Verhaltenswissenschaft Wie man die Hürden des Lernens überwindet

Die Motivation von Schülern ist die entscheidende Kompetenz von Lehrern. Eine Studie zeigt, wie verhaltenswissenschaftliche Erkenntnisse zu diesem Zweck genutzt werden können.

Was wirklich hinter Lernmythen steckt
Bloß nicht mit den Fingern rechnen Quelle: Fotolia
Eine Lehrerin schreibt mit Kreide an die Tafel Quelle: dpa
Schüler mit dem Smartphone auf dem Schulhof Quelle: dpa
Fehler helfen beim LernenWer sich beim Lernen häufig verhaspelt und die Lösung raten muss, lernt trotzdem was. Eine kanadische Studie hat gezeigt, dass die Gedächtnisleistung sogar von den Fehlern profitiert. Dies gilt allerdings nur, wenn die Raterei nicht völlig ins Kraut schießt, sondern nur knapp an der richtigen Lösung vorbei ist. Wer häufig fast richtige Vermutungen anstellt, dem helfen diese wie kleine Brücken beim Erinnern an die korrekte Information. Diesen Vorteil konnten die Forscher sowohl bei jüngeren als auch bei älteren Probanden feststellen. Wer sich selbst herantastet, profitiert davon also mehr, als wenn ihm die richtige Antwort vorgesagt wird. Quelle: Fotolia
Texte wiederholt zu lesen, heißt viel zu lernen Quelle: dpa
Gelerntes erzählen, hilft es sich zu merken Quelle: AP
Hochbegabte sind LernüberfliegerWer einen ungewöhnlich hohen IQ hat, ist in der Schule noch lange kein Überflieger. Weil viele Hochbegabte in der Schule unterfordert sind, markieren sie den Klassenclown und bekommen entsprechend schlechte Noten. Quelle: Fotolia

In bildungspolitischen Debatten geht es meist um Schulformen und Strukturen des Bildungssystems. Doch für das, worum es an den Schulen wirklich geht, die Bildung der Schüler natürlich, ist die Schulform nur weitrangig. In erster Linie sind die Menschen entscheidend, die lehren und lernen. Der Lernerfolg hängt vor allem von drei Faktoren ab: dem Selbstbild des Schülers, eingefahrenen Denkmustern und dem Lern-Umfeld. Wie diese einfach, oft kostenfrei positiv beeinflusst werden können, will eine neue Studie im Auftrag der Vodafone Stiftung zeigen, die neue Erkenntnisse aus Theorie und Empirie der Sozialpsychologie und Verhaltensökonomie mit Umfragedaten von Lehrern, Schülern und Eltern kombinierte. Erstellt wurde die Studie vom Forschungszentrum der Royal Society RSA London. Die Ergebnisse wurden mit Lehrern in Berlin getestet und diskutiert.

„Lehrer leisten jeden Tag Schwerstarbeit“, so der Geschäftsführer der Vodafone Stiftung, Mark Speich, „besonders um Schüler aus benachteiligten Verhältnissen zu fördern. Und wir wollen sie dabei unterstützen.“ Ingrid Baumgartner-Schmitt, Realschul-Rektorin und Vorsitzende des Schulleitungsverbandes Rheinland-Pfalz ergänzt: "Als Lehrer hat man zwar im Studium irgendwann einmal kurz gehört, wie bestimmte innere Hürden einen Schüler zurückhalten können, aber dies war nicht wirklich ausreichend und ist oft schon lange her.“ Deshalb müsse man als Lehrer immer wieder darüber nachdenken, so Baumgartner-Schmitt weiter, wie man durch kleine Impulse von außen dem Schüler über diese Hürden helfen kann." Zu diesem zweck wurde das Internetforum www.lehrerdialog.net eingerichtet, in dem alle Vorschläge aus der Studie vorgestellt werden und Lehrer eigene Tipps geben können.
Das Selbstbild der Schüler durch das richtige Feedback verbessern
Das Selbstbild eines Kindes beeinflusst stark seinen schulischen Erfolg. Schüler haben es schwerer, wenn sie davon ausgehen, dass ihre geistigen Fähigkeiten von vornherein festgefügt sind. Sie können dagegen besser lernen und leichter mit Rückschlägen umgehen, wenn sie davon überzeugt sind, dass ihre geistigen Leistungen – ähnlich wie beim Sport - durch Übung verbessert werden können. Deshalb sollten Lehrer und Eltern dieses Selbstbild bei den Schülern fördern. Sie sollten sie nicht für ein bestimmtes Ergebnis oder gar ihre Klugheit loben, sondern dafür, wie sehr sie sich angestrengt haben. Dies kann bei den Schülern die Überzeugung fördern: Geistige Fähigkeiten sind keine unveränderbaren Eigenschaften, sondern es kommt stark auf den Fleiß an.

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