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James E. McGoldrick Bewundert, beneidet, kritisiert

Ex-Investmentbanker James E. McGoldrick ist zum Chef von Deutschlands führender Fitness Company aufgestiegen - und sorgt mit Werbeaktionen wie bei Tchibo für Unmut. Künftig will er eine neue Zielgruppe anvisieren und mit den Krankenkassen Geschäfte machen.

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Fitness-Company-Chef James McGoldrick. Quelle: PR

FRANKFURT. Richtig wohl gefühlt hat er sich nicht: Muskelprotze in Achselhemden, Aussteller in Ballonseidenanzügen, Einkäufer mit Rucksack und Turnschuhen.

Als James E. McGoldrick 1991 zum ersten Mal die "Fibo" besuchte, kam er sich vor wie ein Fremdkörper. Das dunkelblonde Haar korrekt frisiert, zum Anzug einen ordentlichen Hemdkragen - so stakste der Investmentbanker über die weltgrößte Fitness-Messe.

Wenn McGoldrick in diesen Tagen wieder die Fibo besucht, die Fitnessmesse startet heute in Essen, wird er nicht mehr der einzige Sakkoträger sein. "Die Messe ist über die Jahre viel professioneller geworden", sagt der 48-Jährige. Banker, Unternehmensberater, EDV-Experten sind heute genauso vertreten wie Hantel-Hersteller und Verkäufer von Eiweiß-Drinks. Die Messe ist ein Spiegelbild der Branche: Aus einem Markt mit zigtausend Trainingsbuden und fragwürdigem Ruf ist eine professionelle Industrie mit Studio-Ketten, Luxusanbietern und Finanzinvestoren geworden.

Und so kommt es, dass McGoldrick heute - 16 Jahre später - Herr über Deutschlands größte Fitness-Kette ist, die Fitness Company (Fitcom). Zugleich verantwortet er als Vorstand des weltgrößten Clubbetreibers, Fitness First, dessen Europaexpansion. Vor fünf Jahren hat das englische Unternehmen Fitcom übernommen.

Heute ist McGoldrick vielen ein Dorn im Auge, denn Fitcom wächst dank aggressiver Werbeaktionen, wie jetzt bei Tchibo, und britischer Geldgeber ungehemmt, während hiesige Studiobetreiber nicht mal - wie man in der Branche munkelt - einen Kleinkredit bekommen. Voriges Jahr erhöhte das Unternehmen mit 1 000 Festangestellten und 3 000 Honorarkräften seinen Umsatz um acht Prozent auf 131 Millionen Euro. Die Zahl der Mitglieder stieg um neun Prozent auf 265 000 Mitglieder. Der Gesamtmarkt wuchs dagegen um weniger als zwei Prozent.

McGoldrick stieg 1990 in den Fitnessmarkt ein. Damals hatte der Amerikaner zusammen mit seinem Trainingskollegen Marcel Franke, einem McKinsey-Berater, gerade den Fitness-Club "Judokan" auf der Frankfurter Zeil gekauft. "Als reines Privatinvestment", sagt er.

Seitdem hat sich die Branche verändert. Es mache ihn schon stolz, dass Sport in Fitness-Studios modern geworden sei, sagt er leise und wirkt fast ein wenig schüchtern, und dass er als Amerikaner seinen Teil dazu beigetragen habe, noch viel mehr. "Ich wurde oft von Freunden und Bekannten belächelt", erzählt McGoldrick. Er, der das Investment-Banking von der Pike auf gelernt hat und sich bis zum Vice President bei Morgan Stanley hocharbeitete. Er, der sich über die Jahre aber auch selbst fit gehalten hat und seine Leibesübungen heute in seinem privaten "Mini-Gym" in Frankfurt macht.

"Ich hätte selbst nie gedacht, dass ich Fitnessunternehmer werden würde", sagt der Betriebswirt mit MBA-Abschluss in fast akzentfrei-em Deutsch. "Aber wir haben An-fang der neunziger Jahre schnell gesehen, dass es sehr viel Wachstumspotenzial gibt." McGoldrick spricht ruhig und kontrolliert, selten hört man ihn laut lachen. Wegbegleiter beschreiben ihn als nüchtern und pragmatisch, aber durchaus mit Charme.

Das sehen nicht alle so: Mitglieder beschweren sich in Internetforen darüber, dass Fitcoms Vertragsbedingungen unseriös seien, die Gebührenzusammensetzung intransparent und der Kundenservice mau. Birgit Schwarze, Präsidentin des Deutschen Sportstudioverbandes, bemängelt, dass Fitcom "Preisbrecherangebote" mache, um Mitglieder zu gewinnen, und Beiträge dann später erhöhe. Derzeit wirbt Tchibo zu Beginn der Freizeitsaison mit einem "sportlichen Angebot" der Fitness Company.

McGoldrick stellt sich der Kritik. Eine Geschäftspolitik wie in den Internetforen beschrieben, könne man sich gar nicht erlauben. "Wir sind sehr kundenfreundlich und sehr, sehr kulant." Nur zufriedene Kunden würden schließlich Empfehlungen aussprechen.

Vielleicht liegt die Wahrheit irgendwo zwischen den beiden Standpunkten. Ein Wegbegleiter erzählt, dass McGoldrick keine heiligen Kühe kenne. Was sinnvoll sei, werde gemacht. Die Kritik, dass Fitness Company den Markt aufräumt und von Eigentümern geführte Clubs zum Aufgeben zwingt, lässt er nicht gelten. "Der Markt ist und bleibt fragmentiert. Bei 5 500 Studios in Deutschland haben wir gerade mal einen Marktanteil von zwei Prozent", sagt McGoldrick.

Auch Volker Ebener, Gründer der Fibo-Messe, verfolgt die Arbeit des Unternehmers und weiß, dass McGoldricks Erfolg so manchen stört. "Er ist eine Konkurrenz für viele. Aber er macht ein sauberes Geschäft. Ich wüsste nicht, was man ihm vorwerfen kann", sagt er.

Seit Übernahme der Muttergesellschaft durch den Finanzinvestor BC Partners, der sie 2005 für 1,2 Milliarden Euro von der Beteiligungsgesellschaft Cinven gekauft hat, ist das Wachstumstempo noch einmal gestiegen: Rund zehn Clubs sollen dieses Jahr eröffnet werden, der Um-satz auf mehr als 140 Millionen Euro wachsen. "Langfristig kann ich mir 250 bis 300 Filialen in Deutschland vorstellen", sagt McGoldrick. Sogar Franchise-Studios in Städten unter 100 000 Einwohnern seien denkbar.

Künftig will er das Angebot für über 50-Jährige ausbauen. Auch in der Kooperation mit Krankenkassen sieht er Chancen und im Gastronomiegeschäft der Clubs.

Um sein Tagespensum zu schaffen, sitzt der Vater von drei Kindern häufig bis in den späten Abend im Büro. Da klingt es fast merkwürdig, dass sein Gründerkollege Franke, der das Unternehmen inzwischen verlassen hat, McGoldrick als Bremser bezeichnet. "Ich war immer der Treiber, er der nüchterne Zahlenorientierte", sagt er. Aber schließlich müsse auch jemand die Bremse betätigen, damit ein Auto nicht aus der Kurve fliege.

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