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Corona-Folgen Die Pandemie spaltet die Arbeitswelt

Viel Applaus, wenig Geld: Die Pandemie hat die prekären Arbeitsbedingungen in der Pflege, hier Anlass eines Streiks in Berlin, in die öffentliche Aufmerksamkeit gebracht. Quelle: dpa

Das Coronavirus hat manche Arbeitnehmer zu Gewinnern, andere zu Verlierern gemacht. Für Unternehmen könnte die wachsende Ungleichheit zum Problem werden.

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Die Pandemie hat die Ungleichheit der Arbeitswelt unter ein Vergrößerungsglas gelegt. Darunter sah man Pflegepersonal, das, ohne Pausen und schlecht bezahlt, körperliche und geistige Schwerstarbeit an der Coronafront verrichtete. Daneben etwa die Angestellten in den Fleischzerlegebetrieben, deren Arbeitsorte sich als Virenschleudern erwiesen. Nicht zu vergessen, die Beschäftigten in Tourismus und Gastgewerbe, die durch immer neue Lockdowns ihre Jobs verloren. 

Und gleichzeitig konnte man die Controllerin oder den Datenanalyst beobachten, deren mühsamer Pendelweg wegfiel, weil sie plötzlich von zu Hause aus arbeiten konnten – und die dank digitaler Technologien überlegten, die teure Wohnung in der Stadt gegen ein Haus in der Provinz zu tauschen. Oder die programmierenden Digitalnomaden, deren schwerste Entscheidung darin bestand, ob sie ihre Codezeilen in den nächsten Wochen eher von einem Airbnb an der Algarve oder einem Campingplatz in Kroatien aus versenden sollten. 

Krisengewinner und Coronaverlierer

Eine aktuelle, repräsentative Studie des Versicherungskonzerns HDI fasst diese anekdotische Evidenz jetzt in Zahlen: Während ein Teil der Beschäftigten an Arbeitsqualität gewann, sank sie bei einem anderen Teil gleichermaßen. Dass die „wachsende Spaltung in der Berufswelt“, die die Studie konstatiert, auch durch Corona getrieben ist, zeigt die Befragung von rund 3700 Berufstätigen. 36 Prozent von ihnen gaben an, durch Corona eine positivere Einstellung zur Arbeit zu haben – die Krisengewinner. 

Besonders optimistisch gehen laut der Studie IT-Experten, Führungskräfte und Menschen mit einem Nettoeinkommen von mehr als 5000 Euro aus der Krise hervor. 15 Prozent der Befragten hatten dagegen durch Corona eine negativere Einstellung zur Arbeit –  die Coronaverlierer. Und: Beide Werte stiegen im Vergleich zum Jahr 2020 um drei Prozent – die Spaltung vertieft sich. 

Die Digitalisierung ist schuld

Als Treiber sowohl der positiven, als auch der negativen Stimmung sehen die Studienautoren die zunehmende Digitalisierung der Wirtschaft. Es gibt diejenigen, die durch flexiblere Arbeitszeiten, weniger Pendelwege, autonomere Strukturen aufblühen, die unter Umständen sogar mehr Gehalt, eine bessere Position oder gar einen Jobwechsel zu besseren Bedingungen bekommen. Oder deren Umstände all das nicht erlauben, für die Homeoffice entweder eine Illusion ist oder die zu Hause nicht nur arbeiten, sondern auch Kinder betreuen müssen oder deren Arbeit nicht einfach so zu digitalisieren ist. 



Die Konsequenz ist sowohl für die Unzufriedenen, als auch die Zufriedenen ähnlich – und sie könnte für Unternehmen ein Problem werden: Sie suchen ihr Heil in einer neuen Stelle. Ein Anteil von 27 Prozent der befragten Beschäftigten sagt voraus, dass die Bereitschaft zum Jobwechsel steigt. Vor einem Jahr lag dieser Wert noch bei 18 Prozent. 

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Jeder fünfte strebt im kommenden Jahr einen beruflichen Aufstieg an, fast jeder Dritte erwartet ein steigendes Einkommen. Doch auch hier wird die Ungleichheit deutlich: Während ein Teil der Arbeitnehmer aus einer Position der Stärke heraus etwas noch besseres sucht, treibt den anderen Teil die Not, weil die aktuelle Lage nicht mehr tragbar scheint. 

Mehr zum Thema: Die Zukunft der Arbeit ist durch die Pandemie zur Gegenwart geworden, sagt Raphael Gielgen. Hier verrät der Möbel-Trendscout, warum der Büroschreibtisch tot ist.

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