. Wer häufig fast richtige Vermutungen anstellt, dem helfen diese wie kleine Brücken beim Erinnern an die korrekte Information. Diesen Vorteil konnten die Forscher sowohl bei jüngeren als auch bei älteren Probanden feststellen. Wer sich selbst herantastet, profitiert davon also mehr, als wenn ihm die richtige Antwort vorgesagt wird. Quelle: Fotolia
Texte wiederholt zu lesen, heißt viel zu lernen Quelle: dpa
Gelerntes erzählen, hilft es sich zu merken Quelle: AP
Hochbegabte sind LernüberfliegerWer einen ungewöhnlich hohen IQ hat, ist in der Schule noch lange kein Überflieger. Weil viele Hochbegabte in der Schule unterfordert sind, markieren sie den Klassenclown und bekommen entsprechend schlechte Noten. Quelle: Fotolia

Worum ging es dann?

Die Eltern wollten einfach verstehen, wie eine Uni funktioniert. Was ist ein Credit? Was ist eine Modulprüfung? Hat man einen Masterplatz sicher? Ich hatte nicht den Eindruck, dass eine große Angst dahintersteckt. Es ist einfach eine Situation, die Sorge bereitet und deshalb haben Eltern versucht, Informationen zu bekommen, um gelassener zu sein.

Früher haben Eltern so etwas doch auch nicht gebraucht.

Die Studierenden werden immer jünger. Einmal durch den Wegfall des 13. Schuljahres und dann durch die Abschaffung der Wehrpflicht. Und die letzte Studie von Shell zeigt, dass sich das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern verändert zu haben scheint. Jugendliche sehen Eltern nach der Studie als ganz wichtige Berater, wenn es um Bildungsentscheidungen geht.


Aber wollen junge Menschen in dem Alter nicht unabhängig von ihren Eltern sein?

Ein No-Go ist natürlich, zu sagen, ich studiere das, weil meine Eltern das wollten. Es ist auch nicht mehr modern zu sagen, "solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst". Aber junge Menschen sagen: Meine Eltern unterstützen mich relativ unabhängig davon, wofür ich mich entscheide und was ich studieren möchte.

Und wie sieht diese Unterstützung aus?

Hoffmann: Wir haben am Abend Werbung dafür gemacht, dass Eltern deutlich Position beziehen. Sie könnten ihren Kinder zum Beispiel sagen: "Dass du auf Lehramt studieren möchtest, das wundert mich. Du hast dich nie für Kinder interessiert, eher am Computer gebastelt. Ich dachte immer, du studierst Informatik." So etwas entlastet Eltern.

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