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Wissenschaftlicher Nachwuchs Keine Garantie für den Doktortitel!

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Die Inflation der Titel bestraft die wirklich Guten

In Berkeley und Harvard wurde von uns erwartet, wenn es auch nicht explizit ausgesprochen wurde, dass wir alle Professoren werden sollten. Trotzdem wurden meist zehn bis 30 Prozent nach ein bis zwei Jahren „rausgeprüft“ und nochmals 20 bis 30 Prozent gaben von alleine auf. Zwischenprüfungen, die es im deutschen Doktorandensystem nicht gibt, und der immense Leistungsdruck in den USA, wo von den Doktoranden erwartet wird drei bis fünf Publikationen als Erstautor in fünf Jahren zu produzieren, führen zu diesen hohen Abbrecherquoten selbst unter den Topbewerbern aus der ganzen Welt. An deutschen Universitäten haben wir keinen so großen, talentierten und motivierten Bewerberpool wie in Stanford oder Princeton.

Die besten Hochschulen für Gründer
Platz 3Beratung und Budget, Netzwerke und Nestwärme: Diese Kriterien legte der Gründungsradar des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft an. In der Kategorie "Kleine Hochschulen" (bis 5.000 Studierende) kam die Universität Witten/Herdecke auf den dritten Rang. Quelle: Presse
Platz 2Kategorie: Kleine Hochschulen (bis 5.000 Studierende) PFH Private Hochschule Göttingen Quelle: Presse
Platz 1Kategorie: Kleine Hochschulen (bis 5.000 Studierende) HHL Leipzig Graduate School of Management Quelle: Presse
Platz 3Kategorie: Mittelgroße Hochschulen (5.000 bis 15.000 Studierende) Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Quelle: dpa-dpaweb
Platz 2Kategorie: Mittelgroße Hochschulen (5.000 bis 15.000 Studierende) Brandenburgische Technische Universität Cottbus Quelle: dpa-dpaweb
Platz 1Kategorie: Mittelgroße Hochschulen (5.000 bis 15.000 Studierende) Leuphana Universität Lüneburg Quelle: dpa
Platz 3Kategorie: Große Hochschulen (über 15.000 Studierende) Universität Potsdam Quelle: dpa

Wenn wir nun künftig nur längere Verträge für die voraussichtliche gesamte Dauer einer Doktorarbeit vergeben, dann muss es auch einen Mechanismus geben, diese Verträge wieder zu kündigen – nach objektiven und nachvollziehbaren Kriterien. Wenn jemand sich trotz anfänglichem Enthusiasmus und scheinbarer Begabung als ungeeignet erweist für eine Forschungsleistung, die einem Doktortitel entspricht, muss es möglich sein, ihm zu kündigen. Je früher desto besser. Das klingt vielleicht herzlos, aber es spart am Ende Lebenszeit für den Doktoranden und Doktorvater und Geld für den Steuerzahler.

Die Realität an deutschen Universitäten ist, dass es schlicht als sozial unverträglich angesehen wird, jemandem nach drei bis vier Jahren keinen Doktortitel zu geben. Diese Inflation der unverdienten Gnadentitel bestraft aber wieder einmal die wirklich Guten, Fleißigen und Talentierten. Und dieses übersoziale Verhalten schadet dem Ansehen der deutschen Universitäten. Wenn unsere „Exzellenzinitiative“ ihrem Namen gerecht werden soll, dann muss es wieder etwas bedeuten, einen Doktortitel oder eine Habilitation von einer unserer Topuniversitäten verliehen zu bekommen. Nur so erhöhen wir unsere Reputation. Und nur dann werden auch wieder die besten Studenten der Welt versuchen, einen Titel einer deutschen Universität zu erhalten - statt den einer englischen oder amerikanischen Eliteuniversität.

In Arbeit
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Die Doktorarbeit ist in erster Linie ein Privileg, sich weiterbilden und qualifizieren zu dürfen - sie ist kein Angestelltenverhältnis. Sie ist kein „Job“ wie man auf Neudeutsch sagt. Ein einmal unterschriebener Vertrag darf kein Persilschein sein, aufgrund dessen man nach drei bis vier Jahren eine immer weniger wertvolle Doktorurkunde erhält. Nur weil Professoren sich nicht getraut haben, einem Doktoranden zu sagen, dass er sich besser einen anderen Beruf suchen sollte, weil er nicht zur Wissenschaft berufen ist.

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