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Zentralabitur Kultusministerkonferenz berät über Standards

Seit Jahren debattieren die Kultusminister der Länder über die Vergleichbarkeit des Abiturs. In Hamburg soll der Weg dafür geebnet werden, dass von 2017 an in vier Kernfächern gleich schwere Prüfungen am Ende der gymnasialen Oberstufe geschrieben werden.

Für die Schüler des Anton-Bruckner-Gymnasiums in Straubing bereits eine Realität: das Zentralabitur im Bundesland Bayern. Quelle: dpa

Der Weg für bundesweit einheitliche Abiturstandards ab dem Jahr 2017 ist frei. Die Kultusminister der Länder haben sich nach dpa-Informationen am Donnerstag in Hamburg auf einheitliche Leistungsanforderungen in vier Kernfächern geeinigt. Demnach sollen in Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch erstmals 2017 überall gleich schwere Abituraufgaben gestellt werden. Nach dpa-Information kam der Beschluss in großer Einigkeit zustande.

„Ich glaube, dass es eine wichtige und richtungsweisende Weichenstellung für Deutschland ist“, hatte der niedersächsische Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) der Nachrichtenagentur dpa vor den abschließenden Beratungen gesagt. Die nordrhein-westfälische Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) erklärte, es gehe darum, Verbindlichkeit und Gleichwertigkeit zu regeln, aber eben nicht um ein Einheitsabitur in Deutschland.

Niedersachsen will zusammen mit fünf weiteren Ländern, darunter Hamburg, schon 2014 gemeinsame Prüfungen einführen. Die jahrelangen Diskussionen seien sehr zäh gewesen, so die Begründung für das zeitliche Vorpreschen. Am Freitag soll im Hamburger Rathaus präsentiert werden, wie die einheitlichen Leistungsanforderungen im Detail aussehen.

Nachdem sich die Minister bereits im März auf Bewertungskriterien geeinigt hatten, ging es nun um deren Konkretisierung. Dafür bestätigte die Kultusministerkonferenz (KMK) die vom Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) erarbeiteten Kriterien. Diese beschreiben, was ein Schüler am Ende der gymnasialen Oberstufe können soll.

Wo die Schulen am besten sind
Schülerinnen schreiben am 28.02.2012 in einem Gymnasium in Frankfurt am Main ein Diktat Quelle: dpa
Schülerinnen und Schüler der Klassen drei und vier der Grundschule Langenfeld Quelle: dpa
SaarlandStärken: Im Saarland machen 51,9 Prozent das Abitur. Das ist über Bundesdurchschnitt und befördert das Land damit in die Spitzengruppe im Ländervergleich. Auch in puncto Integration ist das Saarland weit vorne: Nur 4,3 Prozent aller Schüler sind vom Regelschulsystem ausgeschlossen und werden in speziellen Förderschulen unterrichtet. Schwächen: Wirkliche Schwächen haben die Schulen beziehungsweise das Bildungssystem im Saarland laut dem Chancenspiegel nicht. In den einzelnen Bereichen der Kategorien Durchlässigkeit und Kompetenzförderung bewegt sich das Bundesland immer im Mittelfeld. So hat ein Kind auf einer sozial starken Familie eine dreimal höhere Chance, aufs Gymnasium zu gehen als ein Kind aus einer schwächer gestellten Familie. Das ist unschön, aber immer noch überdurchschnittlich gut. 15,9 Prozent aller Schüler in der Primar- und Sekundarstufe 1 besuchen eine Ganztagsschule (Bundesdurchschnitt: 26,9 Prozent). Ländervergleich: Untere Gruppe. Auch das Verhältnis 1:3,3 beim Wachsel der Schulform (pro Schüler, der von der Real- oder Hauptschule "aufsteigt", wechseln 3,3 Schüler vom Gymnasium auf die Realschule beziehungsweise von Real- zu Hauptschule) liegt noch unterhalb des Bundesdurchschnitts von 1:4,3. Auch im Lesen sind saarländische Schüler aud den vierten und neunten Klassen mittelmäßig. huGO-BildID: 25450255 ARCHIV - Schüler und Schülerinnen schreiben am 28.02.2012 in einem Gymnasium in Frankfurt am Main ein Diktat. Zu den Ergebnissen der Koalitionsrunde vom Wochenende gehört das Ziel, noch in dieser Wahlperiode eine Grundgesetzänderung zu erreichen, die das Kooperationsverbot von Bund und Ländern in der Bildungspolitik aufhebt. Foto: Frank Rumpenhorst dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa
Eine behinderte Schülerin sitzt am 01.11.2011 im Gebäude einer Integrierten Gesamtschule Quelle: dpa
Constanze Angermann steht vor dem Finale des Schreibkampfes "Frankfurt schreibt! - Der große Diktatwettbewerb" vor einer Tafel Quelle: dpa
 Ein Schulkind bearbeitet Schulaufgaben Quelle: dpa
Malstunde in der deutsch-chinesischen Kita im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg Quelle: dpa

„Es ist nicht das Zentralabitur, aber es bietet die Möglichkeit, die Hochschulreife mit Blick auf ganz Deutschland vergleichbarer zu machen und die Diskussion über die angeblichen Unterschiede in den Abiturprüfungen damit einem Ende zuzuführen“, beschrieb Althusmann die Erwartungen an die einheitlichen Leistungsanforderungen. Zudem würden Gymnasiasten durch gleiche Anforderungen in der Oberstufe leichter von einem Bundesland ins andere wechseln können.

Die bundesweite Einführung der gemenssmen Bildungsstandards ist für das Schuljahr 2014/2015 geplant. In den vier Kernfächern müssen die Schüler dann 2017 erstmals überall gleich schwere Abituraufgaben lösen. Sechs Ländern geht dieser Zeitplan aber nicht schnell genug. Daher wollen laut Althusmann Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Bayern, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern schon 2014 mit gemeinsamen Abiturprüfungen in den Fächern Mathematik, Deutsch und Englisch beginnen.

Zudem wurde am Rande der KMK mitgeteilt, dass Bund und Länder mit einer gemeinsamen Initiative das Sprach- und Lesevermögen von Kindern mit Migrationshintergrund fördern wollen. Ziel des auf fünf Jahre angelegten Programms sei es, dass alle Kinder eine noch bessere individuelle Sprach- und Leseförderung in den Kitas und Schulen erhielten. Die Initiative „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BISS) soll im Herbst 2013 starten. Dabei sollen auch bestehende Angebote auf ihre Wirksamkeit und Effizienz hin überprüft und weiterentwickelt werden.

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