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Arbeitsmarkt Immer mehr Deutsche suchen ihre Zukunft im Ausland

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Andreas Pohling Quelle: Bartek Wrzesniowski für WirtschaftsWoche

Doch auch wenn es zunächst seltsam klingt: Die Abwanderung betrifft vor allem die, die hier bleiben.

Dem Staat entgehen unterm Strich mehr als eine Million Euro, wenn sich eine Ärztin mit 30 Jahren für eine Karriere im Ausland entscheidet. Das hat das Münchner ifo Institut errechnet. Wandert ein 23 Jahre alter Metall-Facharbeiter aus, liegt die Summe immerhin noch bei 281.000 Euro. Für die Beispiele berücksichtigten die Experten sowohl entgangene Einnahmen aus Steuern und Sozialabgaben als auch die Ausbildungskosten.

Genug von der Nörgelei

Andreas Pohling ist schon weg. Früher machte er sich jeden Freitag nach der Arbeit auf den Weg zum Frankfurter Flughafen. Im Gepäck nicht nur eine harte Arbeitswoche, sondern auch ein Rückflugticket für Sonntagabend. Zwei Stunden später landete die Maschine in Breslau. In der Stadt lebt seine Freundin.

Fünf Jahre lang ging das so, dann hatte Pohling genug – zudem ging ihm die Nörgelei der Deutschen „auf den Keks“, sagt der Informatiker. Also packte er im Mai 2008 die Koffer und machte sich auf den Weg zum Flughafen – ohne Rückflugticket. „Ich habe nicht vor, zurückzukommen“, sagt der 33-Jährige.

Warum auch? In Breslau verdient er als Geschäftsführer etwa dasselbe wie in Frankfurt, wo er zuletzt bei der Lufthansa Software entwickelte. Jetzt baut er die Firma IT-function Polska als selbstständige Schwester eines Mittelständlers aus Kassel auf. Deren Software zur Dokumentenverwaltung entwickelt und vermarktet Pohling mit Erfolg im ganzen Land. Er ist einer von über 13.000 Deutschen, die im vergangenen Jahr nach Polen gingen – erstmals war das Land damit das drittbeliebteste Ziel von Deutschen.

Schweizer Wirtschaft trotz Krise stabil

Den Spitzenplatz aber belegt die Schweiz. Knapp 20.000 Deutsche zogen 2008 dorthin. Trotz Krise ist die Wirtschaft des Landes relativ stabil, die Volkswirtschaft innovativ, das Geschäftsklima gut.

Das kann auch Andrea Westermann bestätigen. Sie kennt das Land noch aus Kindertagen – damals verbrachte ihre Familie häufig Urlaube dort. Nach dem Studium an der International School of Management (ISM) in Dortmund heuerte sie zunächst bei der Deutschen Telekom an. Mitte 2008 entdeckte sie ein Stellenangebot des Telekommunikationskonzerns Sunrise in Zürich, machte sich an ihre Bewerbung, wurde zum Interview eingeladen und bekam den Job. Seit Februar 2009 arbeitet sie als Produktmanagerin in Zürich.

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