WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Weiterbildung Für wen sich ein Fernstudium lohnt

Seite 2/2

Das kostet ein Fernstudium

Auch die Kosten schwanken. Für ein Masterstudium an der Fernuni Hagen muss laut Düppe mit rund 1100 Euro gerechnet werden: „Die Gebühren sind vergleichsweise moderat, sie entsprechen denen anderer staatlicher Universitäten.“ Der dreisemestrige Automobil-Master an der Uni Duisburg-Essen kostet 9900 Euro. Je nach Fach und Studienzeit können bei privaten Anbietern fünfstellige Summen zusammenkommen.

Ein Fernstudium ist also eine Investition. Die müssen Interessenten aber nicht immer allein schultern. Studenten der öffentlich-rechtlichen Fernuni Hagen sind BaföG-berechtigt. Die Bundesregierung fördert das Erststudium für Berufstätige mit dem Aufstiegsstipendium in Höhe von bis zu rund 900 Euro monatlich. Manchmal beteiligt sich der Arbeitgeber an den Kosten der beruflichen Weiterbildung. „Großunternehmen und Konzerne haben mitunter Studienprogramme, stellen in manchen Fällen auch frei“, sagt Siems. Im Mittelstand sei die Unterstützung für das Fernstudium hingegen eher selten.

Zu Beginn galten Fernstudien im Vergleich zu Präsenzstudiengängen als einfacher – „und die Fernuni bei vielen als sozialistisches Bildungsexperiment“, erinnert sich Düppe. Mittlerweile seien die Absolventen allerdings gefragte Mitarbeiter, gerade, „weil sie Beruf, Familie und Studium unter einen Hut gebracht haben und damit neben den fachlichen Kompetenzen auch viele Soft Skills beweisen, die von Arbeitgebern gefordert werden“.

Karriereberaterin Siems glaubt allerdings, dass ein Fernstudium vielfach noch immer nicht als vollwertiges Studium betrachtet wird. Ob ein Bewerber mit Fernabschluss gute Chancen hat, hängt ihrer Ansicht nach oft vor allem von demjenigen ab, der über Einstellungen entscheidet: „Wer sich mit dem Thema vertraut gemacht hat und die Qualität der Abschlüsse verschiedener Anbieter einschätzen kann, ist sicherlich offener für Mitarbeiter mit Fernstudium.“

Für wen lohnt sich ein Fernstudium?

Die Expertin warnt davor, die Anforderungen eines Fernstudiums auf die leichte Schulter zu nehmen. Nicht jeder sei für diese Art des Lernens gemacht. „Wer sich für ein Fernstudium entscheidet, sollte ein großes Maß an Selbstdisziplin mitbringen und sich selbst sehr gut organisieren können“, sagt Siems. Ein Online-Studium sei zudem zeitintensiv und könne „nicht mal so nebenbei mitlaufen“. Die Karriereberaterin empfiehlt: „Man sollte sich genau überlegen, ob man diese Zeit investieren kann und möchte. Nur wenn die Antwort eindeutig 'Ja' lautet, sollte man das Fernstudium starten.“ IUBH-Rektor Thuy veranschlagt für ein Teilzeitstudium mindestens rund zehn Stunden pro Woche.

Insbesondere Schulabgänger sollten sich ein Fernstudium laut Siems sehr gut überlegen. Viele Erststudierende würden sich ein echtes Studenten- und Campusleben wünschen. Dies fehle natürlich beim Online-Studium. Berufstätigen empfiehlt sie, eine Reihe von Fragen abzuklären: Welchen Job strebe ich an? Wie ist dort die Gehaltsentwicklung? Wie lange dauert das Studium? Wie sieht das Curriculum im Detail aus? Wie hoch sind die Kosten? Wie ist der angestrebte Studienabschluss in meinen Fachgebiet anerkannt? „Wenn man diese Aspekte gegeneinanderstellt, fällt eine Entscheidung leichter“, betont die Expertin.

Sie rät, über Business-Netzwerke wie Xing oder LinkedIn Absolventen der jeweiligen Anbieter anzusprechen und nach deren Erfahrungen zu befragen: „So fällt es leichter zu entscheiden, ob der Studiengang wirklich die Qualifikation vermittelt, die ich haben möchte.“ Wer sich gezielt Fachwissen aneignen wolle, sei womöglich mit Workshops, E-Learning-Kursen oder Tagungen besser bedient.

Eindeutiger ist die Entscheidung für ein Fernstudium laut Siems, wenn man die Branche wechseln möchte. „Oder wenn es sich um ein Thema mit hohem ideellem Wert handelt, das heißt, ich wirklich für ein Thema brenne“, sagt die Karriereberaterin. „Dann lohnt sich eine solche Weiterbildung immer.“


Mehr zum Thema:
Akademische Karrieren sind entbehrungsreich – und können abrupt enden. Deshalb sollten Wissenschaftler sich rechtzeitig nach Alternativen umsehen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%