Arbeitgeberranking Eintagsfliege Tesla? Wo Deutschlands Ingenieure arbeiten wollen

Arbeiter warten am frühen Morgen an einem Eingang zur Tesla-Autofabrik Grünheide. Quelle: imago images

Die deutschen Autokonzerne erobern ihren Spitzenplatz in der Beliebtheit bei Ingenieuren zurück. Nur ein heimischer Hersteller enttäuscht.

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Einmal im Jahr kürt die Employer-Branding-Beratung Universum Deutschlands beliebteste Arbeitgeber, die WirtschaftsWoche berichtet darüber seit langem regelmäßig. Und eine Sache kam dabei jedes Jahr ungefähr so überraschend wie Weihnachten: Bei den Ingenieuren liegen die deutschen Autokonzerne vorn.

Umso erstaunlicher war dann, was im vergangenen Jahr passierte. Auf einmal war Tesla da – und wie. Der amerikanische E-Autohersteller hatte da mit viel medialer Aufmerksamkeit begonnen, nahe Berlin seine erste europäische Gigafactory zu bauen.

Und die deutschen Ingenieure konnten den dortigen Produktionsbeginn offenbar kaum erwarten: Zuvor überhaupt nicht im Ranking vertreten, stürmte Tesla gleich auf dem zweiten Platz, jeder fünfte Absolvent in einem ingenieurwissenschaftlichen Studium gab in der Universum-Befragung an, gerne bei Tesla arbeiten zu wollen. Auch in anderen Fachbereichen schoss die Beliebtheit in die Höhe.

Porsche ist zurück – und weiter vorn denn je

Doch nun zeigt sich: Bei allem Pioniergeist, den Tesla in den vergangenen Jahren bewiesen hat, ein bisschen Hype war offensichtlich auch dabei. In diesem Jahr nämlich sieht die Ingenieurswelt schon wieder deutlich anders aus.

„In der Wahrnehmung der Ingenieure rücken sich ein Stück weit wieder die Dinge zurecht, die in den vergangenen Jahren ins Wanken gekommen waren: Die deutschen Autobauer sind zurück an alter Stelle“, sagt Tina Smetana, die bei Universum das deutsche Geschäft verantwortet.

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Ganz oben in der Beliebtheit liegt wie im Vorjahr Porsche, mit größerem Abstand denn je. Knapp 26 Prozent aller Ingenieure würden gerne bei dem Konzern arbeiten, auf dem zweiten Rang folgt mit deutlichem Abstand Mercedes (19,2 Prozent). Auch der Stuttgarter Konzern aber hat in der Beliebtheit der Ingenieure zugelegt, ebenso wie BMW (plus 0,4 Prozentpunkte) und Volkswagen (plus ein Prozentpunkt).

Ganz anders ergeht es Tesla. Der Konzern büßt knapp 3,3 Prozentpunkte ein, liegt nur noch auf dem sechsten Platz. Teslas Höhenflug war offenbar nur kurzfristig, bis auf Audi legen alle einheimischen Marken stark zu.

Universum-Managerin Smetana hat dafür eine Erklärung: „Jetzt, wo immer noch nicht viel mehr über das konkrete Arbeitsklima bei Tesla bekannt ist, ändern viele Studierenden offenbar ihre Meinung“, sagt sie – und dürfte sich über die jüngst bekanntgewordenen Kündigungsdrohung von Tesla-Chef Elon Musk an Mitarbeiter im Homeoffice bestätigt fühlen.

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Auch für den Erfolg der einheimischen Konzerne hat Smetana eine Begründung: „Möglicherweise profitieren die deutschen Konzerne davon, dass sie wieder mehr mit attraktiven Produkten, Markterfolg und Prestige verbunden werden und diese Themen für Studierende zunehmend attraktiv sind.“

Allerdings gelingt es mit Ford (plus 9 Plätze) auch einem internationalen Konzern, sich im Ranking deutlich zu verbessern. Auch hier mag es eine Rolle gespielt haben, dass die Position der in Köln angesiedelten europäischen Forschungseinheit im Konzern zuletzt gestärkt wurde.

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Ein deutscher Konzern fällt allerdings aus der Reihe: Audi. Zwar kann die Volkswagen-Tochter den dritten Rang halten, sie wird jedoch deutlich seltener (minus 0,7 Prozentpunkte) als im Vorjahr von den Ingenieuren genannt.

Auch unter Informatikern und Naturwissenschaftlern verliert das Unternehmen. Hier könnten die von Universum-Expertin Smetana genannten Faktoren als Erklärung herhalten: Während es Porsche und Volkswagen zuletzt gelungen ist, sich als neue Vorreiter in der E-Mobilität zu präsentieren und Mercedes mit Fortschritten beim autonomen Fahren von sich Reden machte, blieben solche Nachrichten aus Ingolstadt bisher aus.

Hier finden Sie alle Ergebnisse des großen Arbeitgeberrankings 2022 im Überblick.

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