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WirtschaftsWoche Supermaster Es kann nur einen geben

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Die digitale Welt ins analoge Geschäft bringen

Gegen die Essensverschwendung

Die Nahrungsmittelindustrie trägt maßgeblich zum Klimawandel bei. Das ist kaum zu vermeiden, denn die Menschheit muss essen. Doch ein Drittel bis die Hälfte der Lebensmittelproduktion landet irgendwann im Müll. Supermaster-Kandidatin Wiebke Hagedorn versucht dieses Problem besser zu verstehen und hat dazu die Lebensmittelverschwendung der deutschen Bevölkerung genauer analysiert.

Hagedorns erste Schlussfolgerung: Wenn weniger Lebensmittel im Abfall landen hilft das der Umwelt – aber nicht so sehr, wie erwartet. So genannte Rebound-Effekte führen dazu, dass durch Abfallvermeidung gespartes Geld für andere umweltschädliche Dinge ausgegeben wird. Um das zu verhindern, müsste man Verbraucher dazu bringen, anders zu konsumieren. „Beispielsweise könnten die Verbraucher die monetären Einsparungen aus Lebensmittelabfälle für Bio-Lebensmittel ausgeben“, schreibt Hagedorn.

Eine weitere Einsicht Hagedorns: Die größten CO2-Ersparnisse können die oberen Einkommensschichten generieren – die Politik sollte ihre Bemühungen deshalb auf diese Zielgruppe konzentrieren.

Der Rebound-Effekt bei der Vermeidung von Lebensmittelabfällen - Eine Analyse der Einkommensabhängigkeit in deutschen Privathaushalten

Bergische Universität Wuppertal, Sustainability Management

Zu nett für den Chefsessel?

In deutschen Chefetagen ist Gleichberechtigung noch lange nicht angekommen: Gerade mal ein Fünftel aller Führungspositionen ist mit Frauen besetzt. Klar ist: Es liegt nicht daran, dass Männer schlauer wären als ihre weiblichen Konkurrentinnen. Supermaster-Kandidatin Ann-Christin Heilig untersuchte deshalb, ob andere Faktoren wie Persönlichkeit oder soziale Präferenzen den so genannten Gender Gap in Führungsetagen bestimmen.

Dazu analysierte Heilig einen umfangreichen Datensatz aus verknüpften Arbeitnehmer- und Arbeitgeberdaten. Ihr wichtigstes Ergebnis: „Altruistische Frauen haben eine signifikant geringere Wahrscheinlichkeit, eine Führungsposition innezuhaben, im Vergleich zu männlichen Befragten im allgemeinen und weiblichen weniger altruistischen Probanden.“ Die geringere Führungsmotivation von Frauen würde sich hauptsächlich durch ihre hohen Werte der Persönlichkeitsdimension Neurotizismus und der Präferenz für Altruismus erklären. Diese Mechanismen gelte es besser zu verstehen, um langfristig Geschlechtergleichheit auf allen Hierarchieebenen zu erreichen, schreibt Heilig.

Die weibliche Selektion in Führungsposition und die Rolle von Persönlichkeit und Präferenzen – Eine empirische Untersuchung anhand des Linked Personnel Panels

Universität zu Köln, Business Administration (Corporate Development)

Verkaufsmaschinen im Kundendienst

Es ist einer der größten Handelstrends des vergangenen Jahrzehnts: Während Menschen verstärkt bei Onlineversendern einkaufen, leiden stationäre Einzelhändler. Viele Kunden ziehen die unkomplizierte digitale Form des Einkaufs dem Shoppingerlebnis im Laden vor. Wie Einzelhändler diese Kundengruppe zurückgewinnen können, hat Supermaster-Kandidatin Jasmin Kaufmann erforscht.

Ihr Vorschlag: Die digitale Welt ins Geschäft bringen, indem im stationären Handel Serviceroboter Kunden bedienen. In ihrer Arbeit analysiert Kaufmann, warum gerade dadurch „technologieaffine, interaktions- und beratungsscheue Konsumenten“ ein besseres Kauferlebnis beschert werden könnte. Ihre Empfehlung: „Der Roboter sollte kundenorientiert und menschlich handeln, sodass Konsumenten Spaß mit dem Roboter haben.“

Analyse der Akzeptanz und Nutzungsintention von Service Robotern am Point of Sale des Einzelhandels für Consumer Electronics – Empirische Untersuchung des Potenzials zur Steigerung der Attraktivität gegenüber dem Online-Handel in verschiedenen Kundensegmenten unter Anwendung einer Mehrgruppenkausalanalyse

Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes, Marketing Science

Warum gut gemeint nicht gut gemacht ist

Lässt man das Licht länger an, weil man Energiesparlampen verwendet? Fährt man mehr, weil das eigene Auto weniger Sprit verbraucht? Mit Fragen wie diesen hat sich Supermaster-Kandidat Georg Kobiela beschäftigt. Er hat so genannte Rebound-Effekte klassifiziert, die auftreten, wenn ein technischer Effizienzgewinn, der eigentlich zu geringerem Ressourcenverbrauch führen sollte, durch verstärkte Nachfrage abgeschwächt wird. Im schlimmsten Fall, beim so genannten „Backfire“-Effekt, ist das Ergebnis sogar schädlicher als zuvor.

Kobiela schreibt: „Während Techno-Pessimisten dazu neigen, sie (Rebound-Effekte, Anm. d. Red.) überall zu finden, als sehr groß anzunehmen, und technologischen Wandel durch die Annahme eines groß angelegten „Backfire“ und anderer ökologisch relevanter Risiken abzulehnen, neigen Techno-Optimisten dazu, den Erfolg von Effizienzmaßnahmen als sicher vorauszusetzen.“ Kobiela ist irgendwo dazwischen anzusiedeln. In seiner Arbeit plädiert er vor allem für eine Komplexitätsreduktion wirtschaftlicher Prozesse, um Rebound-Effekte besser beherrschbar zu machen.

Klassifizierung von industriellen Rebound-Effekten und deren Relevanz für den gesamtwirtschaftlichen Energiebedarf

Uni Witten/Herdecke, Philosophy, Politics and Economics

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