Urteil in Österreich Schadenersatz wegen überfüllter Uni

Weil er sein Studium wegen überfüllter Hörsäle nicht zeitig abschließen konnte, klagte ein Medizin-Student in Österreich auf Schadenersatz. Jetzt muss die Uni zahlen.

Das sind die besten deutschen Unis
Rang 1: Universität von Oxford Quelle: Creative Commons/Bill Tyne
Platz zehn: Uni Bonn Quelle: Universität Bonn, Dr. Thomas Mauersberg
Platz neun: Universität in Tübingen Quelle: dpa
Platz acht: Technische Uni Berlin Quelle: dpa
Platz sieben: Freie Universität Berlin Quelle: dpa/dpaweb
Platz sechs: Universität Freiburg Quelle: dpa/dpaweb
Platz fünf: Rheinisch-Westfaelische Technische Hochschule (RWTH) Aachen Quelle: dpa

Überfüllte Hörsäle und lange Wartelisten sind an deutschen Unis Alltag. Gerade Studenten beliebter Fachrichtungen wie BWL oder Medizin fahren ihre Ansprüche, was Zulassungen oder gar Sitzplätze angeht, herunter. Ganz anders die Österreicher: Dort hat ein Medizin-Student auf Schadenersatz geklagt, weil er sein Studium wegen fehlender Plätze in Lehrveranstaltungen verlängern musste. Und er bekam Recht.

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Alles begann im Wintersemester 2005/ 06: Der Student an der Universität in Graz konnte an einer mit 264 Plätzen begrenzten Pflicht-Lehrveranstaltung aus Platzmangel nicht teilnehmen. Da weder Parallel- noch zusätzliche Lehrveranstaltungen angeboten wurden, konnte er auch weiterführende Module nicht absolvieren. Die Folgen: ein verzögertes Studium, längere Lebenshaltungskosten und zusätzliche Studiengebühren. Zudem konnte der Mediziner erst später in seinen Beruf einsteigen und Geld verdienen. Der Mann klagte auf Schadenersatz und bekam diesen nun vom Obersten Gerichtshof (OGH) zugesprochen.

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Denn im Gegensatz zu den Vorinstanzen, die das Begehren abgewiesen hatten, sieht der OGH Österreich in der Pflicht. Das Land sei als Rechtsträger der Universitäten dazu verpflichtet gewesen, „den Universitäten jene Mittel zur Verfügung zu stellen, die sie benötigen, um ihre gesetzlichen Verpflichtungen zu erfüllen“, heißt es laut österreichischen Medien in der Urteilsbegründung. Dem Arzt müssen demnach alle "Vermögensnachteile" ersetzt werden, die ihm durch die Studienverzögerung entstanden sind.

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 Die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) sieht in dem Urteil einen „Wendepunkt“ in der Hochschuldebatte. „Jetzt ist endlich klar: Universitäten können dafür haftbar gemacht werden, wenn Studierende aufgrund von Lehrveranstaltungsmangel nicht in der vorgesehenen Zeit studieren können“, sagte ÖH-Chef Martin Schott dem Online-Magazin „nachrichten.at“ zufolge. Im Wissenschaftsministerium hieß es, „dass so ein Fall heute nicht mehr denkbar ist“. Die Rechtslage habe sich seit dem Anlassfall entscheidend geändert. Im Gegensatz zu damals gebe es nun Aufnahmeverfahren für ein Medizin-Studium. Anders als in Deutschland waren Zulassungsbeschränkungen für Studiengänge in Österreich lange nicht üblich. Gerade Fächer wie Medizin waren deshalb regelmäßig überlaufen. Erst seit 2006 gibt es Aufnahmetests für Abiturienten mit dem Studienwunsch Medizin. Die ÖH rechnet dennoch mit zahlreichen weiteren Klagen von Studierenden.

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