Vorbereitungsklassen Flüchtlingskinder in der Schule

Manche haben noch nie eine Schule besucht, Hausaufgaben sind für viele ein Fremdwort: In Vorbereitungsklassen sollen Flüchtlingskinder fit gemacht werden für die Schule. Zu Besuch in einer Grundschule in Heidenau.

Die Schüler, Bianka und Edison , aus Albanien, nehmen am 08.09.2015 am Unterricht «Deutsch als Zweitsprache» in ihrer Klasse an der Astrid-Lindgren-Grundschule in Heidenau (Sachsen) teil. Quelle: dpa

Eifrig sind die Köpfe über die Blätter gebeugt, werden Schulranzen, Tische und Stifte auf dem Papier ausgemalt. Laut und deutlich spricht Lehrerin Jana Lubonski die Worte vor, hält kleine bunte Kärtchen in die Luft. Im Chor sprechen die Kinder nach, schauen sich an und kichern. Die deutschen Worte klingen noch ungewohnt aus ihrem Mund. In der Vorbereitungsklasse an der Astrid-Lindgren-Grundschule im sächsischen Heidenau werden ausländische Kinder fit für die Schule gemacht, darunter auch solche aus Flüchtlingsfamilien. Sie sollen hier so gut Deutsch lernen, dass sie bald dem regulären Unterricht folgen können.

An einem Tisch sitzen Kinder aus den Klassen zwei bis vier, sie sprechen schon ein paar Worte Deutsch. Am Nachbartisch haben sich die Kleinen versammelt. Auf die Frage, was sie in der Schule am liebsten mag, zeigt die sechsjährige Bianka aus Albanien auf einen CD-Spieler. „Das“, sagt sie und dreht verlegen an ihren Zöpfen. „Musik hören“, erklärt Jana Lubonski, die die Zeichen ihrer Schützlinge gut deuten kann. „Wir verständigen uns viel mit Händen, Füßen und Pantomime.“ Die Lehrerin schaltet das Gerät ein, und ein fröhliches Guten-Morgen-Lied ertönt. „Das haben wir alle am liebsten“, sagt Lubonski. Die Kinder stimmen ein, klatschen im Rhythmus, lachen und strahlen.

Manche Kinder sind hier, weil die Eltern in Deutschland eine Arbeit gefunden haben - auch solche aus EU-Staaten. Andere sind vor Krieg geflüchtet, vor Armut und Elend. Die Jüngsten sind erst seit zwei Wochen Schulkinder. „Da waren die Sprachkenntnisse gleich Null“, erklärt Schulleiterin Karla Dorn.

Zwei Vorbereitungsklassen mit 19 und 17 Kindern gibt es an der Heidenauer Grundschule, zwei Lehrererinnen unterrichten Deutsch als Zweitsprache (DaZ). Gelernt wird in Gruppen je nach Entwicklung und Klassenstufe. „Alle haben ihren speziellen Plan“, berichtet Dorn. Die Kinder kommen unter anderem aus Albanien, Syrien, Serbien, Polen, Griechenland oder dem Irak, auch Sinti und Roma sind darunter.

Vor knapp drei Wochen machte Heidenau bundesweit Schlagzeilen, als rechte Krawallmacher vor einer Flüchtlingsunterkunft Polizisten attackierten. Gerade einmal eine Viertelstunde zu Fuß entfernt ist der ehemalige Baumarkt, der nun als provisorische Unterkunft für Asylbewerber dient. Mittlerweile ist es ruhig geworden, allerdings wächst bei den Bewohnern der Unmut über ihre Unterbringung und die medizinische Versorgung. Die Ausschreitungen wurden mit den Schülern nicht thematisiert. Dorn sieht ihre Schule als einen geschützten Raum, „wo die Kinder lernen und spielen.“

Was Flüchtlinge dürfen

Die Heidenauer Schule ist eine von 200 in Sachsen, an denen es insgesamt 290 Vorbereitungsklassen gibt. Damit gibt es an etwa jeder siebten Schule eine solche Klasse. Der Bedarf steigt, zusätzliche DaZ-Lehrer wurden bereits eingestellt. Das sächsische Kultusministerium geht davon aus, dass die Zahl der Flüchtlingskinder in den Vorbereitungsklassen in diesem Jahr auf mehr als 5000 klettert. „Die Herausforderung wird mit jedem Tag größer. Zunehmend stoßen wir dabei an räumliche und personelle Grenzen“, berichtet ein Ministeriumssprecher.

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