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Wahl der richtigen Hochschule Fünf Merkmale, die einen guten Masterstudiengang auszeichnen

Hochschulabsolventen bei Ihrer Abschlussfeier: Bis zu 14 Prozent mehr verdienen Masterabsolventen im Vergleich zu Bachelorexaminanden. Aber Masterstudiengänge unterscheiden sich teils deutlich voneinander. Quelle: dpa

Wer nach dem Bachelor den Master machen möchte, sucht nach dem besten Studiengang seiner Fachrichtung. Dekane der besten Fakultäten aus dem WiWo-Uni-Ranking geben Tipps, worauf Interessierte achten sollten.

Schon ein Blick auf die Internetseiten diverser Hochschulen offenbart, wie viele Studiengänge es gibt und von denen vor der Bologna-Reform 2010 mutmaßlich noch nie jemand etwas gehört hat. Klangvolle Bezeichnungen wie „Szenische Forschung“, „Retail Design“ oder „Marken- und Kommunikationsdesign“ stehen eher pauschal benannten Masterprogrammen wie „Kultur, Medien und Ästhetik“ oder „Betriebswirtschaftslehre und Sportmanagement“ gegenüber.

Das Potpourri aus den 19.000 Masterabschlüssen ist verführerisch und verwirrend zugleich. Einerseits können sich Personalchefs bei Vorstellungsgesprächen oft keine Vorstellung über die Studieninhalte machen, andererseits entpuppt sich der einstige Wunschstudiengang bei manchen Studierenden erst nach den ersten Präsenzwochen nicht als das, was sie sich vorgestellt haben. Die WirtschaftsWoche hat Dekane der besten deutschen Fakultäten für BWL und VWL des WiWo-Uni-Rankings 2018 gefragt, was einen guten Masterstudiengang auszeichnet.

Klarer und logischer Aufbau

Wenn schon der Name des Studiengangs nicht eindeutig preisgibt, was seine Inhalte sind, dann sollte zumindest der Modulaufbau Aufschluss geben. Hier haben die Dekane der Universitäten eine klare Haltung, die auch Volker Hahn vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Universität Konstanz vertritt. „Sehr wichtig ist, dass die Lernziele, die Aufgaben der Studierenden und die notwendigen Lehrmaterialien klar definiert sind“. Studierende sollten darauf achten, dass der Masterstudiengang auf bereits bekannten Inhalten des Bachelorstudiums aufbaut oder sich auf diese bezieht. Im Hochschuldeutsch heißt das, dass sie entweder vollständig oder teilweise konsekutiv sind. Ein Master ohne diesen Bezug bedingt zwangsläufig Mehraufwand wie zusätzliche Tutorien, Nacharbeit in Lerngruppen oder eigenverantwortliche Nacharbeit, so die gängige Meinung der Hochschulvertreter.

„Im Gegensatz zu einem Bachelorstudium sollte in einem Master stärker die Möglichkeit zur Vertiefung gegeben sein“, präzisiert Steffen Löv von der Otto Beisheim School of Management in Vallendar. Seiner Meinung nach geht dies über zwei Arten. Einerseits in kleinen, fachbezogenen Masterstudiengängen und andererseits durch viele Individualisierungsmöglichkeiten bei großen Studiengängen wie beispielsweise den Wirtschaftswissenschaften.

Fokussierung und Ausrichtung

Vor allem hinter relativ allgemein benannten Studiengängen lauern oft kleine, aber feine Tücken. Klang im ersten Moment das Studienprogramm „Management und Regulierung von Arbeit, Wirtschaft und Organisation“ wie ein Master für angehende Manager mit BWL-Hintergrund, so stellt er sich später als arbeits- und organisationssoziologischer Studiengang heraus.

Damit Studierende nicht solch einen Schreckmoment erleben, empfehlen die Dekane sich vor allem über die Ausrichtung und die Themenfokussierung zu informieren. Hier sollten sich Studierende die Frage stellen, ob sie langfristig eine wissenschaftliche Karriere anstreben oder nicht, wie Jürgen von Hagen, Dekan der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät an der Uni Bonn, veranschaulicht. „Unser Masterprogramm ist dezidiert forschungsorientiert und fokussiert auf quantitative Methoden der Wirtschaftsforschung. Die hohe Qualität kommt vor allem darin zum Ausdruck, dass unsere besten Forscher in diesem Programm lehren und das Programm nahtlos ins Promotionsstudium führt“.

Wer mehr Praxisnähe möchte, sollte darauf achten, dass der Master auf zukunftsorientierte Themenfelder und aktuelle Trends ausgerichtet ist. Christian Landau, Dekan an der EBS Business School in Oestrich-Winkel und Professor für strategisches Management, achtet vor allem auf diese vier Merkmale: „Wichtige masterstudiengangübergreifende Charakteristika sind Nachhaltigkeit, Internationalität, Digitalisierung und Diversität“.

Ein guter Masterstudiengang zeichnet sich also durch ein klares Profil aus. Studierende wissen sofort, ob es sich im einen eher theoretisch-forschungsorientierten oder praxisnahen Studiengang handelt.

Wahlmöglichkeiten

Im Rheinland heißt es im Karneval „Jeder Jeck is anders“ - und Individualität ist in der akademischen Lehre zunehmend relevant und in großen Studiengängen wie BWL, VWL oder auch Sozialwissenschaften sind für Studierende vielfältige Auswahlmöglichkeiten wichtig. Doch bei all den Selbstverwirklichungswünschen plädieren fast alle Dekane, wie auch Andreas Haufler, Dekan der Sektion für VWL an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, für bestimmte Grundlagenkenntnisse, die gelehrt werden sollten. „Generell sollte ein Master viele Freiheiten und Wahlmöglichkeiten bieten, allerdings erst nach einem verbindlichen Kursprogramm in den zentralen Fächern der VWL. Dies dient insbesondere auch dazu, für Studenten mit unterschiedlichem Background ein einheitliches methodisches Fundament für den Wahlbereich zu schaffen“, rät er.

Zudem sollten solch individuelle Lehrinhalte in den vorgegebenen Studienplan passen oder diesen logisch ergänzen, meint Volker Hahn. „Spezialisierungs- und Wahlmöglichkeiten sind wichtig, aber diese sollten gut strukturiert sein, um eine sinnvolle Entwicklung der Fähigkeiten und Kenntnisse zu ermöglichen“, sagt der Professor für internationale und monetäre Makroökonomie.

Ein guter Master bietet daher nach einem Grundlagenstudium Individualisierungsmöglichkeiten, die aber immer mit dem Profil und Aufbau des Studiengangs korrespondieren.

Praxisanteil

Gerne werden Hochschulabsolventen in Unternehmen anfangs als steife Theoretiker mit wenig Praxiserfahrung abgetan. Ein großer Teil der befragten Dekane präferiert deswegen vermehrt praxisbezogene Lerninhalte, wie unter anderem Manfred Schwaiger von der Fakultät für Betriebswirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. „In unserem Master gibt es ein Modul, in dessen Rahmen die Studierenden über einen Zeitraum drei Monaten nahezu in Vollzeit wie Berater an einem praktisch relevanten Problem in Kooperation mit Unternehmen arbeiten“.

An manchen Hochschulen arbeiten Fakultäten sogar intensiv mit Firmen zusammen, damit ihre Studenten möglichst früh das Berufsleben und notwendige Fähigkeiten kennenlernen. Solche Kooperationen sind für Andreas Kaplan, Rektor der ESCP Europe Business School Berlin, elementar. „Durch den Kontakt und den Austausch mit Organisationen erhalten Studierende frühzeitig Einblicke in spätere berufliche Aufgabenstellungen und Herausforderungen. Noch während des Studiums haben sie so die Möglichkeit, sich bestimmtes Know-how anzueignen und auch ihre Softskills und Stärken gezielt weiterzuentwickeln“.

Ein guter Masterstudiengang bietet daher, so die überwiegende Meinung der Umfrage, entweder Praxismodule über ein oder zwei Semester oder verpflichtende Praktika an. Auch beide Varianten sind möglich und besonders für Studieninteressierte eine Option, die vielfältige und praktische Einblicke in die Arbeitswelt haben möchten.

Betreuung

Ein Studium erfordert von Studenten, dass sie sich selbst organisieren, eigenständig Lerninhalte nachholen und Formalitäten wie Prüfungsanmeldungen eigenständig erledigen. Ist in einer Vorlesung allerdings etwas unklar geblieben oder sollen sie eine Abschlussarbeit schreiben, dann ist für Studierende wiederum eine individuelle Betreuung wichtig. Ein Kriterium, das für einen guten Masterstudiengang steht. Was die Dekane darunter verstehen, bringt Manfred Krafft, Direktor des Instituts für Marketing an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, auf den Punkt: „Gute Betreuung heißt für mich, dass sich Betreuer auf den Studierenden möglichst individuell einstellen.“

Und das heißt nicht, dass Vertiefungsfragen oder Beratungsgespräche immer nur außerhalb der Hochschulveranstaltungen erledigt werden. Vielmehr ist vor allem eine intensive Diskussion, Vertiefung und der Austausch in Seminaren zwischen Lehrkräften und Studierenden wichtig, findet Jürgen von Hagen von der Universität Bonn. „Das führt zwangsläufig zu intensiven und guten Betreuungsverhältnissen“, so der Dekan.

Letztlich hilft eine intensive und individuelle Unterstützung durch wissenschaftliche Mitarbeiter oder Professoren den Studenten dabei, für ihre Zukunft und ihren Studienverlauf die beste Entscheidung zu treffen.

Knapp 138.000 Studenten haben im vergangenen Jahr den Master an einer deutschen Hochschule gemacht – doch die meisten Masterarbeiten verschwinden nach dem Abschluss auf ewig in der Versenkung. Schade eigentlich. Denn tatsächlich schlummern in vielen Arbeiten wertvolle Ideen – und diese Ideen haben eine Bühne verdient. Deshalb startet die WirtschaftsWoche gemeinsam mit dem Bundesverband Deutscher Volks- und Betriebswirte den Wettbewerb „Supermaster“. Dort können sich ab sofort alle Absolventen bewerben, deren Abschlussarbeit ein wirtschaftsrelevantes Thema behandelte. Alle Informationen auf wiwo.de/supermaster

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