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Universitäten Cottbuser Informatiker für die Welt

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„Ich weiß genau, was die Cottbusser können“

Prescher entschied sich für Intel und ging in die USA. Wenn er über seine Motive erzählt, wird klar, weshalb Unternehmen aus der Region im War for Talents gegen die Tech-Giganten die Waffen fehlen. Intel sind die Informatik-Absolventen nämlich so viel wert, dass sie ihnen ein Angebot erstellen, dass die kaum ablehnen können, Prämien für Umzüge in die USA, Hilfe bei der Relocation und auf Wunsch veräußert Intel auch die eigene Immobilie in Deutschland. „In der Region Cottbus gibt es bisher zu wenige attraktive Arbeitgeber für Absolventen“, räumt Lewerentz ein. Die Technische Universität sollte Anfang der 90er ein Impuls sein – ein Impuls für die Hochschullandschaft des Ostens, die Attraktivität des Standorts ist jedoch ausbaufähig. Die Universität hat es immerhin geschafft, ein paar Unternehmen anzuziehen.

Ein Beispiel ist das Unternehmen Philotech aus München. Es hat 2006 in Cottbus einen Standort aufgebaut, um das Potenzial der btu-Absolventen zu nutzen. Und das hat geklappt. Mehr als die Hälfte der Mitarbeiter haben an der btu in Cottbus studiert. Der Ingenieurdienstleister für Luftfahrt und Mobilbau kann sie alle brauchen: Elektrotechniker wie Maschinenbauer. Und Philotech will sie am liebsten alle haben, besonders die Informatiker.

Im Jahr 2017 haben jedoch nur fünf Studenten ihre Urkunde als M.Sc. Informatik überreicht bekommen. Drei von ihnen sind zu Amazon gegangen, einer zu SAP. „Ein Großteil der Studenten wird direkt von der Uni weg rekrutiert“, sagt Daniel Scheibler von Philotech. Seit eineinhalb Jahren kann die Universität den Mitarbeiterbedarf von Philotech und anderen Unternehmen vor Ort nicht mehr decken. „Wir setzen gern auf die sogenannten Heimkehrer, die mit viel IT-Berufserfahrung zurück in die Lausitz kehren“, sagt Steffen Jurk vom Energieversorger LEAG. Er hat selbst an der btu Cottbus studiert und in Cottbus eine Familie gegründet. Er schätzt die kleine Stadt und hofft, dass künftige Absolventen der btu das auch tun und in sein Unternehmen kommen.

Das sind Deutschlands beste Unis
Das RankingFast 19.000 Studiengänge an knapp 400 Hochschulen gibt es in Deutschland. Bei so viel Auswahl tauchen schnell Fragen auf: Welche Uni oder Fachhochschule ist die beste? Welche verschafft mir den besten Start in die Karriere? Orientierung bietet dabei das exklusive Hochschulranking der WirtschaftsWoche. Mehr als 500 Personalverantwortliche fragte der Personaldienstleister Universum Global danach, von welchen Universitäten sie in verschiedenen Fächern am liebsten Absolventen rekrutieren. Die Top-Unis in den Bereichen BWL, VWL, Wirtschaftsingenieurwesen, Wirtschaftsinformatik, Maschinenbau, Elektrotechnik, Informatik und Naturwissenschaften im Überblick. Das große WirtschaftsWoche-Hochschulranking 2018 mit allen Ergebnissen für Universitäten und Fachhochschulen finden Sie hier. Quelle: dpa
RWTH Aachen Quelle: RWTH Aachen/Peter Winandy
RWTH Aachen Quelle: dpa
RWTH Aachen Quelle: RWTH Aachen/Peter Winandy
Ludwig-Maximilians-Universität München Quelle: imago images
LMU München Quelle: LMU/Jan Greune
Uni Mannheim Quelle: Universität Mannheim/Norbert Bach

Thomas Prescher bemüht sich heute persönlich um zukünftige Mitarbeiter. Nach seiner Karriere bei Intel ist Prescher zu einem Unternehmen für Internetsicherheit, Fireeye in Kalifornien, gewechselt. Mittlerweile hat er sein eigenes Unternehmen Cyberus Technology. „Rekrutiere ich Studenten aus Cottbus, weiß ich genau, was sie können und gelernt haben, weil ich die Vorlesungen selbst mitgemacht habe“, sagt der Software-Architekt. Er versucht Studenten, die kurz vor dem Abschluss stehen, von einem Praktikum zu überzeugen oder ihre Masterarbeit in seinem Unternehmen zu schreiben – inklusive Bezahlung. „Das ist mein Lieblingsweg, neue Leute zu bekommen“, sagt er. Er nutzt, dass er die Wege zu den Räumen kennt, in denen die Informatik-Studenten sich treffen. Manchmal komme er zurück nach Cottbus um Vorträge über Betriebssysteme zu halten. „Dann setze ich mich dort gern einfach mal zu den Studenten und spreche Sie direkt an.“ Wenn Thomas Prescher einen Mitarbeiter gewinnt, hat er Amazon, Google und SAP ein Talent weggeschnappt. Verlierer bleibt Cottbus: Cyberus Technology sitzt in Dresden.

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