Hunde im Büro "Hunde nehmen die Spannung raus"

Studien haben gezeigt, dass Hunde in Büros das Arbeiten produktiver und die Kollegen ausgeglichener machen. Im Interview erklärt eine Hunde-Expertin, welche Tiere im Büro für Kreativität sorgen und welche nicht.

Kate Kitchenham: „Ausgeglichene Hunde nehmen die Spannung raus” Quelle: dpa

Viele Menschen sind Hundenarren, doch einige unter ihnen entscheiden sich trotzdem gegen eine Anschaffung. Sie befürchten, dass ihr stressiger Alltag durch einen vierbeinigen Freund noch komplizierter wird. Dabei kann ein Hund einen idealen Ausgleich zur hektischen Arbeitsroutine darstellen. Fernsehmoderatorin und Hundeexpertin Kate Kitchenham verrät im Gespräch, wann ein Hund die ideale Bürobegleitung ist und was es im Alltag zu beachten gibt.

WiWo Coach: Frau Kitchenham, können Hunde ein guter Ausgleich zum beruflichen Stress sein oder sollte man bei hoher Arbeitsbelastung lieber auf einen Hund verzichten?

Kate Kitchenham: Ein Hund bietet einen optimalen Ausgleich zu einem stressigen Arbeitsleben, weil er uns runterholt und von der ständigen Erwartungshaltung, mit der man im Job konfrontiert wird, ablenkt. Hunde genießen den Moment und können auch uns das gut beibringen.

Zur Person

Wie sehr wir aber aus unserem Hund Entspannung schöpfen, hängt maßgeblich davon ab, wie glücklich dieser ist. Dafür braucht er eine gute Beziehung zu seinem Menschen und eine klare Anleitung fürs Leben an unserer Seite. Erst ein ausgelasteter Hund, der weiß, wie er sich benehmen soll, kann uns entspannen. Ein Hund, der an der Leine zieht, Probleme und Ärger macht, weil er keine Regeln kennt und zu viel Energie hat, der entspannt unser Leben nicht, sondern stresst es zusätzlich.

Gibt es Rassen, die besser zu gestressten Typen mit hektischem Alltag passen?

Es kommt darauf an, was für ein Freizeittyp man selbst ist. Wenn ich gerne aktiv bin und was ganz anderes machen möchte, als im Büro, dann kann ein fordernder Hund genau das Richtige sein, zum Beispiel ein Retriever. Ein solcher möchte natürlich beschäftigt werden, zum Beispiel mit Apportiertraining oder einer Fährtensuche. Wenn ich also gerne draußen bin, und was mit meinem Hund lerne, ist das eine toller aktiver Begleiter, gerade für einen Menschen, der viel im Büro stillsitzen muss.

Wenn ich aber jemand bin, der Lust auf Gesellschaft hat und nur mal ein wenig spazieren gehen möchte, passt vielleicht ein Mops. Ich warne allerdings immer davor, Hunderassen in einen Topf zu werfen. Ein Mops passt sich gut an und kann häufig deshalb so wenig, doch wenn man ihn entsprechend fördert, kann er unheimlich viel lernen. Ein Hund, der viel lernt ist ein ausgeglichener Begleiter. Egal welche Rasse, ich sollte mich immer darum bemühen, dem Hund auch gerecht zu werden und ihn geistig auszulasten.

Es gibt Studien, die belegen, dass Hunde in Büros das Arbeiten produktiver und die Kollegen ausgeglichener machen. Sind Sie für oder gegen Hunde im Büro?

Theoretisch bin ich total dafür. Hunde bringen Menschen in Kontakt, weil sie unvoreingenommen sind. Wenn zum Beispiel eine schwierige Gesprächssituation entsteht, können Hunde sowas aufbrechen. Sie lenken dann ab, weil sie als Tiere einfach spontan sind. Sie sorgen für Belustigung und nehmen die Spannung raus. Außerdem ist ein Hund grundsätzlich für eine bessere, entkrampftere und weniger gestresste Stimmung gut.

Allerdings gehe ich hier von einem fröhlichen, unvoreingenommenen und ausgeglichenen Hund aus. Sowas funktionierte nicht mit jedem Hund. Es gibt bei Hunden, wie bei uns Menschen, große Persönlichkeitsunterschiede. Deswegen würde ich niemals pauschal sagen: Ja, bringt alle eure Hunde mit zur Arbeit. Das ist etwas, wo man sich genau überlegen muss, ob es zum Hund passt und ob er gut genug erzogen ist, um keine Belästigung darzustellen. Eine wichtige Frage ist auch: Bin ich in der Lage, auf meinen Hund Acht zu geben, ohne meine Arbeit zu vernachlässigen?

Knigge für das Großraumbüro

Wie bereitet man den eigenen Hund auf das Büroleben vor?

Erstmal sollte man das richtig gut mit dem eigenen Chef oder der Chefin durchsprechen. Dann empfiehlt sich eine Probephase. Also, am besten den Hund langsam an das Büro gewöhnen, sodass es nicht gleich von Null auf Hundert acht Stunden am Tag sind. Dann umgeht man auch, dass der Hund sich gleich überfordert fühlt.

Wie geht man als Kollegin oder Kollege mit einem fremden Hund richtig um?

Am besten so, wie mit jedem Hund. Man sollte sich nicht aufdrängen, sondern dem Hund lieber ein Angebot machen. Wenn der Hund reinkommt, sollte man sich nicht über ihn beugen, denn das nehmen sie häufig als bedrohliche Geste wahr. Besser ist es, sich seitlich zum Hund zu stellen, sich hinzuhocken und die Hände unten zu lassen, sodass der Hund an einem schnuppern kann. Wenn man merkt, der Hund bietet das an, dann kann man ihn an den Körperseiten von vorne nach hinten streicheln. Wenn man einem Hund sehr vertraut ist, dann kann man ihm auch auf den Kopf streicheln. Es ist ein bisschen wie bei uns Menschen, wir nehmen uns bei der ersten Begegnung schließlich auch nicht gleich innig in den Arm. Vertrauen wächst mit der Zeit. Das gilt nicht nur für den Kollegen, sondern auch für dessen Hund.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%