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Vergleich der Studieninhalte BWL und IT: Wo Zukunft überhaupt eine Rolle spielt

An der Humboldt-Universität widmen sich die BWL-Studierenden der Digitalisierung in Modulen wie „Marketing und E-Business“ oder „Strategie, Organisation und Information Technology“. Quelle: imago images

Die Inhalte der klassischen BWL haben sich seit Jahren kaum verändert. Doch die Modulpläne der großen Universitäten zeigen, dass es durchaus positive Ausnahmen gibt. Doch manche Unis hinken hinterher.

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Modulhandbücher wecken nur selten die Lust aufs Studium. Die trockenen PDF-Dokumente erklären auf Hunderten Seiten mit kryptischen Abkürzungen, Tabellen und verklausulierten Sätzen den Aufbau der verschiedenen Semester. In Mannheim ist das auf den ersten Blick nicht anders. Doch das Dokument für den Bachelor in Betriebswirtschaftslehre der Uni sticht bei der Wortwahl hervor, preist die Studierenden gleich auf Seite Zwei als „Entscheider von morgen“ und verdeutlicht damit den Anspruch der Universität: Mannheim gilt in Deutschland als eine der besten Kaderschmieden für BWL – und belegt auch im Hochschulranking der WirtschaftsWoche den ersten Platz unter den besten Unis für BWL.

Doch die Hoffnungen trügen. Zumindest diejenigen Studenten, die sich von der Universität nicht nur eine fundierte Lehre der Klassiker wünschen, sondern auch eine Vorbereitung auf die digitale Arbeitswelt von heute. Wer neben den klassischen Fächern wie Rechnungswesen und Marketing umfassend über digitale Geschäftsmodelle, künstliche Intelligenz, Softwareanwendungen informiert werden will, der ist in Mannheim falsch aufgehoben. An der Universität Mannheim gehören zwar zwei Module über IT-Systeme zum Pflichtprogramm, mit insgesamt zwölf ECTS-Punkten, mehr nicht. Ein Punkt entspricht dabei in der Regel einem Arbeitsaufwand von maximal 30 Stunden. Das eine Modul macht gerade mal 6,8 Prozent des Pflichtstoffs aus (mit integriertem Auslandssemester und Bachelorarbeit). Im „Wahlpflichtbereich A“ können Studierende zwar aus weiteren Vorlesungen zu IT-Systemen oder digitalem Unternehmertum wählen. Doch schon ein Modul mit drei ECTS genügt laut Modulhandbuch, um diesen Wahlbereich abzuschließen. Und der Wahlpflichtbereich B widmet sich wiederum sozialen oder persönlichen Kompetenzen wie etwa „Leadership“, „Konfliktmanagement“ oder „Teamwork“.

Wenig Digitalisierung für so viel Ansehen also. Denn das ist unbestritten: Die BWL-Fakultät darf sich als eine von vier Hochschulen in Deutschland mit einer „Triple Crown“-Akkreditierung schmücken. Diese Auszeichnung erhalten BWL-Fakultäten und Business Schools, wenn sie bei drei Hochschulorganisationen akkreditiert sind – einer amerikanischen, einer britischen und einer europäischen.

Und trotzdem sind andere Universitäten weiter. Sie mischen ihrer BWL deutlich mehr Informatik bei, steigern so den Digitalisierungsanteil in der Lehre.

Im Modulplan der Ludwig-Maximilians-Universität in München (LMU) findet sich neben dem internen und externen Rechnungswesen oder Handels- und Gesellschaftsrecht auch „Wirtschaftsinformatik“. Ein Pflichtmodul samt Vorlesung und Übung, für sechs Credit Points. Damit nicht genug. Im Pflichtmodul 15, „Strategy and Digitization“, sitzen die Studierenden etwa in der Vorlesung „Digitale Unternehmung“.

Das Modul vermittle den Studierenden „Wissen zu Wettbewerbsstrategien sowie zu den typischen Herausforderungen, mit denen Unternehmen in modernen digitalen Märkten („digitale Unternehmen“) konfrontiert werden“, heißt es im Modulplan. Themen sind etwa „Online-Marketing“ und „vernetzte Wertschöpfungsstrukturen“.

Im Wahlpflichtbereich müssen die Studierenden zwei Spezialisierungen wählen – jeweils mit 18 Credit Points. Das volle, digitale Programm bekommen sie, wenn sie sich hier für Spezialisierungen in „Digital Business“ oder „Technology and Innovation“ entscheiden – und gegen Spezialisierungen in Marketing oder Unternehmensbesteuerung.



An der Universität Köln gehört Wirtschaftsinformatik ebenfalls zum Pflichtprogramm, die Studierenden lernen hier auch etwas über die „Risiken durch den Einsatz von Informationstechnik“, erhalten dafür sechs ECTS-Punkte. Die Uni belegt im Hochschulranking der WirtschaftsWoche in der BWL den dritten Platz, knapp vor der Humboldt-Universität in Berlin. In der Hauptstadt widmen sich die Studierenden der Digitalisierung jedoch nicht in einem eigenen Modul. Sie spielt lediglich in Modulen wie „Marketing und E-Business“ oder „Strategie, Organisation und Information Technology“ schon dem Namen nach eine Rolle.

„Rechnerpraktikum“ in Hamburg

An der Universität Hamburg ist das anders. Hier belegen die Studierenden neben einer Einführung in die Wirtschaftsinformatik noch ein verpflichtendes Modul, dessen Name so klingt, als wäre es schon vor Jahrzehnten aus der Zeit gefallen: „Rechnerpraktikum“. Dahinter verbirgt sich jedoch Stoff, den Experten schon länger in den Lehrplänen der BWL-Fakultäten fordern: „Vermittlung von Kenntnissen und Fähigkeiten zur Lösung betriebswirtschaftlicher Anwendungs- sowie Entscheidungsprobleme mithilfe von Standardsoftware, insbesondere Tabellenkalkulation und Datenbankmanagementsoftware“ erwartet die Studierenden laut Modulhandbuch. Der ehemalige Chef der Unternehmensberatung Roland Berger, Burkhard Schwenker, einer der prominentesten Fürsprecher der BWL, sagt: „Es muss darum gehen, den Studierenden zu vermitteln, mit welcher Software oder Technologie sich unternehmerische Probleme lösen.“ Schwenker fordert in der BWL Module wie zum Beispiel „Einführung in die Digitalisierung“. In Hamburg erhalten die Studierenden darüber hinaus noch „grundlegende Kenntnisse in einer Programmiersprache der prozeduralen Programmierung inklusive Algorithmen und Datenstrukturen“.

So weit sind nicht alle Universitäten. An der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster gibt es das Modul „Wirtschaftsinformatik für BWL/VWL“ zwar. Allerdings als Wahlpflichtfach. Pflicht ist lediglich die Vorlesung „Techniken der IT“, die allerdings nur eine von vier Veranstaltungen in einem Mathematikmodul mit insgesamt zwölf Credit Points ist. Ziel der Veranstaltung sei es laut der Uni, „einen Einblick in die technischen Grundlagen eines Informations- und Kommunikationssystems sowie dessen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten zu geben“.

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Neue Namen, neue Inhalte

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) geht die Sache schon von Natur aus anders an. Das KIT gilt als Hochburg für Informatik und bietet als Wirtschaftsstudium deshalb einen Bachelor in „Technischer Volkswirtschaftslehre“ an, BWL ist einer der Schwerpunkte. Absolventen sollen laut KIT mal Fach- und Führungskräfte werden und „vorausschauende Entscheidungen und Trendbeurteilungen“ treffen bei der „Vorbereitung von Produktentwicklungen, dem Markteintritt, der Preisfindung oder der Optimierung eines bestehenden Angebotes“. Etwa im technischen Einkauf, der Unternehmensberatung, als Analyst oder Marktforscher. So viel zu den verklausulierten Studiengangsbeschreibungen. Das KIT setzt dafür auf Vorlesungen in der Informatik, zur Programmiersprache Java oder auf Veranstaltungen zur Experimentalphysik.

Betriebswirtschaftslehre suchen auch Studieninteressierte an der Technischen Universität München (TUM) vergebens. Die TUM School of Management, die ebenfalls eine Triple Crown trägt, führte schon 2001 eine eigene BWL ein, die heute den Namen „Management and Technology“ trägt. Zu 70 Prozent BWL-Inhalten gesellen sich in München 30 Prozent Technologie aus der Spezialisierung der Studierenden. Hier können sie aus Informatik, Chemie, digitalen Technologien oder Computer Engineering wählen. Die meisten Studierenden würden sich tatsächlich für Informatik entscheiden, verrät Gunther Friedl, Dekan der TUM School of Management und BWL-Professor.

Als besonders renommiert gelten hierzulande unter Managementaspiranten die privaten Business Schools. Allen voran die Frankfurt School of Finance and Management und die European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin. In Frankfurt erhalten die Studierenden im Bachelor „Business Administration“ schon im ersten Semester eine Einführung ins Programmieren, können sich in Vertiefungsmodulen zum Beispiel auf digitale Geschäftsmodelle spezialisieren. Die ESMT bietet hingegen nur MBA-Programme und einen zweijährigen Master in Management an.

Mehr zum Thema: Der Goldstandard vieler Managerlaufbahnen wirkt inzwischen wie ein Auslaufmodell. Im klassischen Betriebswirtschaftsstudium fehlt oft jeder Bezug zum Thema Digitalisierung. Deshalb wechseln immer mehr zu Wirtschaftsinformatik oder in duale Studiengänge.

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