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Wirtschaftswissenschaften „Das Studienangebot ist unüberschaubar“

Matthias Meyer-Schwarzenberger Quelle: PR

Wie wertvoll das Wissen aus Abschlussarbeiten sein kann und warum Interdisziplinarität nicht um jeden Preis gut ist, erklärt der Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Volks- und Betriebswirte.

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WirtschaftsWoche: Herr Meyer-Schwarzenberger, Ihr Verband hat für den „Supermaster“-Wettbewerb aus 180 eingesendeten Masterarbeiten in Wirtschaftswissenschaften die zehn besten ausgewählt. Von künstlicher Intelligenz über psychologische Modelle bis zu Robotik-Anwendungen ist alles dabei. Mich hat bei den Finalisten überrascht, wie vielfältig diese Themen sind. Sie auch?
Meyer-Schwarzenberger: Ich bin überrascht, dass sie überrascht sind. Wenn das so ist, bedeutet das, dass die Wirtschaftswissenschaften in der Öffentlichkeit noch unterschätzt werden. Das ist schade, denn sie beschäftigen sich mit Dingen, die nicht nur die Wirtschaft, sondern die Gesellschaft als Ganzes weiterbringen.

Ökonomen sind nicht nur rationale Gewinnmaximierer?
Die akademische Disziplin dient natürlich auch der Optimierung von Geschäftsprozessen und dem Geldverdienen. Aber ihre Erkenntnisse helfen nicht nur Investoren und Unternehmern, sondern auch Mitarbeitern, Konsumenten, dem Fiskus und letztlich der Allgemeinheit. Vielleicht kommt das nicht immer bei den Menschen an.

Muss sich die Disziplin also offensiver vermarkten?
Ja, da sehe ich uns als Verband in der Pflicht. Deshalb führen wir unter anderem auch Wettbewerbe wie den „Supermaster“ durch. In Deutschland haben wir die Tradition von Forschung und Lehre, das heißt schon in Bachelor- und Masterstudium wird wissenschaftlich gearbeitet. Auch dort entsteht nützliches, neues Wissen. Von daher ist es gut, dass die WirtschaftsWoche dort genauer hinschaut. Die Forschung der Studierenden verdient es gesehen und verstanden zu werden.

Was heißt das für aktive Wirtschaftsforscher? Sollten auch diese ihr Wissen aktiver in aktuelle Debatten einbringen?
Ich sehe die Verantwortung hier eher bei den Medien als bei den Wissenschaftlern. Ich höre öfter den Vorwurf, dass sich Wirtschaftswissenschaftler stärker öffentlich äußern sollten. Ich denke aber auch, Journalisten sollten sich mehr Mühe machen, in die Wissenschaftsliteratur einzusteigen, wie sie das etwa in Physik oder Biologie auch tun und die Dinge finden, die relevant und interessant sind. Das auch noch von den Wissenschaftlern selbst zu verlangen, halte ich für übertrieben.

Was können andere Studenten von den aktuellen Finalisten lernen? Sollten sie sich auch verstärkt auf die Arbeit über Disziplinen hinweg vorbereiten, statt sich zu sehr in ökonomische Modelle zu vertiefen?
Das eine geht nicht ohne das andere. Man braucht zuerst ein Rüstzeug und eine solide Basis in seinem eigenen Forschungsgebiet. Sonst kann man nicht in den interdisziplinären Dialog einsteigen. Dazu braucht man dann aber eine gemeinsame Sprache mit anderen Disziplinen.

Stärkt das die Rolle von Studiengängen an den Schnittstellen zwischen Fächern, wie etwa Wirtschaftsingenieurwesen oder Wirtschaftsinformatik?
Durchaus. Leute, die zwischen den Welten vermitteln können und beide Sprachen sprechen, sind immer hilfreich. Man darf die Interdisziplinarität aber nicht übertreiben.

Wie meinen Sie das?
Das Studienangebot ist für Anfänger mittlerweile nicht mehr überschaubar. Es gibt inzwischen hunderte wenn nicht tausende von Mischfächern. Was studierst du? Irgendwas mit Wirtschaft.

Und was stört Sie daran?
Ich glaube, dass die gesunde Basis in einem Fach dadurch zu kurz kommt. Wenn man gleich von Anfang an versucht, zwei Fächer zu verknüpfen, die man beide noch gar nicht verstanden hat, ist der Mehrwert dieser Kombination auch nicht sehr groß. Ich bin der Auffassung, dass es uns allen gut tun würde, wenn sich die Vielzahl an interdisziplinären Studienangeboten ein wenig konsolidieren würde.

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