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World University Ranking „Die besten Unis der Welt warten nicht“

Studierende sitzen vor einem Gebäude der TU München. Quelle: imago images

In internationalen Hochschulrankings stehen deutsche Universitäten nie an der Spitze. Ben Sowter, der Forschungsdirektor der Bildungsberatung Quacquarelli Symonds betreut eines der größten Rankings. Im Interview erklärt er, woran das liegt und wie die deutsche Hochschulpolitik gegensteuern könnte.

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Ben Sowter leitet die Forschungsabteilung von QS, einem der größten Anbieter von internationalen Hochschulrankings. In der neuesten Version des World University Rankings ist die beste deutsche Uni die TU München auf Platz 55, gefolgt von der LMU München auf Platz 63 und der Universität Heidelberg auf Platz 66.

WirtschaftsWoche: Herr Sowter, Ihre Ranglisten lassen das deutsche Hochschulsystem regelmäßig alt aussehen. Im aktuellen QS World University Ranking zum Beispiel landet die erste Hochschule aus Deutschland, die TU München, auf Platz 55. Woran liegt das?
Ben Sowter: Auf der ganzen Welt sitzen Interessenvertreter, die gerne ihre eigenen Hochschulen unter den besten sehen wollen. Wir können aber nicht 150 Universitäten in den Top 10 haben, das liegt in der Natur der Sache. Dabei ist es bereits eine beachtliche Leistung, überhaupt in unserem Ranking aufzutauchen. Denn damit gehört man schon zu den besten fünf Prozent unter den Hochschulen dieser Welt.

Das heißt, mit Platz 55 sind wir Deutschen gut bedient?
Es kommt darauf an, welche Ziele man mit seiner Hochschulpolitik verfolgt. Findet man es besser, einige wenige Unis so zu fördern, dass sie es in die Weltspitze schaffen? Oder streut man Fördermittel lieber breiter und hat viele sehr gute, aber kaum exzellente Hochschulen? Für Wirtschaft und Gesellschaft ist die letztere Variante wahrscheinlich besser.

Das entspricht wohl auch eher der deutschen Hochschulpolitik.
In England sagt man, die steigende Flut hebt alle Boote gleichermaßen an. So handelt wohl auch die deutsche Politik. Aber so denken eben nicht alle Länder.

Wenn die Ansätze so unterschiedlich sind, warum sollte man sich dann überhaupt auf internationale Rankings verlassen?
Ein guter Punkt. Wir legen zum Beispiel viel Wert auf Forschungspublikationen. In Deutschland findet aber ein großer Teil der Grundlagenforschung außerhalb von Universitäten statt, zum Beispiel an Max-Planck-Instituten. Das macht es schwer, den Output verlässlich zu messen, obwohl es oft die gleichen Menschen sind, die sowohl an Unis als auch an außeruniversitären Instituten forschen. In Frankreich oder Russland hat man darauf reagiert und zum Beispiel staatliche Wissenschaftsakademien und Universitäten zusammengelegt.

Das heißt, Ihre Rankings sind eigentlich falsch?
Der britische Statistiker George Box hat einmal gesagt: Alle Modelle sind falsch, aber manche von ihnen können nützlich sein. Unter dieser Prämisse arbeiten wir auch. Alle Hochschul-Rankings betrachten eine Handvoll Kriterien – und die hängen stets von der Kultur und der Zeit ab, in der die Listen entwickelt wurden. Ich glaube nicht, dass irgendein Rankinganbieter behaupten würde, ein allumfassendes Maß für die Qualität von Forschung und Lehre zu liefern.

Dabei berufen sich Entscheider in Hochschulen und Politik immer wieder darauf.
Ich würde mich höchst unbehaglich dabei fühlen, wenn Länder unsere Kriterien als Blaupause für zukünftige Universitäten nähmen. Das würde eine große Homogenisierung bedeuten. Jeder würde das Gleiche tun und das wäre sehr schlecht. Ich rate keinem Politiker, sich nur nach Rankings zu richten.

Arbeiten Sie denn mit deutschen Universitäten in dieser Frage zusammen?
Wir haben hier und da Beratungsaufträge gehabt, aber deutsche Universitäten sind ökonomisch ganz anders aufgestellt als ihre internationalen Konkurrenten. Es gibt keine Studiengebühren, noch nicht einmal für ausländische Studierende. Sie haben auch deshalb nicht das Budget, um sich häufig solche Beratungsdienstleistungen einzukaufen.

Das macht den internationalen Vergleich doch noch weniger verlässlich: Die hoch gelisteten Unis haben um ein Vielfaches mehr Geld zur Verfügung.
Schauen Sie sich Fußballmannschaften an! Die spielen besser, wenn sie mehr Geld haben, um bessere Spieler zu kaufen. Und aus dem gleichen Grund sind besser ausgestattete Unis auch höher in den Rankings. Es gibt aber auch immer Ausreißer, die es schaffen, durch harte Arbeit und schlaue Ideen besser zu sein, als sie aufgrund ihres Budgets sein müssten. Ich bin sicher, auf einige deutsche Institutionen trifft das zu.

In Deutschland hat die Regierung auch durch die Exzellenzinitiative versucht, dieses Problem anzugehen. Hat das funktioniert?
Das ist ein kluger Plan, wenn man international mithalten will. Aber es ist ja nicht so, als würde im Rest der Welt niemand etwas in höhere Bildung investieren. Ich würde daher eher sagen, ohne die Exzellenzinitiative hätte man schnell Plätze an andere Universitäten verloren, die sich ebenso stetig verbessern. Und die besten Unis der Welt warten auch nicht darauf, dass die deutschen Hochschulen aufholen.

Kritiker an der Initiative sagen, diese Art der Elitenbildung sei schädlich.
Ich würde das eher als Differenzierung bezeichnen. Wir können nicht wollen, dass jede Uni gleich ist. Manche sollen viele Studierende bedienen, andere wenige, manche sollen generalistischer an Forschung und Lehre herangehen, andere spezialisierter, manche industrieorientiert, andere eher mit der Grundlagenforschung im Blick. Und manche sollen sich eben stärker an der internationalen Konkurrenz orientieren. Wenn alle das Gleiche täten, gäbe es in Zukunft nur noch ähnliche Ideen und Fähigkeiten.

Knapp 138.000 Studenten haben im vergangenen Jahr den Master an einer deutschen Hochschule gemacht – doch die meisten Masterarbeiten verschwinden nach dem Abschluss auf ewig in der Versenkung. Dabei schlummern in vielen Arbeiten wertvolle Ideen – und die haben eine Bühne verdient. Deshalb suchen wir auch in diesem Jahr gemeinsam mit dem Bundesverband Deutscher Volks- und Betriebswirte den „Supermaster“. Die Bewerbung ist noch bis zum 29.2.2020 möglich.

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