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Weiterbildung Für wen sich ein Fernstudium lohnt

Fernuniversitäten und Anbieter von virtuellen Kursen sind immer stärker gefragt. Quelle: imago images

Immer mehr Menschen interessieren sich für ein Fernstudium. Doch wer wissen will, ob sich die Weiterbildung auf Distanz auszahlt, sollte nicht nur den dortigen Lehrplan kennen.

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In der Coronakrise wurden Universitäten zwangsläufig zu Fernuniversitäten – und selbst weniger technikaffine Menschen merkt, wie gut sich Wissen über das Internet vermitteln lässt. „Die Anmeldungen zu unseren Akademiestudien, in denen man das Fernstudieren ausprobieren kann, sind um ein Drittel gegenüber dem Vorjahr gestiegen“, Stephan Düppe von der Fernuniversität in Hagen.

Das Studium aus der Ferne hat in Deutschland noch in Offline-Zeiten angefangen. Die einzige staatliche Fernuniversität des Landes in Hagen zählte 1975 zum Start 1330 Studenten. Heute ist sie laut Düppe mit rund 76.000 Studenten die größte deutsche Hochschule überhaupt. Daneben gibt es zahlreiche private Anbieter von Bachelor- und Masterstudiengängen über das Internet. Der größte ist nach eigenen Angaben die IUBH Internationale Hochschule mit Sitz in Erfurt. Sie zählt aktuell rund 30.000 Studenten.

So läuft ein Fernstudium ab

Ein Fernstudium findet je nach Anbieter komplett oder nahezu ausschließlich im Internet statt. Studenten erhalten per Post oder übers Internet Unterlagen zu den Lehrinhalten. Seminare und Vorlesungen werden durch jederzeit abrufbare Videos oder Podcasts ersetzt. Frontalunterricht soll durch gestreamte Live-Vorlesungen, Videokonferenzen und Chats verhindert werden. „Die Digitalisierung ermöglicht den Studierenden an der Fernuniversität dadurch trotz der Ferne auch persönliche Begegnungen mit den Lehrenden und anderen Studierenden“, sagt Düppe.

Studienberater helfen, wenn Studierende Probleme mit der Technik haben – oder damit, ihre Zeit richtig einzuteilen.  „Wobei man wirklich kein Computercrack sein muss, um unser Studium zu meistern – natürlich braucht man einen Computer, aber die Nutzung der Lernmedien ist selbsterklärend und für alles gibt es einfache Anleitungen“, sagt IUBH-Rektor Peter Thuy. Prüfungen werden online oder in lokalen Prüfungszentren abgelegt. Manche Anbieter verbinden das Fernstudium mit sogenannten Präsenzblöcken, bei denen Studenten und Dozenten für einige Tage in der realen Welt zusammenkommen. Die Fernuni Hagen hält sich an die klassischen Semesterstrukturen, bei privaten Anbietern kann man meist nach der Anmeldung sofort loslegen.

Die Flexibilität ist nach Ansicht von Karriereberaterin Julia Siems von der Personalberatung Von Rundstedt der große Vorteil des Fernstudiums. „Studierende sind zeitlich und räumlich unabhängig. Dies ermöglicht es, Lern- und Studienzeiten nach den eigenen Bedürfnissen zu organisieren“, sagt sie. Auf diese Weise sei ein Studium auch neben dem Job möglich. „Eine solche Variante ist für Arbeitnehmer interessant, die zum Beispiel nach dem Schulabschluss eine Berufsausbildung gemacht haben, bereits voll im Beruf stehen und sich dann für ein Studium zur Weiterbildung oder Vertiefung ihrer Kenntnisse entscheiden“, sagt Siems.

Online-Studium für Berufstätige

Auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) gehört zu denjenigen, die erst spät studiert haben. Die gelernte Bankkauf- und Hotelfachfrau hat an der Fernuni Hagen Betriebswirtschaftslehre studiert. Dort sind etwa 80 Prozent der Studenten berufstätig. Ein Fernstudium bietet nach Ansicht von Siems vor allem Müttern eine gute Chance, um sich weiterzubilden und damit ihre beruflichen Aussichten – etwa für den Wiedereinstieg nach der Familienzeit – zu verbessern. Menschen, die körperlich beeinträchtigt sind, Angehörige pflegen oder wie beispielsweise Leistungssportler einfach viel unterwegs sind, gehören laut Thuy ebenfalls zur klassischen Zielgruppe.

Die virtuelle Barrierefreiheit hat einen weiteren entscheidenden Vorteil. Die meisten Anbieter verzichten auf einen Numerus clausus (NC), darunter die Fernuni Hagen und die IUBH. So stünden selbst klassische NC-Fächer wie Psychologie oder Architektur allen offen, sagt Thuy. Dasselbe gilt für das teure Auslandsstudium. So bieten Eliteuniversitäten wie die Harvard University Interessenten in aller Welt Online-Abschlüsse an.

Auch in Deutschland haben viele Präsenzuniversitäten Online-Kurse im Angebot. Sie sorgen dank ihrer Infrastruktur und breit gefächerten Lehre auf dem Markt für thematische Vielfalt. Geburtshelferinnen können an der Medizinischen Hochschule Hannover den deutschlandweit ersten Europäischen Master of Science in Hebammenwissenschaft erwerben. Die Universität Duisburg-Essen offeriert einen neuartigen Masterstudiengang für Führungskräfte aus der Automobilindustrie.

Die Fernhochschulen konzentrieren sich hingegen weitgehend auf Fachrichtungen mit hoher Nachfrage, die ohne Praxiserfahrung auskommen. „Grundsätzlich ist es natürlich am unkompliziertesten in den sogenannten Buchwissenschaften oder in der Informatik, weil hier die Infrastruktur online nahezu identisch herzustellen ist“, sagt Thuy. An der Fernuni Hagen studieren 31 Prozent der Immatrikulierten Betriebs- oder Volkswirtschaftslehre. Es folgen Kultur und Sozialwissenschaften (20 Prozent) und Psychologie (19 Prozent). Die restlichen Fakultäten sind Mathematik und Informatik (16 Prozent) sowie Rechtswissenschaften (14 Prozent). Die IUBH bietet zudem unter anderem Architektur oder Mediendesign an.

Bei der Wahl des Anbieters sollten Studierende darauf achten, dass sowohl die Hochschulen als auch die dort erworbenen Abschlüsse staatlich anerkannt sind. Hier hilft die Datenbank der Stiftung Akkreditierungsrat weiter.

Die gemeinsame Einrichtung der Länder ist für die Qualitätssicherung an deutschen Hochschulen zuständig. „Wenn manche Anbieter einen Bachelor in zwölf Monaten versprechen oder der Abschluss nur über eine Kooperation mit einer Hochschule im Ausland vergeben wird, wäre ich eher vorsichtig“, rät Thuy.

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